Beim Kampf um Wählerstimmen griffen einige Parteien tief in die Trickkiste: Riesen-Wattestäbchen, Vorschlaghammer und Kindheitsfotos packten die Kandidaten aus. Die „Krone“ hat die kuriosesten Ideen und Vorfälle gesammelt.
Nicht alles im St. Pöltner Gemeinderatswahlkampf drehte sich um große politische Debatten und harte Sachfragen. Manche Aktionen sorgten auch für heitere und skurrile Momente, die für Gesprächsstoff gesorgt haben.
Zündler und Musiker
Gleich zweimal griffen die NEOS rund um Spitzenkandidat Bernd Pinzer und sein Team zu solchen Mitteln. Beim Wahlkampffinale wurde der pinke Frontmann am Herrenplatz zum „Zündler“ – er setzte ein Plakat in Brand, auf dem natürlich nicht zufällig „wir heizen dem Stillstand ein“ geschrieben war. „St. Pölten braucht Reformen – und den Mut, sie endlich umzusetzen“, lautet die klare Botschaft.
Nicht weniger deutlich ging Pinzer wenige Wochen zuvor zu Werke. Erneut am Herrenplatz, griff er zum pinkgefärbten Vorschlaghammer, um symbolisch den Schuldenstand der Stadt zu zerschlagen. Pinzer schnappte sich aber zwischenzeitlich auch ein Mikrofon, um nicht damit auf Stimmenfang zu gehen, sondern um seine Stimme unter Beweis zu stellen. Bei einem Benefizkonzert mit seiner Band „Blue Donkeys“ erspielte er in St. Pölten rund 1000 Euro für Notschlafstellen der Emmausgemeinschaft.
Bürgermeister-Ohr geputzt
Plüschiger ging es bei KPÖ-Spitzenkandidat Max Zirngast zu. Er kam mit einem riesigen Wattestäbchen, um das „Ohr des Bürgermeisters“, so der Name der Statue am Riemerplatz, zu putzen. „Wir haben viele Gespräche mit St. Pöltnern geführt. Vor allem junge Menschen fühlen sich nicht mehr gehört“, erklärte Zirngast. Bei der „Pizza Communista“ gab es vor einer Woche außerdem selbstgemachte Gratis-Pizza, die unter anderem von Bundessprecher Tobias Schweiger zubereitet wurden.
Stau-Plakate als Aufreger
Die ÖVP hatte sich für einen teilweise aggressiven Plakatwahlkampf entschieden und dabei auffällig rot plakatiert. Dass sie dahinter stecken, haben sie erst Tage später verlautbart – auf dem Plakat sucht man die ÖVP vergeblich. „Die SPÖ hat die Stadt verbaut, verstaut und verschuldet“, erklärt Stadtparteigeschäftsführer Stefan Klammer die Idee dahinter. Aufgestellt wurden die Plakate allerdings während der Weihnachtsferien, in einer Zeit, in der schul- und arbeitsbedingten Rush-Hour-Zeiten weggefallen sind.
Besuch von Tante Heidi
Auch die FPÖ hat mit einem Plakat für Stirnrunzeln gesorgt. Unter dem Motto „Weihnachten wie früher“ war ein Junge vor dem Christbaum zu sehen. Erst nach einer „Krone“-Anfrage war klar: Der Kindergartenbub auf dem Foto ist Spitzenkandidat Martin Antauer selbst. Es stammt aus den frühen 70er-Jahren. „Zwei Tage vor dem Heiligen Abend kam immer Tante Heidi mit dem Zug aus Deutschland, mit Haribo-Gummibären im Gepäck, die damals bei uns in Österreich schwer erhältlich waren“, erzählte er.
Zensur-Kritik der Grünen
Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen: Die berühmten Gesten machten die Grünen vor dem St. Pöltner Rathaus – um auf ein ihrer Meinung nach wichtiges Thema aufmerksam zu machen. Den Einsparungen der Stadt fiel nämlich auch der Livestream der Gemeinderatssitzung zum Opfer – er kostete jährlich 16.000 Euro. „St. Pölten ist damit die einzige Landeshauptstadt ohne Liveübertragung“, kritisiert Spitzenkandidat Walter Heimerl-Lesnik.
Wahlkampf mit Marmelade
Was wäre ein Wahlkampf ohne Wahlgeschenke? Während manche Parteien den Bürgern im wahrsten Sinne des Wortes gerne Honig ums Maul schmieren, setzte die SPÖ heuer ganz auf Marmelade – und zwar nicht auf irgendeine, sondern natürlich auf rote Erdbeermarmelade. Laut eigenen Angaben konnte man 25.000 Gläser verteilen, also insgesamt rund 5,55 Tonnen Brotaufstrich. Ob die auch auf den Kipferln schmecken, die die ÖVP verteilt hat?
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