Die Gletscher in Österreichs Hochgebirge verschwinden in rasendem Tempo – so schnell, dass selbst die Experten des Alpenvereins kaum mehr hinterherkommen. Die alljährlichen Gletschermessungen, seit über 100 Jahren Routine, werden inzwischen zu einem gefährlichen Wettlauf gegen das schmelzende Eis. Mehrere Gletscher müssen jetzt aus dem Messprogramm gestrichen werden: zu gefährlich, zu instabil – oder schlichtweg nicht mehr vorhanden.
Rund 90 Gletscher haben die Teams heuer noch erreicht. Doch für viele war es ein Kampf: einst kompakte Eisflächen sind heute brüchige, spaltenreiche Zonen, darüber donnern immer öfter Steinschläge. „Das Gelände verändert sich rasant. Einige Messpunkte sind kaum mehr erreichbar – und manche Gletscher reißen buchstäblich auseinander“, warnt der Alpenverein.
Betroffen ist besonders die Schobergruppe in Kärnten. Seit den frühen 90er-Jahren misst dort der erfahrene Gletschermesser Michael Krobath. Doch jetzt steht auch seine Arbeit vor dem Ende:
Das Hornkees und der Wandnischengletscher drohen bereits kommendes Jahr abzubrechen und die Gletscherstirn könnte sich um bis zu 150 Höhenmeter nach oben verlagern.
Noch drastischer ist das Bild am Gössnitzkees. Krobath nennt es „einen Eisrest, kein aktiver Gletscher“. Das einstige Gletscherfeld ist heute schuttbedeckt, zerfallen – bald nicht mehr messbar. Für den Alpenverein heißt das: Messstopp.
Und das ist kein Einzelfall:
In der Silvrettagruppe hat sich die Zahl der vermessenen Gletscher in den letzten Jahrzehnten halbiert.
In der Goldberggruppe stehen mehrere Gletscher vor dem Aus.
Rund um die Pasterze - Österreichs bekanntesten Gletscher – könnten weitere Messungen eingestellt werden. Bereits in den 1990ern verschwand schon das Südliche Pflandlschartenkees aus dem Programm.
Die klassische Messmethode mit dem Maßband, jahrzehntelang Standard, ist heute kaum mehr durchführbar. Manche Bereiche sind so instabil, dass Messungen nur noch per Drohne möglich sind – mit wesentlich höherem Aufwand und Spezialwissen.
Trotzdem waren heuer über 50 Ehrenamtliche im Einsatz und konnten an den meisten Gletschern noch messen – ohne Zwischenfälle. Doch wie lange noch?
Michael Krobath hat heuer seinen 44. Gletscherbericht verfasst. Ob er die 50 noch erreicht, ist fraglich. „In wenigen Jahren könnten die Messungen eingestellt werden – aus Sicherheitsgründen oder weil nichts mehr messbar ist.“ Sein Wunsch an die Politik ist klar: Gletscherschutz muss endlich als Teil eines umfassenden Naturschutzes verstanden werden. Diese Räume sind Schatzkammern unserer Zukunft.
Der Alpenverein erneuert seine Forderung nach einem ausnahmslosen Gletscherschutz, der auch die hochsensiblen Gletschervorfelder umfasst – jene Flächen, die erst seit rund 175 Jahren eisfrei sind.
Denn der Druck auf die Bergnatur wächst: Tourismus, Erschließung, Infrastruktur – und der Klimawandel.
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