„Ehemann-Fresser“
Tiger tötet Mann, aber Frau soll schuld sein
Schwindender Lebensraum und der Kampf um Nahrung befeuern Konflikte zwischen Mensch und Tier. Besonders heftig werden solche in Indien und Bangladesch geahndet, wie ein aktueller Fall nun zeigt: Kommt ein Mann dort durch einen Tiger zu Tode, wird die Ehefrau an den Rand der Gesellschaft gedrängt.
Die Sundarbans (wörtlich „schöner Wald“) sind die größten Mangrovenwälder der Erde. Das wunderschöne Gebiet erstreckt sich auf etwa 10.000 Quadratkilometer und liegt in Bangladesch und Indien. Im westlichen, indischen Teil befindet sich der berühmte Nationalpark, der von der UNESCO im Jahr 1987 als Weltnaturerbe und 2001 zum Biosphärenreservat erklärt wurde. Dort ist eine erstaunliche Arten-Vielfalt beheimatet, darunter Flussdelfine, der Indische Python und der Bengalische Tiger.
Doch das Paradies hat auch Schattenseiten, immer wieder werden Menschen von Raubkatzen getötet. So etwa Malati Mondals Ehemann, als er zum Angeln auf einem kleinen Floß durch die Mangroven hinausfuhr, berichtet der US-amerikanische Fernsehsender CNN. In den Sundarbans gelte dies als Risiko, dem die Gemeinden zunehmend ausgesetzt sind.
Vor allem tief im Wald ist es gefährlich
Denn die Tiger schwömmen weite Strecken, um Fische und Krabben zu jagen. Nach Angaben von Naturschützern hat die Kombination aus schrumpfendem Lebensraum durch Abholzung und wachsender menschlicher Bevölkerung zu einer Zunahme der Konflikte zwischen Mensch und Tiger geführt. Es gebe mehr Konkurrenz um Nahrung, erklärt Saurav Malhotra, Projektleiter bei der internationalen Non-Profit-Organisation Conservation International. Männer, die tief in den Wald gehen, um nach Fischen zu jagen, würden überproportional häufig angegriffen.
Offizielle Daten zu diesen Tötungen gibt es kaum – eine Schätzung besagt, dass seit dem Jahr 2000 in den Sundarbans etwa 300 Menschen und 46 Raubkatzen im Zuge von Mensch-Tiger-Konflikten zu Tode kamen. Bleibende Beweise für diese Tragödien sind die zurückgebliebenen „Tigerwitwen“.
Tiger-Attacken vernichten ganze Existenzen
Frauen wie Mondal würden wie Verstoßene behandelt und für den Tod ihrer Männer verantwortlich gemacht. Gebrandmarkt mit der Bezeichnung „Ehemannfresser“ könnten sie keine traditionellen Berufe in der Landwirtschaft oder Fischerei mehr ausüben. Das Stigma führe nicht nur dazu, dass Frauen ohne Lebensunterhalt dastehen, auch würden sie keine staatliche Unterstützung erhalten. Viele Todesfälle durch Tigerangriffe entstünden nach illegalem Betreten des Waldes. Deshalb gebe es keine finanzielle Entschädigung und dementsprechend nur sehr geringe Mittel, um sich selbst und die Kinder zu versorgen.
So soll den Frauen geholfen werden
Eine neue Initiative will den sogenannten Tigerwitwen nun unter die Arme greifen: Die betroffenen Frauen sollen damit nicht nur ihren Lebensunterhalt besser bestreiten können, sondern auch wieder ihren Platz in der Gesellschaft zurückergattern. Dies, indem sie sich um die Umwelt kümmerten, in der sie und die Raubkatzen leben – und von der beide abhängig sind. Insbesondere engagiert sich der 26-jährige Shalif Ali: Er habe Tigerwitwen zusammengebracht, um 100 Hektar Mangrovenwald wiederherzustellen.
Die Idee dahinter sei, dass sich mit der Zeit die Fischbestände erholen würden, wodurch sowohl für Menschen als auch für Tiger mehr Nahrung verfügbar sei – ein essenzieller Faktor, um den Konflikten Einhalt zu gebieten. Die Frauen erhielten für ihren Einsatz eine Bezahlung, mit der sie ihre Kinder richtig ernähren könnten. „Ich habe viele Tiger-Witwen getroffen“, schildert Ali und ist überzeugt: „Mein Ziel ist es, einen sicheren Raum für Frauen zu schaffen, die mit uns arbeiten … Sobald sie sich sicher und respektiert fühlen, werden auch andere inspiriert sein, sich uns anzuschließen.“









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