Für Fleisch und Leder

Das ist das weltweit meist geschmuggelte Säugetier

Klima
22.02.2026 16:00

Das Schuppentier: Es wird erbarmungslos bis zur Stille der Wälder gejagt. Dabei handelt es sich um ein wundersames Tier, das kaum jemand kennt. Gerade deshalb verschwindet es wohl ...

Es lebt seit rund 50 Millionen Jahren auf dieser Erde. Es hat Klimakatastrophen überstanden, Kontinente wandern sehen und das Aussterben unzähliger Arten miterlebt. Doch ausgerechnet jetzt, im Zeitalter der Satelliten und globalen Märkte, steht es vor seiner größten Bedrohung: dem Menschen. Das Schuppentier, auch Pangolin genannt, ist das meist geschmuggelte Säugetier der Welt – und zugleich eines der unbekanntesten.

Schätzungen zufolge wurden allein zwischen 2000 und 2016 mehr als eine Million Pangoline illegal gehandelt. Hinter dieser Zahl stehen Millionen ausgelöschter Tierleben, Millionen verstummter Raschelgeräusche im Laub der Nachtwälder.

Riesentannenzapfen mit Chamäleonzunge
Wer ein Pangolin sieht, glaubt an einen Streich der Evolution. Sein Körper gleicht einem lebendigen Tannenzapfen aus scharfkantigen Hornplatten. Die Augen klein, der Gang vorsichtig, das Wesen friedfertig. Und doch besitzt es ein erstaunliches Werkzeug: eine klebrige Zunge, länger als sein eigener Körper, mit der es Ameisen und Termiten aus ihren Nestern saugt.

Ein einziges Tier vertilgt jährlich Millionen Insekten und wirkt damit wie ein unsichtbarer Schädlingsbekämpfer der Natur. Verschwindet das Pangolin, geraten ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht.

Der tödliche Instinkt
Der Name stammt vom malaiischen „pengguling“ – „der Sich-Einroller“. Bei Gefahr rollt sich das Tier zu einer festen Kugel zusammen. Gegen Raubkatzen ist das ein perfekter Schutz. Gegen Wilderer wird diese Strategie zur Tragödie. Sie müssen das Tier nur aufheben.

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Bei einer Schuppentierfreilassung dabei zu sein war ein ganz besonderes Erlebnis. Unfassbar, dass diese faszinierenden Tiere immer noch gewildert werden.

WWF-Artenschutzexperte Georg Scattolin

Kein anderes Säugetier wird häufiger illegal gefangen, getötet und geschmuggelt. Während Elefanten wegen Elfenbein sterben und Nashörner wegen ihres Horns, verliert das Pangolin sein Leben für Schuppen, Fleisch und Aberglauben.

Der Markt der Mythen
In Teilen Asiens gelten Pangolin-Gerichte als Delikatesse, ihre Schuppen als Heilmittel oder gar als Schutz vor Geistern. Tatsächlich bestehen sie aus Keratin – demselben Stoff wie menschliche Fingernägel. Medizinisch nachgewiesen ist keine Wirkung. Doch Mythen sind hartnäckiger als Fakten.

Unschuldig, und in freier Wildbahn: ein Pangolin-Junges.
Unschuldig, und in freier Wildbahn: ein Pangolin-Junges.(Bild: Suzi Eszterhas / Wild Wonders of China / WWF)

Der Handel ist professionell organisiert. Tiere werden lebend transportiert, zusammengepfercht in Kisten oder Säcken. Viele sterben bereits, bevor sie überhaupt verkauft werden.

Gesetze auf Papier – und die Realität im Wald
Der internationale Handel ist verboten, doch Verbote allein retten keine Arten. „Schuppentiere sind die meist geschmuggelten Säugetiere der Welt. Ihre friedliche Art macht es den hilflosen Tieren besonders schwer, sich gegen die Fänge der Schmuggler zu wehren. Umso wichtiger ist unser Einsatz, um die Art vor der Ausrottung zu bewahren“, warnt WWF-Artenschutzexperte Georg Scattolin.

Seine Mahnung zeigt, wie groß die Lücke zwischen Gesetz und Wirklichkeit ist. Solange Nachfrage besteht und Kontrollen lückenhaft sind, bleibt Wildtierkriminalität ein Milliardengeschäft.

Hoffnung aus den Schatten der Wälder
Und doch gibt es Hoffnung. In Schutzgebieten patrouillieren Rangerteams, entfernen Fallen und zerstören illegale Jagdcamps. Zehntausende Schlingen wurden bereits beseitigt. Wo die Fallen verschwinden, kehren die Tiere zurück. In manchen Regionen haben sich dokumentierte Sichtungen innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt – ein leises, aber deutliches Signal: Schutz wirkt.

Der Kampf beginnt im Kopf
Naturschutz entscheidet sich nicht nur im Dschungel, sondern in Städten und Köpfen. Aufklärungskampagnen zeigen Menschen, dass Pangolin-Schuppen keine Medizin sind und ihr Fleisch kein Statussymbol, sondern ein Symbol für Aussterben. Wo Wissen wächst, schrumpft der Markt. Und wo der Markt schrumpft, verlieren Schmuggler ihr Geschäft.

Leider auch für die Modeindustrie gejagt: die Schuppen des Pangolins.
Leider auch für die Modeindustrie gejagt: die Schuppen des Pangolins.(Bild: WWF-US / Keith Arnold)

Hightech gegen das Verbrechen
Heute unterstützen sogar Algorithmen den Artenschutz. Künstliche Intelligenz analysiert Versanddaten, erkennt verdächtige Muster und spürt verschleierte Online-Angebote auf. Technik wird zur Verbündeten der Natur – ein paradoxer, aber notwendiger Schulterschluss.

Ein stummer Appell
Das Schuppentier hat keinen lauten Ruf, keinen giftigen Stachel, keine Drohgebärde. Sein einziger Schutz ist sein Panzer – und der reicht gegen den Menschen nicht. Sein Schicksal ist deshalb mehr als eine Tiergeschichte. Es ist ein Prüfstein für uns. Denn am Ende entscheidet sich nicht nur, ob das Pangolin überlebt. Sondern auch, ob wir gelernt haben, dass die kostbarsten Wunder der Erde jene sind, die man nicht besitzen kann.

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