Jahrelang war es ruhig um die britische Folk-Pop-Hallenstürmer Mumford & Sons, nun erscheint mit „Prizefighter“ nach „Rushmere“ schon das zweite Album innerhalb eines Jahres. Marcus Mumford und Ted Dwane erzählen uns im „Krone“-Talk, warum die Pause nötig war, wie sie ihre Freundschaft kalibriert und gefestigt haben und warum man für das neue Werk alle Ängste und Unsicherheiten von Bord warf.
„Krone“: Marcus, Ted – sieben Jahre lang gab es von euch keine neue Musik zu hören. Nun habt ihr mit „Rushmere“ (2025) und dem nagelneuen „Prizefighter“ gleich zwei Alben innerhalb eines Jahres veröffentlicht. Woher der Energieschub und stammen die zwei Alben aus einer Songwritingsession?
Marcus Mumford: Nein, wir haben die Alben separat voneinander geschrieben. Als wir „Rushmere“ mixten, kam unser Produzent und alter Freund Aaron Dessner vorbei und infizierte uns mit ein paar neuen Ideen. Dann haben wir ihm unsere Ideen gezeigt und uns gefragt, warum wir nicht ein paar Songs schreiben? Plötzlich war ein halbes neues Album fertig und der Rest lief wie von selbst. Es war nie so geplant, aber die Inspiration hat nicht aufgehört.
„Prizefighter“ klingt nach den alten Mumford & Sons, ohne dabei am derzeitigen Zeitgeist vorbei zu schrammen. Eine gute Mischung. Aber wieso gab es sieben Jahre lang kein Album?
Ted Dwane: Da kam einiges zusammen. Nach „Delta“ wollten wir erstmals eine kleine Pause machen, Marcus schrieb sein Soloalbum und dann kam Covid. Die ersten vier Alben schrieben wir wie im Rausch, gefolgt von Auftritten und Tourneen. Wir kamen nie zur Rast und haben das nicht mal mitgekriegt. 2007 wurden wir wie eine Kanonenkugel in den Orbit geschossen und international wesentlich schneller wahrgenommen, als wir uns das je erträumten. Diesen Fahrtwind wollten wir lange beibehalten, bis wir dann eine Pause machen mussten. Wir haben uns nach längerer Zeit wieder getroffen. Ausgelotet, wie wir uns verändert haben, was das mit uns als Band macht und ob wir wieder gemeinsam kreativ sein können. Nach dem Wirbelsturm aus Spaß und Erfolg war es nötig, mal abzutauchen.
War die Pandemie die ideale Zeit, um alles Erlebte und auch die Band und Freundschaft untereinander zu reflektieren und zu analysieren?
Mumford: Es hat sich in der Zeit viel getan. Winston Marshall verließ die Band und wir wechselten unser Management. Eigentlich waren wir das erste Mal seit unseren Schultagen länger voneinander getrennt und konnten uns wieder auf uns selbst konzentrieren. Als wir wieder zusammenkamen, war sofort klar, dass wir wieder loslegen wollen. Qualitativ hochwertige Songs schreiben. Den Leuten zeigen, was wir können. Große Arenen spielen. Wir dachten früher auch, alle zwei, drei Jahre muss ein Album her, gefolgt von einer zweijährigen Tour. Heute wissen wir, wir können das nach unseren Regeln machen. Das ist ein großes Privileg. Auch die Tatsache, dass wir jetzt gleich zwei Alben schreiben konnten und die Menschen zufrieden scheinen.
Die Trennung von Winston erfolgte aufgrund seiner harschen politischen Ansichten. Hat diese Zeit Spuren in der Band hinterlassen? Bröckelte das stabile Fundament kurzfristig?
Mumford: Über das Thema Winston haben wir mittlerweile alles gesagt, da gibt es nichts mehr hinzuzufügen. Wir haben immer gewusst, dass es weitergehen wird und dass wir Lust darauf haben. Als wir das erste Mal wieder gemeinsam mit Instrumenten in der Hand in einem Raum standen, war alles klar. Wir haben uns an einem 23. Jänner in Los Angeles getroffen und nach den ersten paar Tagen hatten wir das halbe „Rushmere“-Album und den ersten Song von „Prizefighter“, „Here“, geschrieben. Danach sind wir alle um die Welt gereist und ließen uns inspirieren. Ob in Nashville, Paris oder sonst wo – wir ließen alle Einflüsse zu.
Wie wichtig war diese geografisch weite Reise für das Endergebnis?
