23.02.2014 09:40 |

Zahlreiche Verletzte

Erneut gewaltsame Proteste in Venezuela

Nach tagelangen gewalttätigen Auseinandersetzungen in Venezuela sind am Samstag erneut jeweils Zehntausende Anhänger von Opposition und Regierung auf die Straße gegangen. Als die Proteste eskalierten, setzte die Polizei Tränengas und Gummigeschosse ein. Zahlreiche Verletzte waren die Folge. Die rivalisierenden Massenkundgebungen folgten auf zwei Wochen von Demonstrationen und Märschen, bei denen es nach jüngsten Angaben zehn Tote gab.

Die Regierungsgegner folgten einem Aufruf des rechtskonservativen ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Henrique Capriles. Sie forderten die Entwaffnung paramilitärischer Gruppen und prangerten die hohe Inflation, die weit verbreitete Korruption und die grassierende Kriminalität an.

An der Demonstration zur Unterstützung des linksnationalistischen Präsidenten Nicolas Maduro beteiligten sich vor allem Frauen. Maduro hatte angekündigt, dass landesweit "Millionen Frauen" gegen den "Faschismus" demonstrieren würden. Eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten verbat sich der Präsident. "Venezuela hat man zu respektieren. Yankee go home", sagte Maduro als Reaktion auf eine Stellungnahme von US-Außenminister John Kerry. Dieser hatte sich zuvor besorgt über die Situation in dem südamerikanischen Land geäußert und der Regierung vorgeworfen, Gewalt gegen friedliche Demonstranten anzuwenden.

Maduro gegen Kerry: "Arrogant und unverschämt"
Maduro bezichtigte Kerry, gewalttätigen Gruppen grünes Licht für Angriffe gegeben zu haben und nannte Kerrys Äußerungen im Internet-Kurzbotschaftendienst Twitter "arrogant" und "unverschämt". Es gebe Millionen Gründe zu protestieren, aber die Demonstrationen müssten friedlich bleiben, forderte Oppositionsführer Capriles. Der Regierung dürfe kein Vorwand für Repressionen geliefert werden. Begleitet wurde er von der Frau des inhaftierten Oppositionellen Leopoldo Lopez, Lilian Tintori.

Bei den Protesten gegen die Linksregierung von Präsident Maduro sind in den vergangenen Tagen zehn Menschen ums Leben gekommen, über 100 weitere wurden verletzt. Am Samstag starb eine Studentin an ihren Verletzungen, nachdem ihr Tage zuvor Militärpolizisten offenbar ins Gesicht geschossen hatten.

In der Hauptstadt Caracas kam zudem ein Mann ums Leben, als er auf einem Motorrad in einen über die Straße gespannten Metalldraht fuhr, wie Innenminister Miguel Rodriguez sagte. Demonstranten hätten den Draht gespannt. "Das ist eine verabscheuungswürdige Tat", sagte Rodriguez.

"Für Frieden in Venezuela"
Verteidigungsministerin Carmen Melendez führte am Samstag eine Demonstration von Sympathisantinnen der Regierung an. "Die Frauen gehen als Patriotinnen für den Frieden in Venezuela auf die Straße", sagte sie. Präsident Maduro berief eine Friedenskonferenz für kommenden Mittwoch ein. "Ich schlage eine nationale Konferenz für den Frieden mit allen gesellschaftlichen Gruppen vor, um die Gewalttäter zu stoppen", sagte er. Maduro lud die Opposition allerdings nicht ausdrücklich ein.

Seit elf Tagen gehen in Venezuela immer wieder Menschen gegen die Regierung auf die Straße. Sie demonstrieren gegen die schlechte Wirtschaftslage, die angespannte Sicherheitssituation und den zunehmend autoritären Regierungsstil. Dabei kommt es häufig zu Zusammenstößen mit Anhängern von Präsident Maduro.

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