Unternehmergeist

Ein Burgenländer mischt das Silicon Valley auf

Burgenland
12.10.2025 09:00

Er reiste dorthin, wo die Welt denkt und ist zurück mit Ideen fürs Burgenland. Mike Oberfeichtner, Gründer der Firma O.K. Energie Haus, wollte im Silicon Valley herausfinden, wie man Zukunft baut, ohne sich zuerst durch Aktenberge zu graben müssen. 

Er hätte längst in die Politik gehen können. Mehrmals wurde Mike Oberfeichtner, Gründer von O.K. Energie Haus in Großpetersdorf, gefragt, ob er sich das vorstellen kann – aber er lehnt ab. „Ich will gestalten, nicht reden“, sagt er. „In der Politik sitzt du in Sitzungen. Ich will lieber Häuser bauen, die Zukunft schaffen.“

Aus Holz, für die Zukunft: Das von O.K. Energie Haus errichtete Internat der Keramikfachschule ...
Aus Holz, für die Zukunft: Das von O.K. Energie Haus errichtete Internat der Keramikfachschule Stoob ist ein Lehrbeispiel für ökologisches Bauen – und für burgenländische Innovationskraft.(Bild: LIB/Foto im Lohnbüro)

Seit 2004 leitet er einen Betrieb mit rund 50 Mitarbeitern, alle aus der Region. Das Unternehmen steht für nachhaltigen Holzbau aus dem Südburgenland – für Häuser, die mehr CO₂ speichern, als sie verursachen. „Es gibt weltweit nur drei oder vier Firmen, die das schaffen“, sagt Oberfeichtner. Seine Gebäude sind so effizient gedämmt, dass sie keine Klimaanlage brauchen. „Wenn du Holz richtig behandelst, atmet es. Dann reguliert das Haus sein Klima von selbst.

Wurzeln schlagen fürs Klima: 40.000 Bäume haben Michael Oberfeichtner und Markus Tuider auf der ...
Wurzeln schlagen fürs Klima: 40.000 Bäume haben Michael Oberfeichtner und Markus Tuider auf der Inform Oberwart bereits verschenkt.(Bild: Privat)

Oberfeichtner ist ständig auf der Suche nach Neuem. „Ich bin wissbegierig – mein ganzes Leben schon“, sagt er. Als sich die Gelegenheit bot, an einer Unternehmerreise ins Silicon Valley teilzunehmen, zögerte er nicht. Die Idee dazu kam bei einer Veranstaltung der Industriellenvereinigung Steiermark am Grazer Flughafen, wo Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky über Künstliche Intelligenz sprach.

„Der Mann hat mich umgehauen“, erinnert sich Oberfeichtner. „Er sprach über Künstliche Intelligenz, über gesellschaftliche Trends und die Denkweise der Zukunft. Ich wusste sofort: Ich will da mit. Noch während des Vortrags bin ich nach vorne gegangen, hab mich vorgestellt und gefragt, wie man bei dieser Unternehmerreise ins Silicon Valley dabei sein kann. Kurz darauf war ich fix angemeldet.“

Wo Wissen wächst: Mike Oberfeichtner vor der Stanford University
Wo Wissen wächst: Mike Oberfeichtner vor der Stanford University(Bild: Privat)

Die Gruppe war exklusiv: die Konzernchefin der Habau-Gruppe, ein Schweizer General, deutsche Großindustrielle, Kapitalgeber, Wissenschaftler – und mittendrin der Holzbaumeister aus dem Burgenland. „Ich war der Einzige aus Österreich mit einem mittelständischen Betrieb“, sagt er. „Das war schon beeindruckend. Ich wollte hören, wie diese Leute denken – und ob sie dieselben Probleme haben wie wir.“

Die Tage waren intensiv. „Zwölf bis sechzehn Stunden Programm, von früh bis spät. Ich hab am ersten Tag fast nichts verstanden – die Fachbegriffe, das Tempo. Also bin ich um fünf Uhr aufgestanden und hab Vokabeln gelernt. Nach zwei Tagen war ich wieder auf Augenhöhe.“

Österreich wird von Beamten regiert
Was ihn am meisten beeindruckte, war die Mentalität. „Dort sagen sie: ‘Probier’s aus!‘ Hier sagt man: ‘Das geht nicht.‘ In den USA wird von Unternehmern geführt. In Österreich und Deutschland von Beamten.“ Und er fügt hinzu: „In New York gründest du in vier Stunden eine Firma. Bei uns dauert das Wochen.“

Selbstfahrende Taxis und ein Gespräch mit dem KI-Pionier
Im Silicon Valley besuchte er Start-ups, die Satelliten ohne Raketen, nur mit Gasdruckluft, ins All schicken. Er fuhr mit selbstfahrenden Taxis von Waymo, lernte Gründer kennen, die für fünf PowerPoint-Folien Millioneninvestments erhielten – und traf KI-Pionier Richard Socher, den Gründer von you.com. „Er war der Erste, der über Sprachmodelle promoviert hat – damals wurde er ausgelacht. Heute forschen alle danach.“

Auch in seinem eigenen Unternehmen spielt künstliche Intelligenz bereits eine Rolle. „Wir haben unsere eigene interne KI, ‘Okay GPT‘. Sie hilft beim Planen, Rechnen, Übersetzen – aber keine Kundendaten verlassen das Haus. Wir wollen innovativ sein, aber sicher.“ Privat nutzt Oberfeichtner KI ebenfalls. „Ich diskutiere ein Problem, als säße ich mit Steve Jobs, Marcus Aurelius und Dieter Lange am Tisch. Das schärft den Blick. So lernst du denken, nicht nur wissen.“

In Kalifornien besuchte er außerdem eine Longevity-Klinik, die komplette Gesundheits-Checks anbietet – von Blutwerten über Genanalyse bis zur Früherkennung. „Da wird alles durchleuchtet – und wenn der Krebs nur einen Millimeter groß ist, wird er entdeckt. Bei uns wartest du drei Wochen auf einen Arzttermin, zahlst 6.000 Euro im Quartal und bekommst kaum Leistung.“ In den USA, erzählt er, könne man auch Sonntagabend zum Arzt. „Und keiner wundert sich. Bei uns wäre das ein Skandal. Aber genau das zeigt, wie anders dort gedacht wird.“

Burgenländische Erfindung mit Köpfchen: O.K. Energie Haus sichert sich ein Patent für ein ...
Burgenländische Erfindung mit Köpfchen: O.K. Energie Haus sichert sich ein Patent für ein Fugenverschlussprofil.(Bild: Privat)

Er ist überzeugt, dass Österreich von dieser Haltung lernen kann. „Wir Unternehmer setzen alles – Zeit, Kapital, Nerven. Wir schaffen Arbeitsplätze, bilden Lehrlinge aus. Und trotzdem werden wir oft ausgebremst. Dabei sind wir die, die etwas unternehmen – im wahrsten Sinn des Wortes.“

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Ich möchte zeigen, dass man auch von hier aus Weltklasse leisten kann.

Michael Oberfeichtner

Ein Beispiel, das ihn bestärkt, ist ein Kollege: Marco Adler, Holzbauunternehmer aus Bayern, der nach Florida ging. „Der hat dort eine neue Firma gegründet und baut heute 200 bis 300 Häuser im Jahr – weil die Amerikaner deutsche Qualität schätzen. Das zeigt, was möglich ist, wenn man darf.“ Oberfeichtner bleibt trotzdem daheim. „Ich möchte zeigen, dass man auch von hier aus Weltklasse leisten kann.“

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