Zwei Beamte verurteilt

Rabiate Polizisten: Ladendieb filmte heimlich mit

Gericht
27.10.2025 13:00

Zwei gestohlene Energydrink-Dosen in einem Supermarkt am Keplerplatz im Wert von 3,50 Euro mündeten in einen beschämenden Einsatz der einschreitenden Exekutivbeamten. Sie mussten sich gemeinsam mit einem Detektiv vor Gericht verantworten. Der Dieb selbst schwänzte den Prozess.  

Der Einsatz nach einem Diebstahl von zwei Getränkedosen in einem Supermarkt am Keplerplatz in Favoriten eskalierte völlig. Ein herbeigerufener Ladendetektiv kannte den 26-jährigen Täter, hatte ihm schon eine Stichverletzung an der Hand zu verdanken. Es kommt zu einer Prügelei und zu wüsten Beschimpfungen unter den beiden im Büro des Supermarktes.

Richter: „Konnte meinen Ohren nicht trauen“
Die Polizei wird dazu gerufen. Der Dieb verkriecht sich unter dem Schreibtisch im Büro. Was die Beamten nicht wissen: Der Wiener dokumentiert quasi sein gesamtes Leben, indem er seine Handykamera mitlaufen lässt. Und diese Aufzeichnungen offenbaren den widerwärtigen Einsatz. „Sie kommen schon geladen in das Büro“, konfrontiert Richter Gerald Wagner im Wiener Landl den Polizisten – der gemeinsam mit seiner Kollegin, dem Detektiv und dem Dieb, der den Prozess spritzt, angeklagt ist.

Die von den Polizisten getätigten Aussagen kommentiert Herr Rat so: „Ich konnte meinen Ohren kaum trauen.“ Auch Klatschen ist zu hören. „Das waren keine Schläge, sondern Faustballenstöße“, rechtfertigt sich der Polizist. Sie hätten gedacht, dass der Beschuldigte ein Messer bei sich trägt.

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Der Ladendieb war die treibende Kraft, der provoziert hat. Dass man so Sätze trotzdem nicht sagen darf, ist klar.

Anwalt Peter Philipp verteidigte den Detektiv.

Für den, wie er ihn selbst nennt „verunglückten Einsatz“ schämt sich der Beamte zu Recht. „Sei froh, dass du ka Messer ghobt host. Wenn i a Messer blitzn hätt gsehn, dann warast jetzt tot. Dann hätt ich dei traurige Existenz ausgelöscht“, fallen zahlreiche Drohungen gegen den Dieb, der die Eskalation auch mitprovoziert hatte.

„Warum duzen Sie ihn eigentlich? Sie werden ja nicht mit Herrn E. in die Schule gegangen sein“, ortet Wagner bei den Exekutivbeamten, die im Gericht nicht wiederzuerkennen sind, „systematische Unhöflichkeit.“ In der Verhandlung präsentieren sich zahm, höflich und geläutert.

Bedingte Freiheitsstrafen für die Beamten
„Ich hätt sagen sollen ,Owa vom Gas’, aber meine Aussagen waren ja ned viel besser. Wir waren massiv überfordert“, ist auch die junge Polizistin reumütig geständig. Die Verhaftung des Ladendiebes erfolgte ebenso wenig vorschriftsgemäß wie die anschließende Dokumentation des Vorfalls. So wanderten Fotos, die sie von den Verletzungen des Mannes gemacht hatte, nicht in den Akt. „Reine Schlamperei“, beteuert sie. 

Wegen Missbrauchs der Amtsgewalt setzt es je neun Monate bedingte Haft für das Polizeiduo, 2000 Euro Geldbuße und eine Diversion für den von Anwalt Peter Philipp vertretenen Detektiv. Der Dieb wird sich gesondert verantworten müssen.

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