Schwindler entlarvt
Weder taub noch Genie: "Japans Beethoven" nur Fake
"Vom ersten Tag an bis heute hatte ich nie das Gefühl, dass er taub ist", sagte Ghostwriter Takashi Niigaki (gr. Bild) bei einer Pressekonferenz. Erst am Vortag hatte Samuragochi (kl. Bild) über seinen Anwalt eingeräumt, dass er über knapp zwei Jahrzehnte hinweg Hilfe beim Komponieren hatte. Der populäre 50-jährige Musiker hatte seinen Helfer nach eigenen Worten schon Ende der 1990er-Jahre engagiert, "weil mein Gehör immer schlechter wurde". Niigaki habe demnach bei etwa der Hälfte seiner Werke mitkomponiert.
"Kann nicht einmal Partituren schreiben"
Anscheinend war der Betrug aber noch viel größer angelegt: Er habe ursprünglich gedacht, ihm sei lediglich die Rolle des Assistenten zugedacht gewesen, sagte Niigaki. "Aber später fand ich heraus, dass er nicht einmal Partituren schreiben kann." Nach und nach sei er deshalb zum Komplizen geworden. Doch zuletzt habe ihn der Rummel um den "Beethoven des digitalen Zeitalters" zunehmend genervt.
Das Fass zum Überlaufen gebracht hätten schließlich die Pläne des japanischen Eiskunstläufers Daisuke Takahashi, der für eine seiner Küren bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi eine angeblich von Samuragochi komponierte Sonate eingeplant hatte. Er habe befürchtet, "dass eine solch kostbare Gelegenheit" Samuragochis falschen Ruhm endgültig festigen könnte, sagte Niigaki. Deshalb habe er sich entschlossen, mit der Fiktion ein für alle Mal aufzuräumen.
An Gesprächen "ganz normal" beteiligt
Manchmal habe Samuragochi über Handzeichen und Lippenlesen kommuniziert - zumindest zu Beginn von Gesprächen, sagte Niigaki dem Wochenmagazin "Shukan Bunshun". Wenn die Konversationen allerdings länger andauerten, dann habe sich sein Meister "ganz normal" daran beteiligt. "Ich glaube, es fiel ihm schwer, sich taub zu stellen. Vor Kurzem habe ich ihn alleine zuhause getroffen - wir haben von Beginn an ganz normal miteinander gesprochen."
Samuragochi war Mitte der 90er-Jahre mit klassischen Kompositionen zu Videospielen wie etwa Resident Evil berühmt geworden. Mit 35 Jahren wurde er nach seinen eigenen Angaben taub, setzte seine Arbeit aber fort. Damals entstand auch sein berühmtestes Stück, "Sinfonie No. 1, Hiroshima", eine Ehrung der Opfer des Atombombenangriffs von 1945. In einem Interview aus dem Jahr 2001 hatte Samuragochi seinen angeblichen Gehörverlust als "Geschenk Gottes" bezeichnet.












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