Köstlich künstlich

Augenschmaus statt Gaumenfreude zum Angeben

Kärnten
22.02.2026 16:01

Vom vorchristlichen Lieferservice, vom antiken Wegwerfgeschirr, von der Leistungsschau mit Augenschmaus statt Gaumenfreuden – fast köstlich, jedoch künstlich, vor allem aber kuriose Tischgewohnheiten!

Mit der Fastenzeit rückt das, was man isst, und das, was man nicht isst, noch mehr ins Zentrum. Durch die Geschichte der Menschheit war das Essen meistens mehr als reine Nahrungsaufnahme. Was auf den Tisch kam und worin es serviert wurde, war aber immer vom Stand, vom Einkommen abhängig.

Eine Reise in die Vergangenheit führt im Kärnten Museum zu teils kuriosen Tischgewohnheiten!

„Hier sehen wir Gebinde, in denen schon 800 vor Christus, also in der Bronzezeit, Bier gebraut wurde – aus Gerste. Das Bier diente auch rituellen Zwecken, beispielsweise als Grabbeigabe“, erklärt Christin Plangger von der Vermittlungsabteilung im Kärnten Museum. „Die Römer tranken den Wein übrigens immer mit Wasser verdünnt, die Kelten aber pur, daher galten die Kelten als unzivilisiert, als Barbaren.“ Wer heute wie ein Kelte speisen will, kocht ein Ritschert. Der Lieferservice ist keine Erfindung der Moderne, schon in der Hallstattzeit ab 800 vor Christus war dieser Dienst üblich. „Für die, die im Bergbau arbeiteten, machten andere das Essen, das nur noch wie heute Packlsuppen aufzuwärmen war“, so Plangger. Mit Salz wurde Fleisch konserviert, was die Vorratshaltung erst so richtig ermöglichte.

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Für ärmere Leute war das Essen oft reine Narhungsaufnahme, für reichere eine Leistungsschau: Schaut her, was ich mir leisten kann! 

Christin Plangger, Kärnten Kuseum, Vermittlung

Die antiken Einwegverpackungen
Das römische Tupper- und Einweggeschirr war die Amphore: Es gab bindende Größenstandards für die Tongefäße. Öl, Wein, Honigwurden in der Töpferware transportiert und gelagert. Waren die günstig hergestellten Amphoren leer, wurden sie weggeworfen.

Was die Römer gerne speisten, beispielsweise Ziegenkäseaufstrich mit Kräutern, verrät eines der ersten Kochbücher: „De re coquinaria“ (Über die Kochkunst). Ein Brei aus Dinkel, Wasser, Salz und Fett war ein typisches römisches Essen, manchmal mit Gemüse, manchmal mit Eiern, manchmal mit Fleisch oder Fisch – je nach Einkommen.

Zuckerschloss & Schaupasteten

Mehr über „Zuckerschloss und Schaupasteten“ erzählt Christin Plangger in einer Sonderführung am Samstag, 28. Februar (15 bis 16 Uhr), im Kärnten Museum in Klagenfurt. Anmeldung: 50 536-30599 oder erlebnis@kaernten.museum

Bei wohlhabenden Familien gab es reich ausgeschmückte Speisezimmer, was im Kärnten Museum am bekannten Dionysos-Mosaik aus Virunum zu sehen ist. Im Zentrum des 30 Quadratmeter großen Bodenmosaiks, das ab etwa 200 nach Christus ein Speisezimmer in Virunum zierte, ist der junge Dionysos zu sehen, der Gott der immer wieder neu erblühenden Vegetation, des Weines, des Rausches.

„Beim Gastmahl waren alle Speisen in mundgerechte Stücke zerteilt; man aß mit den Fingern, hatte höchsten noch einen Spieß, den Vorläufer der Gabel. Und man lag dabei auf einer Kline“, so Plangger. „Ärmere, arbeitende Leute aßen in den Städten in Garküchen, in Kantinen.“

Weißes Fleisch, weißes Brot und Mandelmilch für Adelige
Klare Regeln gab es auch im Mittelalter: Weißes Fleisch und weißes Brot waren dem Adel vorbehalten. „Da es rund 260 Fasttage gab, an denen Käse, Eier, Milch und Fleisch verboten waren, war einerseits die Haltbarmachung wichtig; daher gibt es zu Ostern oft Eier. Andererseits wurde man kreativ: Adelige ließen sich Mandelmilch kredenzen“, weiß Plangger.


Vor allem das Auge war zu erfreuen
Je reicher jemand war, umso auffallender die Speisetafel für seine Gäste: Vögel wurden im Ganzen zubereitet und zum Servieren mit den Federn geschmückt. „Aus reich verzierten Schaupasteten sprangen auf der Tafel Zwerge, aus Scherzpasteten flogen Vögel oder krochen Schlangen hervor – sie waren also zur Belustigung der Gäste lebend gefüllt“, erzählt Plangger für uns unfassbare Tischgewohnheiten. Ein lebendiger Pfau als Tischdeko, mit einem Goldkettchen an einen goldenen Tischaufsatz fixiert, war ein Hit. „Wer Meeresfrüchte auftragen ließ, machte klar: Ich kann mir Krabben und ähnliches UND die dafür notwendige Kühlung leisten“, macht Plangger klar.

Um nicht mehr dermaßen viele gefüllte Teller auf der Tafel zu haben, wurden später durch Keramik nachempfundene Speisen üblich: Ein Teller mit Saukopf, eine Platte mit Gemüse und Zuckerbäckerkunst – rein zum Ansehen. Augenschmaus statt Gaumenfreuden.

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