Klarer Sieger

Perchten haben den Krampus in Pension geschickt

Oberösterreich
05.12.2025 16:00

„Der Nikolausbesuch soll Freude und Mut machen. Angst, Sündenregister oder ein drohender Krampus haben bei uns keinen Platz“ – so Jungschar-Referent Matthias Graf (Stmk.). Der Kramperl hat aus pädagogischen Gründen ausgedient. Doch inzwischen hat eine Schattenkonkurrenz die alte Schreckgestalt längst überholt: Die Perchten haben auch in Oberösterreich die Hörner vorn.

Die einen lieben sie, die anderen ergreifen nicht nur aus Furcht die Flucht: Es gibt eigentlich sonst keinen einzigen Brauch, der in den vergangenen Jahren ähnlich populär geworden ist wie die Perchten. Dabei waren die wüsten Gestalten früher eine alpine Rarität.

Bei uns in Oberösterreich sind in den 2000er-Jahren eigene Perchten-Vereine entstanden, die unabhängig von der Zeit der Raunächte ihre Auftritte liefern. Diese Auftritte, die mit bengalischen Feuern und Horrormasken meistens schon im Advent stattfinden, werden auch mit dem Krampusbrauch verwechselt, so der oö. Brauchtumskalender. Dieser wird vom OÖ Forum Volkskultur erstellt.  Das Forum ist der Dachverband und die Interessenvertretung der Volkskultur in Oberösterreich.

Auch Kinder lieben den Perchten-Kult.
Auch Kinder lieben den Perchten-Kult.(Bild: Peter Echt)

Jedes Jahr gibt es Anfragen, ob man mitmachen kann
Die „Edter TraunTeifln“ sind eine der vielen oberösterreichischen Perchtengruppen, die dieses an sich uralte Brauchtum modern weiterleben.  2019 haben sich Freunde und Bekannte dazu entschlossen, einen eigenen Verein in Edt bei Lambach zu gründen. Aus den anfänglichen vier Gründungsmitgliedern sind inzwischen circa 43 aktive Mitglieder geworden.

„Wir haben jedes Jahr zehn bis 15 Anfragen von Leuten, die bei uns mitmachen wollen. Die meisten Mitglieder sind jung, im Durchschnitt so um die 25 Jahre alt. Ich bin mit meinen 55 Jahren der Älteste“, sagt Robert Bayer aus Edt bei Lambach, Mitgründer und Obmann der „TraunTeifln“. 

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Wir sind sehr kinderfreundlich. Unser oberstes Gebot lautet: kein Hindreschen, kein Gitterreißen!

Robert Bayer, Obmann der Edter TraunTeifln

„Mehr Geschichte und Tradition“
Das Organisationstalent ist dem Medizintechniker offenbar in die Wiege gelegt worden: „Im Vorjahr hatten wir einen Großlauf mit 30 Perchtengruppen und gut 2500 Zuschauern oder eine Maskenausstellung mit 55 Gruppen“, sagt Bayer: „Aktuell gehen wir mehr in Richtung Tradition und Geschichte, haben einen Sprecher, das Waldmandl, der den Zuschauern erklärt, was hinter dem Ganzen an Bedeutung steckt.“ Die „TraunTeifln“ sind klassisch von Mitte November bis zum 5. Jänner unterwegs.

„Bei uns gibt es kein Hindreschen!“
Der Zusammenhalt innerhalb der Edter Percht muss gut sein, denn die 32 Männer und acht Frauen absolvieren in den rund zweieinhalb Monaten ein ziemlich dichtes Programm: „Wir haben zwölf bis 14 Auftritte, die meisten in unserem Heimatbezirk Wels-Land“, sagt Bayer, der betont: „Wir sind ein ganz kinderfreundlicher Verein. Die Kleinen kommen mit den Eltern, sie können auch zuschauen, wie wir uns ankleiden. Und unser oberstes Gebot ist: kein Hindreschen, kein Gitterreißen! Wir wissen natürlich, dass es bei den Perchtenläufen in Salzburg und in Tirol wilder zugeht, aber das ist bei uns nicht so. Wir als Perchten bringen das Gute und vertreiben das Böse, da geht es nicht darum, Angst zu verbreiten.“

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