Statement aus Exil

Janukowitsch: "Bin nicht abgesetzt oder geflohen"

Ausland
28.02.2014 15:20
Knapp eine Woche nach seiner Flucht aus Kiew hat sich der gestürzte ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch im Rahmen einer Pressekonferenz an die Öffentlichkeit gewandt. Im russischen Rostow am Don, wo der ukrainische Politiker am Donnerstag eingetroffen war, sprach Janukowitsch am Freitag von einer "schweren Krise", für die er den Westen verantwortlich machte. Die Interimsregierung sieht er weiterhin als "illegitim" an, die Präsidentenwahl im Mai ebenso. "Ich bin nicht abgesetzt worden", so Janukowitsch.

Auch sei er nicht geflohen, er habe lediglich das Land verlassen, nachdem er persönlich und seine Familie Drohungen erhalten hätten und sogar sein Konvoi beschossen worden sei, meinte der 63-Jährige vor einer Schar an Journalisten. Dass er in Rostow gelandet sei, sei ebenfalls kein Zufall. "Hier wohnt einer meinen besten Freunde. Diesen will ich nun besuchen. Ich habe ja Zeit dafür."

Sein eigentliches Statement war sehr kurz gehalten. Den weitaus größeren Teil der Veranstaltung machten Journalistenfragen und deren Beantwortung aus.

Janukowitsch: "Werde weiter für die Ukraine kämpfen"
Er werde weiter "für die Zukunft der Ukraine kämpfen". Doch dies sei derzeit aufgrund der Gefahr für seine Person nicht möglich. Er werde aber auf jeden Fall ins Land zurückkehren, wenn seine persönliche Sicherheit garantiert sei, so Janukowitsch auf die Frage eines Journalisten, wie es nun mit seiner politischen Karriere weitergehen werde.

Für die Krise machte der gestürzte Präsident vor allem den Westen verantwortlich. Dieser habe der Opposition auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew nachgegeben, sagte Janukowitsch. Er habe auf den Anstand der westlichen Vermittler vertraut, als er das Abkommen mit der Opposition am 21. Februar unterschrieben habe. "Gesetzlosigkeit, Terror, Anarchie und Chaos" seien jedoch die Folge.

"Macht in Händen jener, die für Chaos verantwortlich sind"
Zu den Anschuldigungen, er hätte Geld gestohlen bzw. wäre mit seinen Entscheidungen für die Krise im Land verantwortlich, meinte der 63-Jährige, die Destabilisierung sei durch seine Gegner erfolgt. Und jetzt läge sämtliche Verantwortung in den Händen jener, die für die Krise verantwortlich seien. In diesem Zusammenhang appellierte Janukowitsch an seine Landsleute, mit dem "Chaos und den Unruhen" aufzuhören. Er bestritt auch, über Bankkonten im Ausland zu verfügen. "Ich habe keine Konten und kein Eigentum im Ausland. Ich bin ein gläserner Mensch", sagte der 63-Jährige.

Warum er sich nach wie vor als legitimer Staatschef sieht, erklärte der gestürzte Machthaber damit, dass er weder seinen Rücktirtt unterschrieben hätte, noch verstorben wäre, wie es die ukrainische Verfassung vorsieht. Außerdem hätte ihn das Parlament ebenfalls nicht rechtmäßig abgesetzt. "Drohungen sind keine legalen Prozeduren. Ich bin noch immer der Präsident", lautete die Schlussfolgerung Janukowitschs, der seine Enttäuschung wegen der bisherigen Passivität des russischen Präsidenten Wladimir Putin zum Ausdruck brachte.

Situation auf Krim "natürliche Reaktion auf Chaos in Kiew"
Zur derzeitigen Lage auf der Halbinsel Krim meinte Janukowitsch: "Das, was auf dem autonomen Gebiet passiert, ist eine natürliche Reaktion auf die Machtergreifung der Banditen in Kiew und das dadurch verursachte Chaos." Die Krim-Bewohner würden sich jedoch natürlich nicht den Nationalisten beugen. Dort gebe es jetzt eine Selbstverteidigung. Die Krim-Bewohner schützten ihren Grund und Boden. Die Krim solle aber mit einer erweiterten Autonomie im Bestand der Ukraine bleiben, mahnte der Politiker.

Vorwürfe wegen Privatresidenz: "Nicht alles gehört mir"
Eher amüsant fand Janukowitsch die Fragen zu seiner Privatvilla bei Kiew, die er fluchtartig verlassen hatte. Seitdem ist der Prachtbau zu einem Ausflugsort der Bevölkerung geworden. Auf ihren stundenlangen Wanderungen können sich Neugierige an der riesigen Villa, an ausgedehnten Rasenflächen, am eigenen Golfplatz, einer Pferdekoppel und dem Zoo ergötzen. "Alle Gebäude, die im Fernsehen gezeigt wurden, sind sehr attraktiv. Doch die meisten sind im ausländischen Besitz. Es gehört nicht alles mir", erklärte der gestürzte Präsident.

Die ukrainische Justiz traf unterdessen Vorbereitungen, um Janukowitschs Auslieferung zu erwirken. Der Politiker werde wegen des Verdachts des Massenmords während der Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Polizei mit mehr als 80 Toten gesucht, teilte die Generalstaatsanwaltschaft in Kiew mit. Zudem beantragte Kiew wegen der explosiven Lage im Land eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates.

In Österreich und in der Schweiz wurden unterdessen Konten von Janukowitsch und Mitgliedern seiner früheren Regierung gesperrt (siehe Story in der Infobox).

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