62 Prozent der erwerbstätigen Frauen arbeiten in sogenannten „Frauenberufen“, wie eine Analyse des gewerkschaftsnahen Momentum Instituts zeigt. Damit sind Berufe gemeint, in denen der Frauenanteil bei über 70 Prozent liegt. Beispiele sind die Branchen Handel, Pflege, Reinigung und Bildung.
Umgekehrt sind 57 Prozent der erwerbstätigen Männer in „Männerberufen“ tätig. Hierzu zählen etwa Industrie, Bau, IT und Transportwesen. Zudem gibt es sogenannte „Mischberufe“, in denen Frauen und Männer in ähnlichem Ausmaß beschäftigt sind. Beinahe ausgeglichene Geschlechterverhältnisse gibt es etwa unter den Juristinnen und Juristen, Ärztinnen und Ärzten sowie Architektinnen und Architekten. „Mischberufe“ sind laut dem Momentum Institut die größte Berufsuntergruppe und weisen den höchsten Bruttostundenlohn auf.
In Frauenberufen erhalten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 18 Prozent weniger pro Bruttostunde und 14 Prozent weniger im Vergleich zu Männerberufen. Der Gender Pay Gap beträgt aktuell 11,6 Prozent. Das bedeutet, dass das Einkommen von Frauen durchschnittlich um 11,6 Prozent niedriger ist als das von Männern. Beim Equal Pay Day, der in diesem Jahr auf den 11. Februar fällt, wird das Median-Bruttojahreseinkommen 2024 der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten miteinander verglichen. Der Einkommensunterschied kann daher nicht durch Teilzeit erklärt werden, sondern hat unter anderem mit den Unterschieden nach Branche und Position zu tun. Nur acht Prozent der Frauen arbeiten in besser bezahlten Männerberufen, 14 Prozent der Männer in Frauenberufen. Zudem bezahlen nicht alle Unternehmen Männer und Frauen für dieselben Tätigkeiten gleich.
„Pflege, Bildung, Betreuung, Reinigung und Handel halten dieses Land am Laufen. Bezahlt und behandelt werden sie aber wie Tätigkeiten zweiter Klasse“, kritisierte Ökonomin Sophie Achleitner vom Momentum Institut. „Der Gender Pay Gap zieht sich durch das gesamte Erwerbsleben – vom ersten Lehrlingslohn bis zur Pension“, sagte BPW Austria – Business and Professional Women Gesellschaft in einer Aussendung. Der Equal Pay Day „unterstreicht die Dringlichkeit politischer Maßnahmen“.
Beide sprechen sich für verpflichtende Gehaltstransparenz – Mitte des Jahres muss eine entsprechende EU-Richtlinie umgesetzt werden – und höhere Löhne in Frauenberufen aus. Das Momentum Institut sieht zudem Lösungsansätze in einem Ausbau der Kinderbetreuung, einer verpflichtenden Väterkarenz und einer Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich.
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