Gedruckt wird hier seit Generationen – und trotzdem blickt man klar nach vorne: In der Druckerei Ferdinand Berger & Söhne in Horn entsteht die auflagenstärkste Monatszeitung Österreichs, dazu Auto-Touring-Magazine, zahlreiche weitere Zeitschriften und sogar Schulbücher. Rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen dafür, dass Millionen Exemplare pünktlich ausgeliefert werden. Nun hält auch hier die künstliche Intelligenz Einzug – allerdings nicht als Ersatz, sondern als Unterstützung.
„Ich glaube, es ist immer ein Miteinander. Der Mensch und die KI, man wird dann irgendwo sehen“, sagt Peter Berger von der Druckerei Berger & Söhne in Horn. Das Projekt ist Teil von Digi-4-Wirtschaft, dem Impulsprogramm des Landes Niederösterreich mit der Wirtschaftskammer NÖ – und gilt als Vorzeigeprojekt aus dem Waldviertel.
Stolz auf Menschen und Produkte
Was das Unternehmen auszeichnet, ist nicht nur seine Größe, sondern vor allem seine Haltung: „Stolz sind wir auf alles, was gedruckt wird – auf die ganzen Magazine und unsere Mitarbeiter. Wir haben Gott sei Dank eine sehr niedrige Fluktuation. Wir bilden alle unsere Mitarbeiter selbst aus, egal ob im Büro oder in der Produktion“, betont Berger.
Genau dieses Selbstverständnis war auch entscheidend für den nächsten Schritt: Die Einführung einer KI – aber zu eigenen Bedingungen.
„Eigene Daten müssen im eigenen Haus bleiben“
In einer modernen Druckerei fallen enorme Datenmengen an: Einkaufslager-, Druck- und Kundendaten, Informationen aus dem Versand und dem Maschinenpark. Für Berger war klar, dass diese sensiblen Informationen nicht außer Haus gegeben werden dürfen:
„Der erste Schritt war ganz wichtig, dass die ganzen Daten nicht irgendwo in Amerika liegen.“

Peter Berger von der Druckerei Berger & Söhne
Bild: Druckerei Berger & Söhne
Und weiter: „Es sind ja auch unsere Kundendaten, mit denen man sehr vorsichtig umgehen muss. Die kann man nicht einfach woanders hingeben“, erklärt Berger. Deshalb wurde bewusst eine Lösung gewählt, bei der alle Daten im eigenen Serverraum bleiben.
Österreichische KI für österreichische Daten
Umgesetzt wurde das Projekt gemeinsam mit einer heimischen Firma. „Auf Basis dieser zusammengeführten Daten ist es dann möglich, weitere Auswertungen durchzuführen, die das Gesamtsystem beleuchten oder einzelne KI-Tools für bestimmte Bereiche bereitzustellen“, erklärt Christian Kössler von der Christian Kössler Consulting GmbH aus Mödling. Der große Vorteil: Die KI schafft Ordnung in einem riesigen Datenwulst.
„Der Vorstellungskraft sind hier keine Grenzen mehr gesetzt. Man kann Abfragen über mehrere Bereiche machen – das war in dieser Form bisher nicht möglich.“

Christian Kössler von der Christian Kössler Consulting GmbH
Bild: Druckerei Berger & Söhnediv
Open Source statt Lizenzfalle
Eine Besonderheit des Projekts: Es wurde mit Open-Source-Komponenten gearbeitet. „Das bedeutet, dass die Lösung gut erweiterbar ist, keine Lizenzkosten anfallen und direkt im Unternehmen selbst betreut und gewartet werden kann“, erklärt Kössler weiter. Ein Ansatz, der nicht nur wirtschaftlich, sondern auch strategisch überzeugt.
KI hilft – der Mensch bleibt
Dass die KI keine Druckrollen wechseln oder Maschinen warten wird, ist allen Beteiligten klar. Doch die Erwartungen sind dennoch hoch: „Es wird Unterstützung geben – in der IT, im Expedit, überall dort, wo Fehler vermieden werden sollen. Aber der Faktor Mensch ist trotzdem immer vorhanden“, sagt Berger.
Gerade im Bürobereich soll die KI entlasten und Abläufe sicherer machen. „Wir haben uns das Ganze angeschaut – und daraufhin dieses Projekt gestartet“, so Berger abschließend.
Viele Möglichkeiten für die Zukunft
Durch die nun zusammengeführten Daten eröffnen sich für die Druckerei Berger & Söhne zahlreiche neue Perspektiven. Das Projekt zeigt eindrucksvoll: Auch ein traditionsreicher Betrieb kann digital vorangehen – wenn Mensch, Technik und Verantwortung zusammenspielen.