Heikler Mitschnitt

Erdogan am Telefon zu Sohn: "Schaff das Geld weg"

Ausland
25.02.2014 14:34
Audio-Mitschnitte mehrerer Telefonate zwischen dem türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan und seinem Sohn bringen den Premierminister einmal mehr in Bedrängnis. In den Aufzeichnungen, die vor Kurzem auf YouTube gepostet wurden, soll Erdogan seinem Sohn Bilal folgenden Rat im Zusammenhang mit Korruptionsermittlungen gegeben haben: "Schaff alles raus, was in deinem Haus ist." Der Premier wies die Mitschnitte, die er als "dreckiges Komplott" bezeichnete, zurück.

Die Audio-Mitschnitte sollen am 17. Dezember des Vorjahres entstanden sein. Der Aufzeichner ist nicht bekannt. Aber brisant sind die Aufnahmen schon, denn just an dem Tag wurden Dutzende Verdächtige aus dem Umfeld der Regierungspartei AKP unter Korruptionsverdacht festgenommen.

"Sohn, du wirst abgehört"
"Schaff alles raus, was in deinem Haus ist", sagt die Stimme des älteren Gesprächsteilnehmers, die dem Regierungschef zugeschrieben wird, in einem Telefonat, dessen Zeitpunkt mit 8.02 Uhr morgens angegeben wird. "Dein Geld ist im Tresor", antwortet die jüngere Stimme. In einem Gespräch, dessen Zeit mit 23.15 Uhr angegeben wird, sagt die jüngere Stimme, 30 Millionen Euro hätten noch nicht "aufgelöst" werden können. Sie fragt dann: "Soll etwas Geld bei dir verbleiben?" In einem fünften und letzten Telefonat warnt die ältere Stimme: "Sohn, du wirst abgehört." Das YouTube-Video wurde bis Dienstagmorgen mehr als 1,2 Millionen Mal angeklickt.

Laut türkischen Medien stießen Ermittler auf die Aufzeichnungen in Unterlagen jener Staatsanwälte, die erst vor Kurzem von Erdogan ihres Amtes enthoben bzw. versetzt worden waren. Die Regierung zweifelt die Authentizität der abgehörten Telefongespräche massiv an und sieht einen weiteren Versuch, Erdogan zu stürzen.

Die Opposition in Ankara verlangt seit Wochen schon Aufklärung über die Rolle Bilals. Unter anderem will sie wissen, woher die knapp 100 Millionen Dollar (73 Millionen Euro) kommen, die nach den Worten von Oppositionschef Kemal Kilicdaroglu im April vergangenen Jahres auf das Konto von Bilals Stiftung Türgev eingezahlt wurden. "Ist das Bestechungsgeld?" fragte Kilicdaroglu bei einer kürzlichen Rede.

Erdogan: "Sollten Vorwürfe stimmen, verstoße ich Sohn"
Erdogan und seine Regierung weisen alle Vorwürfe zurück und sprechen von einer Verschwörung der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen. Dieser wolle die rechtmäßig gewählte Regierung mit manipulierten Vorwürfen stürzen. Auch die Vorwürfe gegen Bilal seien Teil dieses Komplotts, sagte der Premier: Seine Gegner attackierten seinen Sohn, um ihn selbst zu treffen. Dass der 33-Jährige tatsächlich in krumme Geschäfte verwickelt sein könnte, schloss Erdogan kategorisch aus: Sollte das stimmen, werde er seine Kinder "verstoßen".

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