Mumford: In erster Linie nahmen wir „Rushmere“ mit Dave Cobb in den RCA Studios in Nashville auf. Es waren nicht alle Sessions gleich gut, aber aus irgendeinem Grund hat sich alles perfekt eingepasst und es entstand dieses sehr schöne Album. Dann fuhren wir für eine Auszeit nach Paris und besuchten Dave bei sich zu Hause in Savannah, Georgia. Direkt am Wasser. Auch dort ging es für „Rushmere“ gleich weiter wie zuvor. Wir saßen gemeinsam herum, spielten und es entstanden wieder Songs. Manchmal braucht es nur die richtige Umgebung und die Kraft der Gemeinschaft. Danach ging es in Aarons Long Pond Studio nach New York, was sich ein bisschen isolierter anfühlte als die Arbeitsweise davor. Dort gab es keine Erwartungen. Die Umgebung des Studios und das Hin- und Herjonglieren der Ideen mit Aaron hat dann „Prizefighter“ erschaffen.
In größeren Metropolen kann man sich viel leichter ablenken lassen. Ist das wichtig, um Abstand zu gewinnen und wieder frisch ans Werk zu gehen? So als Gegenpol zu vielen Künstlern, die sich oft wochen- oder monatelang in ländlichen Scheunen sperrten, um völlig fokussiert zu arbeiten?
Mumford: Ich weiß nicht, ob es zwingend Ablenkungen sein müssen, aber die Szenerie zu wechseln, andere Orte zu sehen und andere Einflüsse zu kriegen ist sicher wichtig. Das erzeugt eine besondere kinetische Energie. Das ist auch der Grund, warum wir noch nie zweimal gleich an ein Album herangingen. Die Arbeit mit Aaron an „Prizefighter“ war so gut, dass ich mir eine Wiederholung vorstellen kann. Eventuell machen wir es das erste Mal so, aber warten wir mal ab. Veränderung ist immer hilfreich.
Dessner gehört zu den besten und erfolgreichsten Produzenten der Gegenwart. Wie wichtig ist jemand wie er, um in der Band frischen Wind zu entfachen? Und wo müssen Grenzen gezogen werden, damit sich sein Stil vielleicht nicht zu stark über den klassischen Mumford-Sound stülpt?
Mumford: Eine gute Frage. Wir haben jedenfalls nie zuvor ein Album mit einem Produzenten gemacht, der uns schon so lange kennt wie Aaron. Er kann den Spiegel hochhalten und reflektiert uns mit unseren Stärken und Schwächen wie kein Zweiter. Ein Song wie „Shadow Of A Man“ hätte ohne ihn nie entstehen können. Er wollte, dass wir die Gitarrenspuren mit dem Bass einspielen, eine Kickdrum und ein Piano verwenden und es schlicht dabei belassen. Ich war mir unsicher, habe aber so viel Vertrauen in ihn, dass ich mich auf das Experiment einließ. Gottseidank, denn nun ist es eines meiner absoluten Lieblingslieder von uns – gerade weil es so simpel ist. Er vertraute unseren Urinstinkten und deshalb ist es auch so ein pures Mumford-&-Sons-Album geworden.
Dwane: Wenn dir jemand deine Urinstinkte herauskitzelt, dann dringt er zum Kern deiner selbst vor. Es ist so, als würde man die Geheimsauce für die Perfektion des Essens herausfinden.
Viele der Lieder, vor allem auf der zweiten Albumhälfte, sind pur, emotional, verletzlich. Ihr rückt damit wieder stärker zum Kern der Band vor, habt eure Ursprünge dazwischen auch mal in Richtung Arena-Rock oder elektronische Experimente verlassen. War diese Rückbesinnung bewusst gewählt?
Mumford: Das hast du sehr gut beobachtet und dafür braucht es Selbstsicherheit. Verletzlich, echt und pur – diese Worte passen gut zu „Prizefighter“. Deshalb fühle ich mich den Liedern auch so stark verbunden wie jenen auf unserem Debütalbum. Wir haben die Songs geschrieben, aufgenommen und nicht überdacht. Das war früher bei Nummern wie „White Blank Page“ oder „Little Lion Man“ auch der Fall. Die kamen ungefiltert rauf und so wurden sie live gespielt. Diese Ursprünglichkeit im Entstehungsprozess hatten wir in der Form so nie wieder. Bis „Prizefighter“ wäre es undenkbar gewesen, in der Früh ein Lied zu schreiben, es nachmittags aufzunehmen und dann so zu belassen. Bei allen anderen Alben seit unserem Debüt hatten wir zwischen Schreiben und Aufnehmen Zeit, um die Songs sacken zu lassen und sie eventuell zu adaptieren. Ich mag diese Herangehensweise, aber „Prizefighter“ ist ein Album, das von seiner puren, unverfälschten Direktheit lebt. Ted, Ben und Aaron haben mich dazu gebracht, mich so verletzlich und angreifbar wie nie zuvor zu zeigen. Ich bin eine sehr dünnhäutige Person, für mich war das nicht leicht. Ich brauche meine Community, um mich sicher und gut zu fühlen. Gottseidank habe ich die zu jeder Zeit gespürt.
