Promi-Boxkampf

DMX steigt gegen Todesschütze Zimmerman in Ring

Ausland
05.02.2014 20:12
Er hat als Todesschütze des 17-jährigen Trayvon Martin und durch seinen Freispruch von der Anklage des Mordes weltweit zweifelhafte Berühmtheit erlangt - jetzt sorgt Ex-Nachbarschaftswächter George Zimmerman wieder für Aufsehen: Der 30-Jährige tritt bei einem Promi-Boxkampf gegen den US-Rapper DMX an, wie US-Medien am Mittwoch berichteten. Die Verkündung des fragwürdigen Matches erfolgte ausgerechnet am Geburtstag des erschossenen schwarzen Teenagers.

"Ich werde ihm die Scheiße aus dem Leib prügeln", hatte DMX im Vorfeld des Kampfes erklärt. Der Fall Trayvon Martin gilt für viele Afroamerikaner als Beweis für das mangelhafte US-Justizsystem, das schwarze Bürger immer noch diskriminiert. Laut CNN will DMX nun stellvertretend für alle Schwarzen, die sich vom System ungerecht behandelt fühlen, endlich Blut sehen - und dabei alle im Boxen üblichen Regeln vergessen. So versprach der Rapper unter anderem, er werde den ehemaligen Nachbarschaftswächter im Ring zerfetzen und demütigen: "Ich p***e George Zimmerman ins Gesicht."

Der 43-jährige Rapper, dessen bürgerlicher Name Earl Simmons ist, war aus über 15.000 Bewerbungen, die innerhalb der ersten Stunde nach Zimmermans Ankündigung des Promi-Boxkampfes eingegangen waren, ausgewählt worden, um gegen den bei der Mehrheit der schwarzen US-Bevölkerung verhassten Ex-Nachbarschaftswächter anzutreten. Doch auch DMX dürfte es nicht nur um Rache für Trayvon Martin gehen - der Rapper hat karrieretechnisch auch schon bessere Tage erlebt und erhofft sich wohl von dem Kampf eine Comeback-Chance.

Promoter: "Größter Celebrity-Boxkampf aller Zeiten"
Zimmermans Promoter Damon Feldman hat den Kampf jedenfalls im Vorfeld ganz unbescheiden als den wohl "größten Celebrity-Boxkampf aller Zeiten" bezeichnet. Wo und wann das Match stattfindet, soll in der kommende Woche bekannt gegeben werden. Feldman ist ein früherer Profiboxer, der nun Schaukämpfe von - mehr oder weniger - Prominenten veranstaltet. Immerhin, so der Veranstalter, soll ein Teil der Einnahmen aus dem fragwürdigen Kampf für wohltätige Zwecke gespendet werden.

Vor zwei Jahren unbewaffneten 17-Jährigen erschossen
Zimmerman hatte Ende Februar 2012 den 17-jährigen Trayvon Martin in der Stadt Sanford erschossen. Der schwarze Jugendliche war unbewaffnet und auf dem Weg nach Hause, dennoch sprach ein Geschworenengericht in Florida den Schützen im Juli des Vorjahres wegen Notwehr frei. Zimmerman hatte angegeben, Martin habe ihn zuerst attackiert. Der Fall hatte in den USA eine Rassismusdebatte ausgelöst, das Urteil wurde landesweit kritisiert.

Zimmerman schlägt Kapital aus zweifelhafter Berühmtheit
Der 30-Jährige, der auch nach seinem umstrittenen Freispruch wegen diverser Delikte, unter anderem wegen häuslicher Gewalt, mehrfach für Schlagzeilen gesorgt hatte, schaffte es zuletzt sogar, aus seinem zweifelhaften Promi-Status Profit zu schlagen. Ein laut seinen eigenen Angaben zu therapeutischen Zwecken gemaltes Bild wurde vor Kurzem für mehr als 100.000 US-Dollar versteigert. Nun hat Zimmerman erneut die Chance auf Geld gewittert – indem er in einem öffentlichen Boxkampf gegen einen schwarzen Prominenten antritt.

In den USA wurden bereits Rufe laut, das fragwürdige Spektakel zu boykottieren. So gibt etwa die Autorin und Aktivistin Olivia Cole in ihrem Blog bei der "Huffington Post" zu bedenken, dass die Zuseher des Boxkampfes Zimmerman nicht nur finanziell unterstützen würden, sondern auch dafür mitverantwortlich seien, dass die Menschen das Gesicht des Todesschützen nun noch viele weitere Jahre im Licht der Öffentlichkeit ertragen müssten. Und nicht zuletzt, so Cole, würde Zimmermans Status als "Berühmtheit" dank des Boxkampfes endgültig einzementiert sein.

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele