Zum Auftakt der Mozartwoche kam sogar Schwedens Königin Silvia! Vor ihren Augen inszenierte Rolando Villazón Mozarts „Die Zauberflöte“ als fabelhaften Fiebertraum, dessen Magie am Ende der musikalischen Umsetzung zu verdanken ist. Die Kritik von Larissa Schütz.
Rolando Villazón zeigt in seiner Neuinszenierung für die Mozartwoche, wie gut man sich eine Oper zurechtzaubern kann, wenn man die eigene Wunderkiste nur oft genug ausschüttelt. Seine „Zauberflöte“ ist ein fabelhaftes Märchen voller Wiedererkennung: bunt, lustig und detailversessen. Aber auch bequem. Die Regie bleibt auf Wohlfühlkurs und macht es sich in der eigenen Idee ziemlich gemütlich.
Diese zentrale Idee: Mozart liegt im Sterben und träumt sich noch einmal in eine Aufführung seiner „Zauberflöte“, die prompt vor seinem Bett beginnt. Figuren steigen aus Möbeln, die Handlung fließt zwischen Puppenbühne, Krankenbett und Bücherregal. Schön anzusehen, aber selten überraschend. Villazón zeigt einmal mehr, wie sehr er das Theater als Bastelbogen liebt. Er setzt nicht auf eine neue Lesarten, sondern auf vertraute Bilder und streicht diese mit dickem Gefühlspinsel aus. So entsteht ein gut kuratiertes Mozart-Museum mit lebendigen Figuren.
Immerhin: Der Abend ist zugänglich, kindertauglich und ohne Angst vor Pathos inszeniert. Selbst das Thema Diversität wird im Vorbeigehen mitbedient. Beim berühmten Duett „Bei Männern welche Liebe fühlen“, wo sonst „Mann und Weib“ besungen werden, kommen auch ganz beiläufig „Mann und Mann“ sowie „Weib und Weib“ vor. Bei der nach heutigem Verständnis problematischen Darstellung des schwarzen Sklaven Monostatos wird kein Fass aufgemacht. Der bei Mozart als „Mohr“ beschriebene Sklavenvorstand wird zum schwarz gekleideten Souvenir-Dealer: Er trägt einen Mantel voller Mozart-Figuren, als hätte er auf dem Weg zum Haus für Mozart noch einen der unzähligen Andenkenläden der Altstadt geplündert. Ein Bild, das den Abend gut zusammenfasst, weil es den Komponisten zugleich als Heiligtum und als Fanartikel zeigt. Dass Monostatos später singt, dass „ein Sklave“, anstelle wie im Originaltext „ein Schwarzer“, hässlich ist, ist zwar auch nicht gerade nett, aber immerhin politisch korrekt.
Musikalisch allerdings ein ganz anderes Kaliber: Roberto González-Monjas hebt mit dem Mozarteumorchester Salzburg die Partitur auf eine Weise aus, die an Präzision, Leichtigkeit und Phrasierungsfreude kaum zu überbieten ist. Transparent und immer mit Sinn für Klangfarbe und das passend gesetzte Tempo. Das ist der eigentliche Zauber dieses Abends. Das Ensemble dankt“s mit durchgehend starken Leistungen, allen voran Theodore Platt als quirliger Papageno, und Magnus Dietrich mit heldischem Tenor als Traumprinz Tamino.
Fazit: Diese „Zauberflöte“ will niemandem wehtun. Stattdessen zieht sie die Samthandschuhe an und macht die Oper zur Huldigungsmesse für Mozart. Aber das unterhält das jubelnde Publikum nun mal verlässlich, funktioniert gut und ist rund gebaut. Keine Opernrevolution, aber eine ehrliche und liebevolle Verneigung vor Mozart und seiner Bedeutung für viele Menschen – und vor allem Rolando Villazón.
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