Mo, 18. Juni 2018

Verrückt nach Snack

28.01.2014 12:43

Schokoküchlein erobern Schwarzmarkt in Nordkorea

Legal sind sie nicht in Nordkorea, aber offenbar zu süß, um zu widerstehen: Der südkoreanische Kuchen-Snack Choco Pie hat den kommunistischen Nachbarn im Sturm erobert. Das Gehalt eines ganzen Tages und mehr sei vielen Nordkoreanern die Mischung aus Gebäck, Marshmallow und Schokolade auf dem Schwarzmarkt wert, berichtet CNN.

In Südkorea, wo die runden Küchlein von Orion hergestellt werden, kostet ein Choco Pie umgerechnet etwa 35 Cent - ein riesiger Verkaufserfolg. Im von Kim Jong Un kontrollierten Nachbarland dagegen werden auf dem Schwarzmarkt bis zu sieben Euro verlangt, so CNN. Dabei verdient der durchschnittliche nordkoreanische Arbeiter Schätzungen zufolge gerade einmal 70 bis 150 Euro im Monat.

Dass es das Dessert nach Nordkorea geschafft habe, zeige, dass "komplette Quarantäne unmöglich ist", erklärte Richard Lloyd Parry in der Zeitschrift "London Review of Books". Der Snack zeige auf, dass man sehr wohl zur Gesellschaft Nordkoreas durchdringen könne.

Choco Pie und Coca-Cola
Das bestätigt der - auf eigenen Wunsch namentlich nicht genannte - Besitzer der südkoreanischen Fabrik im Industriekomplex Kaesong, wo auch Arbeiter aus Nordkorea tätig sind. Er habe ihnen Choco Pie und Coca-Cola vorgesetzt, so der Mann gegenüber CNN, und beide Produkte hätten positiven Eindruck hinterlassen. "Es war klar, dass die Arbeiter zumindest eine Ahnung vom Kapitalismus bekommen hatten und davon, dass nicht alles böse war." Bisher seien die USA nur mit dem Bösen schlechthin assoziiert worden - dass sie aber etwas dort Produziertes lieben könnten, habe den Arbeitern die Augen geöffnet.

Die Nordkoreaner hätten von ihren südlichen Nachbarn Choco Pie zuerst als Snack erhalten, um die Arbeit körperlich durchzuhalten, so der Fabrikbetreiber. Bald sei aber aufgefallen, dass die Arbeiter die Küchlein nach Hause zu ihren Kindern mitnahmen. So gelangten die beliebten Süßigkeiten schließlich auch auf den Schwarzmarkt, wo sie zum begehrten Artikel wurden.

Schmuggel und Bonus-Ersatz
Inzwischen sei man in den Fabriken zwar von Choco Pie auf nahrhaftere Instant-Nudeln umgestiegen, so der Firmenchef. Doch Choco Pie wird zum Beispiel von Menschenrechtsgruppen hin und wieder auf Ballons über die Grenze geschmuggelt oder von süd- an nordkoreanische Kollegen verschenkt. Zum Teil werde Choco Pie auch als Bonus "ausbezahlt", berichtete der "Telegraph" schon 2011. So dürfte der Hype um die Süßigkeit, die die Arbeiter laut Fabrikbesitzer in Ekstase versetzte, anhalten.

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