Mehrere Vorfälle:

Das Protokoll der nächtlichen Häfen-Kletterei

Wien
20.02.2026 05:00

Sobald Videos eines Vorfalles auf TikTok kursieren, ist es vorbei mit der Geheimhaltung. So geschehen im Falle junger Menschen, die des Nächtens am Nebendach der Justizanstalt in der Josefstadt herumturnten und die Zellen filmten. Die „Krone“ hat das Protokoll der Kletterei – es war übrigens nicht der einzige Vorfall dieser Art. 

Wuchtig sind die grauen Mauern, die sich im 8. Wiener Gemeindebezirk zwischen Landesgerichtsstraße, Alser Straße und Wickenburggasse erheben. Sie beherbergen das „Graue Haus“: So nennen Wiener den gesamten Komplex aus Straflandesgericht (auch liebevoll „Landl“ genannt) und dem größten Gefängnis Österreichs, der Justizanstalt Wien-Josefstadt. 

(Bild: Mario Urbantschitsch)

Österreichs größtes Gefängnis traditionell überbelegt
Mehr als 1200 Häftlinge sitzen aktuell im „Aansa“ hinter schwedischen Gardinen, dicht an dicht gedrängt. Denn eigentlich wären nur knapp 1000 Plätze vorgesehen. Kein neues Problem, die Justiz kämpft seit Jahren mit denselben Schwierigkeiten. Sicherheitsrelevante Vorfälle dringen trotzdem so gut wie nie durch die dicken Gemäuer des „Grauen Hauses“ nach draußen. 

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22:18 Uhr: Meldung über anstaltsfremde Personen am Dachgerüst des Landesgerichtes.

Auszug aus dem Protokoll der Vorfälle

Baugerüst wirkt für Jugendliche wie eine Einladung
Es sei denn, jemand schmuggelt ein Handy ins Gefängnis und postet Fotos und Videos in sozialen Medien. Aktuell sind es aber weder geschmuggelte Handys noch Insassen, die für Aufregung sorgen. Sondern Jugendliche, die sich immer wieder Kletterpartien aufs Dach von Gericht und Häfen leisten. Der Grund: Seit geraumer Zeit ist ein großer Teil des Landesgerichts wegen umfassender Sanierungsmaßnahmen von außen eingerüstet. Für die Jugendlichen wirkt das Gerüst wie eine Einladung. 

Ein Justizwachebeamter erkannte die Fremden auf dem Dach.
Ein Justizwachebeamter erkannte die Fremden auf dem Dach.(Bild: P. Huber)

Protokoll gibt Einblick in nächtlichen WEGA-Einsatz
Die Videos, die nun auf TikTok auftauchten und teils von 100.000 Nutzern gesehen wurden, zeigen laut „Krone“-Informationen wohl eine Kletterei, die sich am 8. Februar abgespielt hat. Das Protokoll des Vorfalles liegt vor – und liest sich wie eine Folge des Kult-Krimis „Kottan“ ermittelt. Um exakt 22.18 Uhr wurden „drei anstaltsfremde Personen am Dachgerüst des Landesgerichtes (Alserstraße) gesichtet“, heißt es in dem Protokoll. Der Dachposten wurde verstärkt, sechs Minuten später wurde der Notruf 133 abgesetzt. 

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22:40 Uhr: WEGA trifft am Einsatzort ein.

22 Minuten nach der Erstsichtung waren die Spezialkräfte vor Ort

„Anstaltsfremde Personen“ am Dach
Drei Inspektoren begleiteten die Polizei zur Außensicherung in die Alserstraße, die um 22.33 Uhr am „Landl“ eingetroffen war. Auch die Spezialeinheit WEGA war bereits um 22.40 Uhr vor Ort. Fünf Minuten später beobachtete man die „anstaltsfremden Personen“, wie sie sich am Dach von Hof 6 über Hof 5 bis Hof 4 bewegten. Offensichtlich versuchten die Jugendlichen noch, ohne von der Polizei erwischt zu werden, abzuhauen. Das Gerüst war bereits jedoch vollständig von der Polizei umstellt. 

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23:10 Uhr: Die drei anstaltsfremden Personen wurden von der Polizei mitgenommen. 

Einsatz beendet, Sicherheit wiederhergestellt

„Sicherheit und Ordnung wiederhergestellt“ – oder doch nicht? 
Die Jugendlichen gaben um 23 Uhr auf – sie kletterten laut Protokoll freiwillig über das Gerüst wieder nach unten und gaben an, über die Ecke Florianigasse und Landesgerichtsstraße auf das ungesicherte Gerüst gekommen zu sein. Der letzte Eintrag um 23.20 Uhr lautet: „Sicherheit und Ordnung wiederhergestellt.“ Ob das tatsächlich der Fall ist, scheint fraglich. Laut einem Insider handelt es sich nämlich nicht um den einzigen Vorfall dieser Art. 

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Bauliche, technische und organisatorische Sicherheitsmaßnahmen werden laufend evaluiert und den Erfordernissen angepasst fortgeführt.

Sina Bründler, Sprecherin Justizministerium

Seit November kam es zu mehreren Vorfällen
Seitdem das Baugerüst steht, sollen schon zig Male Unbekannte versucht haben, aufs Dach des Gerichts zu klettern. Auf das Dach der Justizanstalt zu kommen, gilt übrigens als beinahe unmöglich – es ist mit hohem Stacheldraht am Dach vom Gerichtsgebäude getrennt. Während es den Kletterern in einigen Fällen gelang, wieder unerkannt zu flüchten, soll die WEGA schon Ende November ausgerückt sein. 

Sicherheitsmaßnahmen sollen verstärkt werden
Wenig überraschend, sollen die Sicherheitsmaßnahmen im Gefängnis nun verstärkt werden. Vor allem in der Nacht sollen die Posten verstärkt ihr Augenmerk Richtung Baugerüst und Dach richten. Auch die Linsen der Kameraüberwachung richten sich aktuell vermutlich häufiger Richtung Dach als üblich. Das Gerüst wird wohl auch zusätzlich gesichert. Die Maßnahmen „werden laufend evaluiert und den Erfordernissen angepasst“, heißt es aus dem Justizministerium.

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