Symphoniker im Ländle

Kosmopolitisches Meisterkonzert in Bregenz

Vorarlberg
24.01.2026 18:00
Porträt von Anna Mika
Von Anna Mika

Beim Wintergastspiel der Wiener Symphoniker in Bregenz gab es wenig Gewohntes, dafür aber einige freudige Überraschungen – und einen Dirigenten, der in vielerlei Hinsicht begeisterte.

Bevor mit zwei Polkas von Johann Strauß die wienerische Lebensart ins Festspielhaus Bregenz einzog, gaben sich die Wiener Symphoniker (das Bregenzer Festspielorchester seit Anbeginn) bei ihrer alljährlichen winterlichen Bundesländertournee kosmopolitisch. So führte das Programm von Wagner über Prokofjew ins London Edward Elgars, und der Solist des Violinkonzertes war der Kosmopolit Augustin Hadelich, der Dirigent Alexander Soddy.

Die Sensation des Abends
Dieser 1981 geborene britische Dirigent, der in Österreich lebt, war die Sensation des Abends. Wunderbar, mit welcher Ruhe er das Konzert mit Richard Wagners Tristan-Vorspiel und „Isoldes Liebestod“ anging, mit welch großem Atem – Soddy hat eine Gesangsausbildung – er die machtvolle Steigerung aufbaute. Nach diesem beeindruckenden Konzertbeginn kam mit Sergej Prokofjews Violinkonzert Nr.2 in g-Moll eine ganz neue Klangwelt auf. Entstanden in einer Umbruchphase des Komponisten und uraufgeführt 1936, richtet es sich nach einer Art Neoklassizismus. So sind die Ecksätze rhythmisch orientiert, der Mittelsatz hingegen schwelgt in berückender Melodik, so als würde man Zeuge einer Liebesszene zwischen Romeo und Julia – dieses berühmte Ballett Prokofjews entstand nahezu zeitgleich.

Alexander Soddy in Aktion.
Alexander Soddy in Aktion.(Bild: Oliver Erenyi)

Augustin Hadelich fand auf seiner kostbaren Geige, einer Guarneri del Gesù, den richtigen Zugang zu diesem Konzert, spielte rhythmisch pointiert und schlank, doch, wo es sein sollte, ließ er den Ton aufblühen. Das Publikum reagierte begeistert und wurde mit einer Zugabe des Solisten bedankt.

Die Symphoniker in Hochform
Wirklich mitreißend jedoch gelang das Werk nach der Pause, den Enigma-Variationen von Edward Elgar. Hier konnten die Wiener Symphoniker, die sich in Hochform präsentierten und sich offenbar mit dem Dirigenten Alexander Soddy bestens verstanden, noch einmal alle ihre Trümpfe ausspielen: wunderbare Soli, ein sensibles Zusammenspiel bei großer Orchesterbesetzung dank der engagierten Führung des Dirigenten und ein Klang, in den man sich rückhaltlos hineinfallen lassen konnte. Doch bei aller Internationalität an diesem Abend kam dieses Konzertprojekt schließlich aus Wien, und so gab es als Zugaben gleich zwei Polkas von „Schani“ Strauß, darunter den „Vergnügungszug“ mit originalem Signalton. Fuhren die Wiener Symphoniker etwa nach diesem letzten Konzert ihrer Bundesländertournee, die sie auch nach Linz und Salzburg führte, umweltfreundlich mit dem Zug nach Hause? Wäre sympathisch!

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