„Message, Macht, Medien“ mit Dompfarrer Toni Faber! Es geht um seinen Blick auf eine erschöpfte Gesellschaft, den Bedeutungsverlust der Kirche bei gleichzeitigem spirituellem Hunger, persönliche Verantwortung, die Rolle der Familie im Christentum und Islam, Reformbedarf, etwa beim Thema Zölibat – und um seine zentrale Botschaft, dass Kirche heute weniger belehren und mehr begleiten muss.
Seine Prominenz nutzt er, um Zugänge zur Kirche zu schaffen. Rituale wie Taufe, Hochzeit oder Begräbnis seien weiterhin zentral, weil sie Menschen in entscheidenden Lebensmomenten Halt geben. Nicht ohne Grund ist der Pfarrer des Wiener Stephansdom auch bekannt als „Society-Löwe“.
Wenn Faber wo auftritt, dann nicht aus „Jux, Gaudi oder Tollerei“, es ist auch Arbeit: „Ich habe heute ein Begräbnis gehabt. Auf dieses Begräbnis bin ich angesprochen worden, zwischen zwei Nummern beim Jägerball am Tanzparkett.“ Gerade diese Nahbarkeit mache ihn für viele auch als Seelsorger glaubwürdig, denn er sehe sich als ein „Mann aus Fleisch und Blut, mit Stärken und Fehlern“ – hinblickend auf seinen Führerscheinentzug nach Alkohol am Steuer vor 17 Jahren.
Der massive Mitgliederrückgang der katholischen Kirche habe viele Ursachen. Entscheidend sei, den Menschen konkret zu begegnen, statt auf formale Mitgliedschaft zu pochen: „Ich könnte Ihnen von hundert Biografien erzählen, von Menschen, die im letzten Jahr bei mir fast eingetreten sind, weil sie sagen: ,Jetzt brauche ich die Kirche wieder.‘“
In der Kinderfrage schafft es der Islam als Religion viel deutlicher, dass Menschen die „Verantwortung der Elternschaft auf sich nehmen.“ Und: „Ich glaube, die katholische Gesellschaft hat sich eher darauf verständigt: Wir wollen auf hohem Niveau aussterben“ – weil Wohlstand wichtiger geworden ist als Familie: „Wer drei, vier Kinder hat, wird heute als Alien angeschaut, muss sich Beschimpfungen gefallen lassen.“
Beim Thema Zölibat plädiert Faber für Offenheit: Er hält ihn nicht für falsch, aber die verpflichtende Koppelung an das Priestertum für diskutierbar, weil keine andere christliche Kirche das „so löst.“
Die Gesellschaft erlebt er als erschöpft und verunsichert durch Krisen und Kriege. Seine Antwort darauf: nicht resignieren, sondern im eigenen Umfeld Verantwortung übernehmen: „Was kann ich in meinem engeren Umfeld beitragen, dass mehr Frieden, mehr Gerechtigkeit, mehr Ausgleich stattfindet?“
Abschließend betont er den Dialog zwischen Religionen und plädiert für Menschlichkeit, Brüderlichkeit und konkrete Nächstenliebe: „Bei mir im Wiener Stephansdom und das versuche ich seit 30 Jahren sehr klar zu sagen, sind alle willkommen!“
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