Junger Kabarettist

Erfolg mit „Fritschante“ und Grammelpogatscherln

Burgenland
23.02.2026 09:00

Videos auf Instagram brachten Michael Steiger in die Herzen der Burgenländer. Seine erste Tour war sofort ausverkauft. Wie er vom Verkäufer zum Schauspieler wurde und dabei zum Kabarett fand, erzählte er der „Krone“. 

Manchmal schleicht sich der Erfolg ganz langsam an, dafür aber umso heftiger. Beim Ruster Michael Steiger entwickelte sich alles eher bescheiden. Der 26-jährige Jungschauspieler hatte nach seiner Bühnenreifeprüfung 2024 keine Engagements. Im Kroatienurlaub im September voriges Jahr postete er ein paar Videos in Sozialen Medien, in denen er seine mimischen Fertigkeiten ausprobierte. Durch Interaktion mit seinem Publikum, entstand nach und nach Michis Alter-Ego, die „Gerti“, eine geschäftige, gut vernetzte Hausfrau und Mutter aus dem Burgenland. Gertis Mundwerk und ihre Geschichten über Familie und Freunde am Postamt, beim Bäcker oder mit einem Glas „Fritschante“ in der Hand, brachten Steiger bis jetzt über 19 000 Follower auf Instagram und so viele Freunde auf Facebook, dass man ihn nur mehr abonnieren kann.

In eineinhalb Stunden ausverkauft
Im Jänner kündigte er seinen ersten Auftritt in Mattersburg am 24. April an. Der war nach 5 Minuten ausverkauft, der Zusatztermin am 25. April und die Auftritte am 19. Juni in Eisenstadt und am 19. September in Deutschkreuz innerhalb von eineinhalb Stunden. Steiger führt seinen Erfolg auf den vorherrschenden Zeitgeist zurück: „Es besteht eine Sehnsucht nach etwas ,Normalem‘. Die Gerti ist so wie eben viele Leute auch sind.“

Beim Gespräch mit der „Krone“ immer wieder „in der Rolle“.
Beim Gespräch mit der „Krone“ immer wieder „in der Rolle“.(Bild: Reinhard Judt)

Das kommt seinem Naturell entgegen, denn „King Lear oder Hamlet haben mich in der Schauspielschule weniger interessiert.“ Steiger will die Geschichten der Randfiguren erzählen und genau das scheint seine Beliebtheit auszumachen: Er spricht burgenländischen Dialekt und bringt drüber, was „echte Leute“ ausmacht. Auftrittsanfragen kamen deshalb auch aus Niederösterreich, der Steiermark und Kärnten, wo diese Bodenständigkeit ebenfalls viele Menschen anspricht.

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Es besteht eine Sehnsucht nach etwas ,Normalem‘. Die Gerti ist so wie eben viele Leute auch sind.“

Michael Steiger

Bei Michi Steiger war ursprünglich keine Rede von Schauspielerei als Beruf. „Ich habe Einzelhandelskaufmann im Bereich Raumausstattung gelernt.“ Highlights waren Jobs in Boutiquen auf Kreuzfahrtschiffen, die er gern weiter gemacht hätte. Wenn nicht seine Mutter schwer krank geworden wäre. Michi absolvierte in kluger Voraussicht eine weitere Ausbildung als Pflegeassistent. Dabei konnte er während der ersten Coronaphase mit zu wenig Pflegekräften auch immer wieder bei seiner mittlerweile verstorbenen Mutter im Spital vorbeischauen.

Der Schauspieler entwickelt gern die „Randfiguren“.
Der Schauspieler entwickelt gern die „Randfiguren“.(Bild: Reinhard Judt)

Während der Pandemie keimte in ihm die Idee zur Schauspielerei, und er begann neben seinem Pflegejob in einem Altersheim die Ausbildung in der Schauspielakademie von Elfriede Ott. 2024 schloss er mit der Bühnenreifeprüfung ab.

Viel gelernt in der Arbeitslosigkeit
Steiger: „Natürlich hat keiner auf mich gewartet, und es gab keine Engagements.“ Also meldete er sich beim AMS und hatte das Glück, einen Workshop für arbeitslose Schauspieler bei Mimin Julia Cencig (SOKO Kitzbühel) zu besuchen. Steiger: „Bei ihr habe ich gelernt, was ich in den drei Jahren in der Schauspielschule nicht gelernt hatte. Dazu gehörte viel Reflexionsarbeit und sich zurückzuversetzen in Situationen etwa als Kind.“

SOKO-Kitzbühel-Mimin Julia Cencig ist begeistert
Julia Cencig hat das „komödiantische Ausnahmetalent“ in ihm erkannt. Sie merkte gleich: „Das kann man nicht erlernen, das hat man oder hat man nicht. Ich bin froh, dass er sich entschlossen hat, ein Soloprogramm zu machen. Das Publikum wird Michi lieben.“

Im Jänner musste Steiger schließlich seine Arbeit in einer Behinderten-WG beenden. Sie wäre mit den Auftritten nicht mehr machbar. Und worauf darf sich das Publikum freuen, wenn der Michi mitsamt seiner Gerti durchs Burgenland touren wird? Steiger plant: „Es wird um die Gerti gehen, aber auch um den Michi. Ich profitiere da sicher auch von meiner Schauspielausbildung.“ Die Auftritte werden inszeniert sein und nicht klassische Stand-up-Comedy bieten. Derzeit probt er noch vor Freunden und kleinem Publikum. Der Name jedenfalls steht schon fest: „Grammelpogatscherl-Eskalation“, denn die Gerti knabbert gern etwas zu ihrem „Fritschante“.

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