Ihr kennt euch innerhalb der Band seit Ewigkeiten, seid durch alle Höhen und Tiefen gegangen. Wie wichtig ist der Faktor Freundschaft, wenn man ein gutes musikalisches Resultat vorlegen will?
Mumford: Es hätte keine Möglichkeit gegeben, dieses Album ohne unsere Liebe, das Vertrauen und den Glauben zueinander zu schreiben. Deshalb ist es auch so schwierig, kreative Partnerschaften zu beschreiben und zu benennen. Manchmal erklärt das Ergebnis alles besser, als wir es in Interviews zu tun vermögen. Den Song „Conversation With My Song (Gangsters & Angels)“ haben wir zusammen in einem Raum geschrieben. Ben hatte die Idee zum Refrain, Ted hat den Song auf dem Bass arrangiert und ich schrieb am Notebook den Text und klimperte auf meiner Gitarre herum. Wir haben herumgespielt, uns dabei angesehen, Text und Musikbausteine verändert und im selben Raum, zur selben Zeit gemeinsam alles ausgearbeitet. Dieses Lied würde es ohne unsere Beziehung zueinander und auch zu Aaron Dessner definitiv nicht geben.
War es für euch leicht, gemeinsam mit der Band erwachsen zu werden und dann weiterzuwachsen? Ihr geht den Weg schon eine sehr lange Zeit miteinander und da ist unheimlich viel passiert.
Dwane: Eine wichtige Frage. Wir haben alle sehr früh entschieden, dass die Band das Zentrum unseres Lebens sein würde. Wir hatten immer dieselben Visionen. Wir sind sehr sensitiv, reagieren sofort auf den jeweils anderen und fühlen die Stimmung im Raum. Genau so sollte ein Kollektiv funktionieren. Die Reise, die wir zusammen unternehmen, hat uns nur noch enger zusammengeschweißt. Egal, ob privat oder beruflich, wir navigieren gemeinschaftlich durch alle Phasen und nur wir drei in der Band haben alles so erlebt. Die einzigen Menschen, die die ganze Geschichte verstehen, sind Ben, Marcus und ich. Je weiter wir gemeinsam reisen, umso reichhaltiger und intensiver wird diese Erfahrung.
Sensitiv und sensibel zu sein ist gerade in rauen Zeiten wie diesen eine umso wichtigere Eigenschaft. Braucht es herzhafte, ehrliche und sensible Musik mehr denn je?
Mumford: Durch unsere Sensibilität ist es uns möglich, dass wir uns verletzlich zeigen. Ich persönlich muss sagen, dass ich diese Seite an mir durch die vielen starken Frauen in meinem Leben erkannt habe. Von Frauen, Müttern, Kindern oder anderen Musikerinnen wie Phoebe Bridgers, Gracie Abrams oder Brandi Carlile. Sie haben mir Selbstvertrauen eingeimpft und mich anders kennenlernen lassen. In einer Zeit, wo sogenannte starke Männer die Welt lenken, tut eine kräftige Dosis männliche Verletzlichkeit sicher gut. Die Frauen in unserem Leben ein bisschen mehr zu ehren wäre eine gute Sache. Mit der Empathie ist es gerade schwierig in der Welt. Wir glauben aber an Mitgefühl und an einen moralischen Kompass, durch das Leben leitet. Dass man sich auch mal in andere Schuhe stellt und mit ihnen zu gehen versucht. Künstler können und sollen das gerne bekräftigen.
Um Empathie muss man in der Gesellschaft hart kämpfen. Als Künstler habt ihr eine gewisse Vorbildrolle, in der einem zugehört wird. Erleichtert das die Art und Weise, ehrlich und man selbst zu sein?
