34-Jährige eingewiesen

Nach Brandstiftung Rettung aus höchster Not

Vorarlberg
07.10.2025 06:00
Porträt von Chantal Dorn
Von Chantal Dorn

Eine Vorarlbergerin fühlte sich verfolgt, stapelte Kleidung und Papier im Eingangsbereich der Wohnung und zündete alles an – während ihr Partner schlief. Nur in letzter Sekunde konnten beide von der Feuerwehr gerettet werden. Am Montag stand die 34-Jährige in Feldkirch vor Gericht.

„Ich dachte permanent, man wolle mich umbringen“, sagt die 34-Jährige im Gerichtssaal. Zur verhängnisvollen Tat am es am 31. März dieses Jahres: Es ist 2 Uhr morgens, als die Feuerwehr die Dornbirnerin und ihren 46-jährigen Lebensgefährten in letzter Sekunde per Drehleiter aus dem zweiten Stock eines brennenden Wohnhauses rettet. Den Brand gelegt hat die Angeklagte selbst. Die Staatsanwaltschaft wirft der zweifach vorbestraften Frau versuchten Mord, Brandstiftung und versuchte schwere Körperverletzung vor.

„Lass uns Tabletten nehmen, dann sind wir für immer zusammen“
Nach Überzeugung des Gerichts errichtete die Angeklagte einen „Feuerwall“, um sich vor vermeintlichen Feinden zu schützen. Während ihr Partner auf der Couch schlief, stapelte sie Bettwäsche, Kleidung und Papierrollen im Bereich der Wohnungstür und zündete alles an. Mit den Worten „Es brennt, lass uns Tabletten nehmen, dann sind wir für immer zusammen“ soll sie den im Wohnzimmer schlafenden Lebensgefährten geweckt haben. Verzweifelt versuchte dieser, die Flammen zu löschen, und wählte schließlich den Notruf. Beide wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Spital gebracht.

Gerichtspsychiater Reinhard Haller
Gerichtspsychiater Reinhard Haller(Bild: APA/JOCHEN HOFER)

Schon damals bestritt die Frau, dass sie ihren Partner töten habe wollen. In seinem Gutachten kommt Psychiater Reinhard Haller zum Schluss, dass die Angeklagte unter einer massiven psychischen Störung infolge von ADHS und eines langjährigen Kokainkonsums leidet und zum Tatzeitpunkt unzurechnungsfähig war. „Sie war überzeugt, Feinde stünden vor der Tür“, so Haller.

„Es tut mir alles so leid. Aber ich halte das nicht mehr aus. Ich liebe dich von Herzen. Aber ich springe jetzt von einer Brücke“, schrieb die Brandstifterin ihrem Lebensgefährten in einem Abschiedsbrief, bevor sie das Feuer legte. Für die Staatsanwaltschaft ein Indiz für Tötungsvorsatz. Sie selbst erklärt dazu: „Den Brief habe ich nur geschrieben, um meine Verfolger auf eine falsche Fährte zu locken.“

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Es tut mir alles so leid. Aber ich halte das nicht mehr aus. Ich liebe dich von Herzen. Aber ich springe jetzt von einer Brücke.

Die Angeklagte in ihrem Abschiedsbrief

Die Lebensgeschichte der gelernten Köchin und dreifachen Mama ist geprägt von Sucht und Gewalt. Die eigene Mutter in psychiatrischer Behandlung, der Vater alkoholabhängig. Schon mit 14 konsumierte sie Valium, später Marihuana, seit mehr als zehn Jahren Kokain. Dazwischen fünf stationäre Aufenthalte im LKH Rankweil. Sechs Tage vor dem Brand war sie erneut aus der Klinik entlassen worden.

Stationäre Therapie
Mittlerweile ist auch ihr Lebensgefährte davon überzeugt, dass seine Freundin ihn nicht habe töten wollen bzw. einen erweiterten Suizid geplant hatte. Da die Frau zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig war, wurde vom Gericht die Einweisung in ein forensisch-therapeutisches Zentrum ausgesprochen, dies allerdings nur bedingt. Das bedeutet: Die Frau wird zunächst weiter im Spital betreut und anschließend stationär therapiert. Sie muss sich außerdem an diverse Auflagen halten.

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