Schwindler entlarvt

Weder taub noch Genie: "Japans Beethoven" nur Fake

Ausland
06.02.2014 13:00
"Japans Beethoven" ist ein Schwindler: Seit Mitte der 1990er-Jahre feierte der vermeintlich taube Komponist Mamoru Samuragochi Erfolge im Land der aufgehenden Sonne. Doch seit Mittwoch ist alles anders, denn der 50-Jährige musste zugeben, dass er für seine Arbeit einen Ghostwriter engagiert hatte. Dieser gestand zudem am Donnerstag, dass Samuragochi vermutlich weder Partituren schreiben könne noch tatsächlich taub sei.

"Vom ersten Tag an bis heute hatte ich nie das Gefühl, dass er taub ist", sagte Ghostwriter Takashi Niigaki (gr. Bild) bei einer Pressekonferenz. Erst am Vortag hatte Samuragochi (kl. Bild) über seinen Anwalt eingeräumt, dass er über knapp zwei Jahrzehnte hinweg Hilfe beim Komponieren hatte. Der populäre 50-jährige Musiker hatte seinen Helfer nach eigenen Worten schon Ende der 1990er-Jahre engagiert, "weil mein Gehör immer schlechter wurde". Niigaki habe demnach bei etwa der Hälfte seiner Werke mitkomponiert.

"Kann nicht einmal Partituren schreiben"
Anscheinend war der Betrug aber noch viel größer angelegt: Er habe ursprünglich gedacht, ihm sei lediglich die Rolle des Assistenten zugedacht gewesen, sagte Niigaki. "Aber später fand ich heraus, dass er nicht einmal Partituren schreiben kann." Nach und nach sei er deshalb zum Komplizen geworden. Doch zuletzt habe ihn der Rummel um den "Beethoven des digitalen Zeitalters" zunehmend genervt.

Das Fass zum Überlaufen gebracht hätten schließlich die Pläne des japanischen Eiskunstläufers Daisuke Takahashi, der für eine seiner Küren bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi eine angeblich von Samuragochi komponierte Sonate eingeplant hatte. Er habe befürchtet, "dass eine solch kostbare Gelegenheit" Samuragochis falschen Ruhm endgültig festigen könnte, sagte Niigaki. Deshalb habe er sich entschlossen, mit der Fiktion ein für alle Mal aufzuräumen.

An Gesprächen "ganz normal" beteiligt
Manchmal habe Samuragochi über Handzeichen und Lippenlesen kommuniziert - zumindest zu Beginn von Gesprächen, sagte Niigaki dem Wochenmagazin "Shukan Bunshun". Wenn die Konversationen allerdings länger andauerten, dann habe sich sein Meister "ganz normal" daran beteiligt. "Ich glaube, es fiel ihm schwer, sich taub zu stellen. Vor Kurzem habe ich ihn alleine zuhause getroffen - wir haben von Beginn an ganz normal miteinander gesprochen."

Samuragochi war Mitte der 90er-Jahre mit klassischen Kompositionen zu Videospielen wie etwa Resident Evil berühmt geworden. Mit 35 Jahren wurde er nach seinen eigenen Angaben taub, setzte seine Arbeit aber fort. Damals entstand auch sein berühmtestes Stück, "Sinfonie No. 1, Hiroshima", eine Ehrung der Opfer des Atombombenangriffs von 1945. In einem Interview aus dem Jahr 2001 hatte Samuragochi seinen angeblichen Gehörverlust als "Geschenk Gottes" bezeichnet.

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele