Bald live in Wien

The 69 Eyes: Hollywood-Rock aus dem hohen Norden

Musik
21.01.2026 06:00

34 Jahre Rock‘n‘Roll im ICE-Tempo, ohne dabei an gegenseitiger Liebe einzubüßen und die Freundschaft untereinander über all die Jahre hochzuhalten, das ist keine leichte Aufgabe. Dem finnischen Goth‘n‘Roll-Geschwader The 69 Eyes gelang das bislang mühelos. Mit neuem Label strebt man nach mehr – vorher rocken sie aber in Wien.

kmm

Tonnenweise Leder, voll verspiegelte Sonnenbrillen, dicke Ringe, schimmernde Ketten, die von Hosenbünden pendeln und dazu allerlei weiteren Krimskrams, der sich irgendwo um die gereiften Körper schlängelt - wenn man sich The 69 Eyes nähert, dann hat man es augenscheinlich mit Rockern der alten Schule zu tun. Frontmann Jyrki rief die Band 1989 ins Leben, seit 1992, also geschlagenen 34 Jahren, tourt man in unveränderter Besetzung durch die Weltgeschichte. In Finnland sind sie Superstars mit drei Nummer-1-Alben und unzähligen ausverkauften Konzerten, doch auch Festlandeuropa liebt den selbst ernannten „Goth’n’Roll“ der düsteren Gesellen aus dem kalten Norden, die sich selbst wohl am ehesten als eine skandinavische Mischung aus Guns N‘ Roses, The Sisters Of Mercy und Mötley Crüe sehen.

Hoffnung zur rechten Zeit
Zur Hymne geriet vor etwas mehr als 20 Jahren die Single „Lost Boys“, die man erst unlängst neu auflegte. Mit Gitarrist Steve Stevens, seines Zeichens szenebekannter Saitenhexer bei Blondschopf-Kultfigur Billy Idol, wagte man sich an die Single „Survive“. „Es geht um Rock’n’Roll-Songs, die ein gutes Feeling verbreiten und Spaß machen“, erklärt Schlagzeuger und Bandsprachrohr Jussi Heikki Tapio Vuori im Gespräch mit der „Krone“, „Jyrki ist für die Texte verantwortlich und schreibt gerne dunkle Love-Songs. Aber es macht wenig Sinn, sich die ganze Zeit über den genauen Sinn von Songs den Kopf zu zerbrechen. Jeder kann sie anders und für sich interpretieren, wir geben keine genauen Meinungen oder Richtungen vor. Wichtig ist, dass in all unseren Songs Hoffnung steckt. Davon können wir in Zeiten wie diesen alle mehr als genug gebrauchen.“

Erst vor wenigen Tagen haben The 69 Eyes einen Plattenvertrag beim Frontiers-Records-Sublabel BLK II BLK unterschrieben, um dort wohl bald die nächste Studioscheibe zu veröffentlichen. Vor knapp drei Jahren kam mit „Death Of Darkness“ das bislang letzte Album heraus und hatte als Grundstatement – wie meist – die pure Kraft des Rock’n’Roll in der Auslage stehen. „Wenn mir Dinge auf die Nerven gehen, dann drehe ich die Rolling Stones, Motörhead oder Slipknot auf. Ich ziehe mir die Laufschuhe an, laufe los und lausche dabei bevorzugt ein paar Hard-Rock-Klassikern aus den 80er-Jahren. Ich finde, wir machen auch Musik, die man in den richtigen Gemütszuständen genießen kann und die das Herz wieder in Schwung bringen. Zumindest ist es unser Ansatz, dass wir mit unseren Songs für gute Stimmung sorgen können.“

Anhaltende Arbeitermentalität
Dass man ausgerechnet im kalten Finnland einen auf Los-Angeles-Vibe macht, täte nichts zur Sache. „Unsere Lieder drehen sich um Hoffnungen und Träume. Darum, dass jeder die Dinge im Leben schaffen kann, die er gerne schaffen will. Wir sind keine Band, die anderen erklärt, dass wir die größten Rockstars wären und über allen stehen. Das war nie unser Ding. Wir sind Typen wie du und ich. Wir lieben Musik, haben aber dieselbe Arbeitermentalität wie andere Menschen auch. Und wie alle anderen fragen wir uns am Abend, ob wir selbst kochen oder essen gehen sollen.“ So unprätentiös wirkt das ausufernde Bühnengebaren freilich nicht, aber als düstere Rockband gilt es, ein gewisses Image zu pflegen. Da trifft es sich umso besser, dass die Chemie unter den Bandmitgliedern seit mittlerweile dreieinhalb Dekaden wirklich gut funktioniert.

„Das Geheimnis einer so langen Partnerschaft ist einfach - man muss die Leidenschaft teilen. Jeder Mensch ist anders und hat andere Bedürfnisse. Wenn einer im Tourbus Sport schauen will, möchte der andere seine Ruhe. Der eine möchte Bier, der andere ins Bett. Wir alle wissen aber, dass The 69 Eyes größer ist als jedes einzelne Individuum und man sich an gewisse Dinge klammern muss, um diesen Traum weiter leben zu können. Wir hatten nie den Anspruch, die beste Band der Welt zu sein, aber wir wollten uns den Traum erfüllen, bei jedem Konzert die beste Band des Moments zu sein – und diesen Traum haben wir uns über all die Jahre bewahrt.“ Große Pläne sind nicht die Sache der Finnen, die trotzdem in beeindruckender Regelmäßigkeit mit neuen Alben aufwarten. „Dahinter stecken aber keine Zwei- oder Vierjahrespläne“, so Jussi, „wir leben lieber in den Tag hinein und schauen, was als Nächstes auf uns zukommt.“

Die Wurzeln des Übels
Auf Skandale, wie sie die eignen Idole pflegen, kann Jussi gut und gerne verzichten. Hier gilt finnisches Understatement. „Um dauerhaft in einer Band zu funktionieren, muss man eine eigene Persönlichkeit sein. Viele können keine fünf Tage zusammen verbringen und drehen schon am Rad und wenn du die Bücher und Geschichten über die großen Skandale in der Rockwelt liest, waren immer Geld oder Drogen oder beides die Ursache. Unsere Freundinnen und Frauen bleiben auf Tour zu Hause und wir müssen uns auch nicht gegenseitig auf 200 Millionen Dollar verklagen, weil jemand einen Songwriting-Credit für sich beansprucht. Kann man sich von solchen Dingen lösen, ist schon mal viel erreicht.“ Die Liebe zueinander geht über Bandverpflichtungen hinaus. „Wir gehen gerne mal auf ein Bier oder ins Kino – und das seit mehr als 30 Jahren.“ Mit der Karriere ist Jussi mehr als glücklich. „Das Leben besteht aus verschiedenen Mosaiksteinen und wir versuchen, sie immer richtig zusammenzusetzen.“

Live in Wien
Am 25. Jänner kommen The 69 Eyes gemeinsam mit den kultigen Dänen-Rockern D-A-D live in die Wiener Szene. Unter www.oeticket.com gibt es noch Karten für die winterliche Rock’n’Roll-Show, die keine Wünsche übrige lassen sollte.

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