Mumford: Ich will die Rolle von Künstlern jetzt nicht künstlich hochjubeln, das wäre unangemessen. Die Welt brauchte schon immer Propheten, Priester und Poeten. Dafür benötigt es demokratische und diplomatische Führungskräfte und speziell im Westen der Welt lässt uns dieses System schon länger im Stich. Die Kunst spielt in der Welt eine wichtige Rolle, aber sie kann die Probleme nicht lösen. Deshalb muss man darauf schauen, dass man die Macht von Künstlern nicht überbewertet.
Denkt ihr mit jedem neuen Album stärker daran, was ihr aussendet? Welche Message ihr in die Welt trägt und was diese Message möglicherweise bewirken kann?
Mumford: Ganz im Gegenteil, wir versuchen immer weniger daran zu denken. Ich liebte am Prozess, dass Ted, Ben, Aaron und ich einen Song schrieben und ihn genau so beließen, wenn wir damit zufrieden waren. Das war ein gewisser Schutzmechanismus. Sobald du an dein Publikum denkst, beeinflusst das den Schreibprozess und die Songs verlieren ungewollt etwas von ihrer puren Integrität. Um ganz bei sich zu sein, muss man auch ganz bei sich bleiben. Das ist uns für „Prizefighter“ sehr gut gelungen.
Weil ihr vorher Gracie Abrams angesprochen habt – sie gehört neben Hozier, Chris Stapleton und Gigi Perez zu den vielen Gästen auf „Prizefighter“. „Rushmere“ hatte hingegen „nur“ Madison Cunningham – hat sich das einfach so ergeben?
Dwane: Madison war quasi das Warm-Up für diese Idee. (lacht) Als wir bei Cobb in Georgia aufnahmen, hat ihr Marcus eine Nachricht geschrieben, ob sie nicht vorbeikommen möchte und so haben wir sie für den Song „Blood On The Page“ für „Rushmere“ verpflichten können. Für uns war das neu. Aaron hingegen ist jemand, der von Zusammenarbeiten und Kollaborationen lebt. Er liebt und schätzt das über alles und hat uns sofort dafür begeistert. Wir wollten eigentlich schon immer so arbeiten, wussten aber nie genau, wie wir an die Sache rangehen sollten. In London sind wir so aufgewachsen. In einer offenen Musikszene, wo jeder mit jedem spielt und man sich andauernd vor Publikum beweisen muss. Das haben wir oft auf der Bühne umgesetzt, aber nie auf einem Album. Es war irgendwie überfällig. Bis auf eine Ausnahme sind das alles Leute, die wir schon lange, teilweise seit Jahrzehnten kennen. Wir haben uns sehr wohl gefühlt. Die Ausnahme war Chris Stapleton. Marcus meinte, er wäre perfekt für den Opener „Here“ und zum Glück sagte er zu.
„Here“ ist ein sehr gut gewählter Opener, der optimal in das Album und seinen Sound einleitet. Ist Hozier etwa der „Rubber Band Man“ (zu Deutsch: „Gummibandmann“), so wie der Song heißt, auf dem er mit euch zu hören ist?
Mumford: Möglicherweise. Er ist ein sehr geschickter, adaptiver Typ, den man überall ranlassen kann. Vielleicht passt die Bezeichnung wirklich gut zu ihm. (lacht)
Ist „Run Together“ ein Synonym für eure Freundschaft oder die gemeinschaftlichen Erlebnisse über all die Jahre?
Mumford: Vielleicht ein bisschen. Es geht aber mehr darum, nach links und rechts zu schauen im Leben und die Leute, die man liebt, für alles mit an Bord zu nehmen, was man selbst gerne erlebt.
Was bedeutet der Titel „Prizefighter“ genau? Worauf spielt ihr damit an?
Mumford: Ich bin ziemlich besessen von diesen Charakteren, die gleichermaßen verletzlich wie selbstbewusst sind. Deren Herz komplett gebrochen sein kann, die sich aber wieder Hals über Kopf verlieben können. Dieses Spannungsfeld zwischen zwei sehr großen, aber unterschiedlichen Emotionen. Irgendwie hat das unser Gefühl und die Art der Zusammenarbeit für dieses Album perfekt wiedergespiegelt. Wir haben hier unser Herz ausgeschüttet und alles auf den Boden geworfen. Wir sind nicht beschämt und müssen uns fürs nichts rechtfertigen. Das sind pur wir. Wir waren sehr ambitioniert dabei, so selbstbewusst wie möglich zu sein und uns nicht zu bremsen. Das war für mich eine Premiere. Wir haben es bisher sehr Englisch angelegt, eine Band zu sein. Jetzt haben wir ein bisschen mehr von unseren amerikanischen Freunden abgeschaut und gehen etwas großspuriger an alles ran.
