Bestürzender Bericht

Hunderte Eritreer in Foltercamps versklavt

Ausland
12.02.2014 11:03
Die Foltercamps von Schleppern in Ägypten und dem Sudan sind berüchtigt. Um von den Flüchtlingen noch mehr Geld zu erpressen, werden diese dort brutalst misshandelt und vergewaltigt - über Wochen und Monate hinweg. Nun hat die Organisation Human Rights Watch die Situation eines der betroffenen Völker unter die Lupe genommen: Sie zeigt in einem neuen Bericht die Qualen von Hunderten Eritreern.

Einige Migranten seien aufgrund der grausamen Behandlung gestorben, erklärt Human Rights Watch, viele seien fürs Leben gezeichnet - körperlich wie psychisch.

Verstümmelungen, Verbrennen, Schläge und Vergewaltigung stünden in den Schleppercamps in Ägypten und dem Sudan auf der Tagesordnung, erzählen Betroffene im Bericht, der übersetzt "Ich wollte mich hinlegen und sterben: Schlepperei und Folter von Eritreern im Sudan und Ägypten" heißt (siehe auch Video oben).

Schmerzensschreie für Lösegeld
Die Schlepper versuchen während der Wochen bis Monate, die sie die Flüchtlinge in den Camps gefangen halten und quälen, möglichst viel Geld von ihnen und ihren Familien zu erpressen. Am Telefon müssen die Familien den Opfern zufolge mit anhören, wie diese vor Schmerzen schreien. Und selbst wenn weiteres Geld eintreffe, seien viele nicht außer Gefahr: Manchmal würden Migranten von einer Gruppe Schlepper direkt an die nächste verkauft.

Der Bericht listet zahlreiche Aussagen von Opfern auf, etwa jene eines 23-Jährigen, der 2012 im Sudan entführt und im Sinai an ägyptische Schlepper weiterverkauft wurde. "Sie haben mit einer Metallstange geschlagen. Sie haben geschmolzenes Plastik auf meinen Rücken gegossen. Sie haben meine Fußsohlen geschlagen und mich dazu gezwungen, lange Zeit zu stehen, manchmal tagelang. Manchmal haben sie gedroht, mich zu töten, und mir eine Pistole an den Kopf gehalten", berichtete der junge Eritreer gegenüber Human Rights Watch.

Grausamkeit an der Tagesordnung
Die Foltermethoden der Schlepper sind aber noch vielfältiger: "Sie haben mich von der Decke gehängt, sodass meine Beine den Boden nicht berühren konnten, und mir Elektroschocks gegeben. Eine Person starb, nachdem sie ihn 24 Stunden lang von der Decke hängen ließen. Ich habe ihn sterben sehen." Die Schlepper hätten mehrmals seine Verwandten angerufen, so der 23-Jährige. Dabei hätten sie ihn mit glühenden Metallstangen verbrannt, um ihm Schmerzensschreie zu entlocken.

Die Frauen im Camp seien zudem vergewaltigt worden, berichtete der junge Mann. "Wir konnten die Frauen in unserem Zimmer nicht beschützen: Sie haben sie rausgeholt, vergewaltigt und zurückgebracht."

Schlepper verdienen prächtig - und töten gewissenlos
Auch mit zwei Schleppern hat Human Rights Watch gesprochen. Einer davon erklärte, in weniger als einem Jahr umgerechnet 145.000 Euro verdient zu haben. Er gab zu, Migranten brutal zu verprügeln und aufzuhängen. Von vier Eritreern, deren Familien er auf diese Weise habe erpressen wollen, seien drei gestorben, so der Mann, "weil ich sie zu hart geschlagen habe. Ich habe den freigelassen, der gezahlt hat."

Über 200.000 Eritreer befinden sich laut Human Rights Watch seit 2004 auf der Flucht. Besonders in den letzten drei Jahren würden viele davon Opfer immer brutalerer Schlepperbanden. Zum Teil würden sie auch gezwungen, für ihre Folterer zu arbeiten, etwa auf dem Bau oder als Hausangestellte.

Polizei hilft Tätern statt Opfern
Von den Behörden sei kaum Hilfe zu erwarten: Sowohl im Sudan als auch in Ägypten arbeitete die Polizei oftmals mit den Kriminellen zusammen, so der Vorwurf der Menschenrechtler. Zum Teil würden Migranten im Sudan in Polizeistationen an Schlepper übergeben, in Ägypten würden manche geflohenen Opfer von Polizisten sogar zu ihren Peinigern zurückgebracht. Strafen müssen die Behördenvertreter für ihr Verhalten kaum fürchten: In Ägypten wurde bis Dezember 2013 nur ein Schlepper und kein einziger Beamter verurteilt, im Sudan wurde bis dahin lediglich in 14 Fällen gegen Schlepper und in vier gegen Polizisten Anklage wegen Schlepperei und Folter erhoben.

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