Testflug erfolgreich

Briten lüften Geheimnis um Kampfdrohne Taranis

Ausland
06.02.2014 14:14
Die Zukunft der militärischen Luftfahrt gehört den unbemannten Drohen, davon sind auch Europas Rüstungskonzerne überzeugt. Der Rüstungskonzern BAE Systems hat jetzt bestätigt, dass die Kampfdrohne Taranis die ersten Flugtests erfolgreich abgeschlossen hat. Hintergrund der überraschenden Informationsfreigabe der Briten: Aus Sparzwang müssen die EU-Länder auch militärisch enger kooperieren, die Briten wollen dabei aber im Wettstreit um die nötigen Gelder ihr eigenes Fluggerät als Sieger sehen - denn auch die Franzosen haben eine Drohne im Rennen.

In Europa wird seit rund einem Jahrzehnt an der Entwicklung von Kampfdrohnen gearbeitet. Doch weil die EU-Länder sparen müssen, könnte es - statt wie bisher mehrere Kampfjets unterschiedlicher Hersteller (Eurofighter, Rafale, Gripen) - künftig nur ein gemeinsames europäisches Militärmodell der Unmanned Combat Aircraft (UCAV), wie diese Flugzeugklasse in der Branche heißt, geben. "Den nationalen Luxus verschiedener Kampfjets werden sich Europas Regierungen in Zukunft nicht mehr leisten können", schreibt etwa die deutsche Tageszeitung "Die Welt".

Briten setzen alles auf Donnergott Taranis
Und hier kommt Taranis ins Spiel: Taranis ist nicht nur der keltische Gott des Himmels, des Wetters und des Donners, sondern auch eine sich in Entwicklung befindliche britische Kampfdrohne. Das Fluggerät soll wahlweise von einem Piloten am Boden oder auch autonom zum Ziel fliegen. Das britische Verteidigungsministerium hatte im Oktober des Vorjahres lediglich bekannt gegeben, dass die Drohne bei einem Test erfolgreich abgehoben sei. Mit weiteren Angaben hielt man sich aus Geheimhaltungsgründen bedeckt - bis nun Hersteller BAE Systems selbst mit neuen Details an die Öffentlichkeit ging.

Einen ersten 15-minütigen Flugtest habe Taranis nach Angaben des Rüstungskonzerns erfolgreich absolviert und "alle Erwartungen übertroffen". Die Drohne sei dabei von einem Piloten am Boden dirigiert worden. Zum Beweis wurde am Mittwoch ein Video des Tests, der unbestätigten Berichten zufolge auf dem südaustralischen Testgelände Woomera Test Range stattgefunden haben soll, auf der Website von BAE Systems veröffentlicht.

Laut Hersteller verfügt der Nurflügler (ein Flugzeug ohne separates Höhenleitwerk, bei dem es keine Differenzierung zwischen Tragflächen und Rumpf gibt) mit einer Spannweite von neun Metern und einer Höhe von etwa vier Metern Stealth-Eigenschaften und soll vom gegnerischen Radar kaum entdeckt werden können. Das Fahrwerk und die Waffenzuladung sind dazu hinter Klappen versteckt, um ein niedriges Radarprofil zu ermöglichen. Das Fluggerät wurde von BAE Systems, Rolls-Royce, GE Aviation und Qinetiq entwickelt, zitiert das Technikportal "golem.de" den Hersteller.

Entwicklung verschlang bislang rund 220 Millionen Euro
Die Entwicklung der Kampfdrohne habe laut einem Bericht der BBC bislang rund 220 Millionen Euro verschlungen. Wobei aber auch vom Hersteller betont wird, dass es sich derzeit noch um ein reines Demonstrationsobjekt handelt. Es werde noch lange dauern, bis daraus ein einsatzfähiges und vor allem auch bewaffnetes Modell wird, heißt es in dem BBC-Bericht weiter. Die Indienststellung ist demnach für 2030 geplant. Taranis soll dann vermutlich Überschallgeschwindigkeit erreichen.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Taranis-Erfolge sei bemerkenswert, gibt "Welt" unterdessen zu bedenken. Er kommt wenige Tage nach einer weiteren Annäherung der beiden Atommächte Frankreich und Großbritannien in Rüstungsprojekten. "Offensichtlich wollen die Briten demonstrativ zeigen, was sie einbringen können", so die Zeitung, denn die beiden Nationen wollen künftig doppelte Kapazitäten abzubauen, um Kosten zu sparen.

Franzosen und Briten im Wettlauf um Gelder
Der britische Premier David Cameron und Frankreichs Präsident Francois Hollande hatten zu diesem Zwecke erst Ende Jänner ein gemeinsames Paket mit Rüstungsvorhaben geschnürt, darunter auch eine zweijährige Studie für ein "Future Combat Air System". Sofort nach Bekanntwerden des Deals meldete sich der französische Rüstungskonzern Dassault zu Wort und verwies auf seine Drohnen-Erfolge mit dem Neuron-Modell. Wenige Tage später folgte BAE Systems nun mit seinem Lobgesang auf Taranis, einem bislang als Top Secret eingestuften Projekt.

Die Entwickler der Drohnen auf beiden Seiten des Ärmelkanals dürften die britisch-französische Einigung auf engere militärische Zusammenarbeit dahingehend interpretiert haben, dass nur eines der beiden Modelle eine Zukunftschance hat - und das andere dem Sparstift zum Opfer fällt. Die Zeit nationaler Alleingänge ist vorbei, heißt es laut "Welt" in der Branche. Allein aus Sparzwängen müsse Europa bei der Rüstung zusammenrücken.

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