Eine junge Betroffene bricht im Gespräch mit der „Krone“ ihr Schweigen. Sie wurde von einem älteren Mann attackiert, doch die Behörde glaubt ihr nicht – das Verfahren wurde eingestellt!
Eine junge Oberösterreicherin erhebt im Gespräch mit der „Krone“ schwere Vorwürfe gegen das Justizsystem. Ihr Name bleibt anonym – ihre Worte sind dafür umso deutlicher. Sie spricht von Angst, Ohnmacht und einem Staat, der sie im entscheidenden Moment alleine gelassen habe.
Die heute 22-Jährige verweist auf alarmierende Zahlen: Jede achte Frau werde hierzulande Opfer einer Vergewaltigung, doch nur ein Bruchteil der Fälle lande überhaupt vor Gericht. „Fast alle Täter gehen einfach weiter – und die Opfer bleiben mit dem unfassbaren Schmerz zurück“, sagt sie und spricht leider aus eigener Erfahrung!
Mit brüchiger Stimme schildert sie ihr Erlebnis: 18 Jahre war sie alt, als ein fremder Mann im Ferienlager über sie herfiel und ihr Leben zerstörte. Sie ging zur Polizei, brachte Zeugenaussagen, kämpfte um Gerechtigkeit. Selbst der Beschuldigte habe zugegeben, dass sie ihn weggestoßen und „Nein“ gesagt habe. Und trotzdem: Einstellung des Verfahrens.
Er gab sogar zu, mich nach dem Sex am Handgelenk gepackt zu haben, als ich gehen wollte – und ich mich zweimal losreißen musste, um fliehen zu können.
Das Opfer im „Krone“-Interview
Wut, Tränen – und klare Forderung an die Politik
Die offizielle Begründung traf sie wie ein Schlag: Man könne nicht mit „erforderlicher Sicherheit“ beweisen, dass alles gegen ihren Willen geschehen sei. Für sie unbegreiflich. „Meine Schockstarre wurde mir vorgeworfen, meine Erinnerungslücken gegen mich verwendet“, sagt sie. Der Mann ging nach Hause – sie blieb mit Panikattacken, Schlaflosigkeit und düsteren Gedanken zurück. Die junge Frau will nicht länger schweigen. Sie fordert ein System, das hinsieht, zuhört und schützt. Ermittlungen, die Opfer stärken, statt sie zu zermürben. Richter, die Traumareaktionen verstehen. Und ein Gesetz nach dem Prinzip: Nur Ja heißt Ja! „Wie viele müssen noch zerbrechen, bis endlich etwas passiert?“, fragt sie.
Bundesregierung unter Zugzwang, man „evaluiert“
Der öffentliche Druck wächst – und in Wien wird es hektischer. Aus dem Justizministerium kommen Signale der Veränderung. Ministerin Anna Sporrer spricht sich, auch im „Krone“-Interview, offen für das Zustimmungsprinzip im Sexualstrafrecht aus. Kurz gesagt: ohne klares Ja kein Sex – und damit kein Schlupfloch mehr für Täter. Die Regierung kündigt an, das Gesetz auf den Prüfstand zu stellen. Lücken sollen geschlossen, Strafen verschärft, internationale Vorbilder genau unter die Lupe genommen werden. Polizei, Staatsanwälte, Richter, Anwälte, Experten und Vertreter der Zivilgesellschaft sollen gemeinsam Lösungen erarbeiten. Ein großes Versprechen – doch viele Betroffene fragen sich, ob diesmal etwas Brauchbares herauskommt.
Das „Nur Ja heißt Ja“-Prinzip (Konsensmodell), bei dem sexueller Kontakt ohne ausdrückliche Zustimmung als Vergewaltigung gilt, ist in mehreren EU-Ländern gesetzlich verankert. Dazu gehören zum Beispiel Spanien, Schweden, Frankreich, Irland und Slowenien.
Parallel läuft auf EU-Ebene eine Offensive gegen Gewalt an Frauen und sexuellen Missbrauch von Kindern. Neue Gesetze sollen Täter auch im digitalen Raum treffen – und Online-Plattformen in die Pflicht nehmen. Noch ist vieles in Verhandlung, vieles offen. Aber eines ist klar: Die Debatte ist lauter denn je.
Jede Dritte erlebt sexuelle Gewalt
Jede dritte Frau in Österreich hat sexuelle Gewalt erlebt. Das berichten Frauenberatungsstellen und Gewaltschutzzentren. Die Gefahr lauert in den meisten Fällen nicht „nur“ auf dunklen Straßen oder in Parks, sondern häufig im eigenen Zuhause. Denn viele Übergriffe passieren in den eigenen vier Wänden oder anderen Wohnungen. Aber auch in Lokalen, am eigenen Arbeitsplatz und an öffentlichen Orten lauert die Gefahr.
Die Täter? Fast ausschließlich Männer – 99 Prozent der wegen Vergewaltigung verurteilten Personen sind männlich – und in den meisten Fällen keine Fremden: Bei fast der Hälfte handelt es sich um Bekannte und Freunde, ein Drittel ist aus dem familiären Umfeld. Unbekannte Täter sind Ausnahmen, sie kommen oft aus dem engsten sozialen Kreis.
Und dennoch: Die meisten Verbrechen bleibt im Verborgenen. Experten sprechen nämlich von einer enormen Dunkelziffer. Nur rund neun Prozent der Betroffenen gehen nach einer Vergewaltigung zur Polizei, bei anderen Formen sexueller Gewalt sind es sogar nur sechs Prozent.
So kommen auf eine Anzeige zahlreiche Fälle, die nie offiziell bekannt werden ...
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