Bei all diesen großen Emotionen und Momenten – was war denn für euch der emotionalste oder herausfordernste Moment beim Schreiben von „Prizefighter“?
Mumford: Für mich war das sicher „Conversation With My Son (Gangsters & Angels)“. Wir haben den Song, wie gesagt, gemeinsam geschrieben und das war so ein magischer und brüchiger Moment. Es hat sich alles gefügt und als wir ihn das erste Mal zusammen spielten, waren wir hin und weg davon. Man hofft als Künstler immer, dass die Musik, die man schreibt, den Leuten auch etwas bedeuten wird. Man kann es nie voraussagen, aber manchmal ist das Gefühl bei einem Lied so klar, dass es gar nicht anders kommen kann. Ich habe dieses Gefühl bei diesem Lied.
Wenn ihr beim Songwriting schon nicht ans Publikum denkt, denkt ihr dann an das eigene Vermächtnis? Um sich nicht zu wiederholen oder von bereits bestehenden Punkten her aufzubauen?
Mumford: Ich bin so ein Narziss, mir ist es eigentlich völlig egal, was die Menschen von meinen Liedern halten, wenn ich selbst einmal nicht mehr hier auf der Welt bin. An unser Vermächtnis denken wir nicht wirklich. Wir sind als Band sehr gut darin, nach vorne zu schauen und nicht zurück. Auf der anderen Seite denkst du beim Songwriting an die Menschen, die dir am nächsten sind und die du liebst. Es ist ein Kreislauf, der sich irgendwie aus einem Zeitfragment herausschält.
Mit „Delta“ und „Wilder Mind“ seid ihr musikalisch doch stark aus eurem Ursprung herausgekommen und habt experimentiert. Die zwei neuen Alben berufen sich wieder viel mehr auf die Anfänge, auf das Folkloristische, das euch zu Stars gemacht hat. Ist es trotzdem möglich, dass ihr in Zukunft musikalisch wieder weiter ausschert?
Mumford: Ich habe mir erst gestern „Stay“ von unserem neuen Album angehört und fand dort sehr viele Einflüsse von „Wilder Mind“. „Begin Again“ wiederum erinnert mich an unsere „Delta“-Phase. Ich glaube, wir sind an dem Punkt angelangt, wo wir uns selbst gefunden haben. Wir haben Spaß an der Sache und genießen es, dass wir in alle Richtungen ausfransen können und es sich immer nach uns anfühlt. Die Diversität ist uns ungemein wichtig. Wir lieben die Dynamiken in der Musik, aber auch total entschlackte Lieder wie „I’ll Tell You Everything“. „Prizefighter“ atmet wahrscheinlich mehr Luft als es andere Alben vorher taten. Auch in einer Liveshow können wir binnen Sekunden von einer ruhigen Akustiknummer zu einer explosiven Rockshow wechseln – wir lieben es, dass wir diese Möglichkeiten haben.
Wenn man in zwei Jahren zwei Alben veröffentlicht, ist dann das dritte schon ums Eck oder lässt ihr euch jetzt erst einmal ein bisschen fallen und konzentriert euch aufs Livespielen?
Mumford: Das wissen wir alles noch nicht. Die letzten Jahre waren jedenfalls eine gute Übung, unser Publikum dort einzuladen und abzuholen, wo wir uns gerade befinden und das ist gut gelungen. Wir haben schon noch Material in der Hinterhand, aber geplant ist erst einmal nichts. Wir sind nicht wie Bruce Springsteen, der einen Song schreibt und ihn am nächsten Tag fertig ins Netz stellt. Das ist noch einmal ein ganz anderes Level.
Bei all den vielen Konzerten fehlt mir noch immer der Österreich-Termin. Euer letztes Stelldichein liegt fast schon sieben Jahre zurück. Es wäre langsam wieder an der Zeit …
Mumford: Ich kann mich noch sehr gut an das Konzert im Mai 2019 erinnern. Wir waren einen Tag früher in der Stadt und haben dort Elton John gesehen - unglaublich. Außerdem war Wien die erste Stadt, die ich mit einem dieser heute so populären E-Scooter erkundet habe. Nur gute Erinnerungen also und ich hoffe, ich kann da noch viele weitere hinzufügen.
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