Antonia Stabinger:

„Es ist schön, wenn auch die alten Männer lachen!“

Steiermark
30.01.2026 09:00

Die Grazer Kabarettistin Antonia Stabinger hat mit ihrem ersten Solo-Programm gleich den Österreichischen Kabarettpreis gewonnen. Nun übernimmt sie die Moderation der Literatur-Show „Roboter mit Senf“ im Grazer Literaturhaus. Vorab hat Sie mit der „Krone“ über überraschende Erfolge, den Reiz der Off-Theater-Szene und die große Literatur gesprochen.

Krone: Frau Stabinger, nach vielen Jahren als Teil des Kabarett-Duos „Flüsterzweieck“ haben Sie 2024 ihre Solo-Karriere gestartet – und gleich für ihr erstes Programm den Österreichischen Kabarettpreis bekommen.
Antonia Stabinger: Das war der Wahnsinn! Eigentlich wollte ich nie ein Solo machen, dann ist alles überraschend gut gelaufen, und jetzt hänge ich da drin (lacht). Nein, ganz ehrlich, es ist sehr schön und macht viel Spaß, dieses Stück zu spielen, das ich ja so genannt habe, wie ich wollte, dass es sich für mich anfühlt: „Angenehm“. Genau das ist es.

Warum funktioniert das Stück, in dem Sie ja auch unangenehme Wahrheiten über das Frau-Sein aussprechen, Ihrer Meinung nach so gut?
Die Figur der „Clit/Doris“, die ich in einem Vulva-Kostüm spiele und mit der alles begonnen hat, hat die Leute offenbar gecatcht und interessiert. Ehrlich gesagt hätte ich mir aber nicht gedacht, dass das Kabarettpublikum schon bereit ist, über eine sprechende Klitoris zu lachen, die über den weiblichen Körper spannende Dinge erzählt. Das Schönste ist: Da sitzen dann auch ältere Herren im Publikum und amüsieren sich königlich. Wahrscheinlich wäre es vor 15 Jahren noch nicht möglich gewesen mit so einer Figur erfolgreich aufzutreten. Das ist für mich ein hoffnungsvolles Zeichen: Die Welt steht also nicht still.

Stabinger in ihrer Rolle als „Clit/Doris“
Stabinger in ihrer Rolle als „Clit/Doris“(Bild: egmac)

War Kabarettistin eigentlich ihr Traumjob?
Eigentlich wollte ich Filmregie machen, aber dann bin ich draufgekommen, dass es auf der Bühne und vor der Kamera auch lustig ist. Aber man darf sich das nicht zu romantisch vorstellen, wie Kabarett oder Kunst im Allgemeinen entsteht. Da kommt nicht eine Muse, die einen küsst und dann ist ein Stück fertig. Humor ist ein Handwerk, das man lernen kann. Man schreibt viel – und das meiste davon ist schlecht. Aber irgendwann kommt dann was Gutes. Ich kenne auch keinen Menschen, der vom Schreiben lebt, der sagt: „Schreiben ist das Schönste“. Das Schönste ist, wenn man etwas Gutes geschrieben hat!

Ab heute sind Sie die neue Moderatorin der Literatur-Show „Roboter mit Senf“ am Grazer Literaturhaus. Wie kam es dazu?
Ich hatte große Lust wieder zu meinem Wurzeln im Off-Theater und seinem idealistischen Zugang zu Kunst zurückzukehren. Ich habe während dem Studium in Graz bei Theater Drahtseilakt mitgearbeitet. Und als jetzt die Anfrage vom Planetenparty Prinzip kam, hab ich sofort zugesagt, weil ich sie und ihre Arbeit schätze.

Was wird Ihre Rolle als Moderatorin sein?
So viel kann ich verraten: Ich spiele eine Figur, die eigentlich die Nachfolgerin von Christoph Grissemann bei „Willkommen Österreich“ hätte werden sollen. Sie ist aber beim Casting in letzter Instanz abgelehnt worden, weil das österreichische Fernsehen noch nicht bereit für eine weibliche Moderatorin im Humorbereich ist. Stattdessen wird sie bei dieser Literatur-Show in Graz abgestellt.

Apropos Literatur: Sie sind erfolgreiche Kabarettistin und junge Mama – kommen Sie überhaupt viel zum Lesen?
Ganz ehrlich – nein! Ich habe Germanistik studiert und musste da so viel Anstrengendes lesen, dass ich nach dem Studium einige Zeit tatsächlich recht leseabstinent war. (lacht) Aber die Lust aufs Lesen kommt jetzt wieder – auch wenn ich mit Kind und Arbeit viel zu selten dafür Zeit finde. Aber ein paar Seiten vor dem Einschlafen – was gibt es Schöneres?

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