Mi, 15. August 2018

Vor der UNO

24.01.2014 15:36

Ungarn entschuldigte sich für Rolle im Holocaust

Ungarn hat sich vor den Vereinten Nationen erstmals für seine Beteiligung am Judenmord im Zweiten Weltkrieg entschuldigt. "In dieser Form und im Namen des ungarischen Staates hat noch niemand vor der UNO die Verantwortung Ungarns (für seine Rolle) im Holocaust übernommen", sagte der ungarische UNO-Botschafter Csaba Körösi am Donnerstagabend der Nachrichtenagentur MTI in New York.

Körösi äußerte sich bei einer UNO-Veranstaltung anlässlich des 70. Jahrestages des ungarischen Holocaust. Im Jahr 1944 hatte das mit Nazi-Deutschland verbündete Ungarn Hunderttausende Juden deportiert. "Wir schulden den Opfern eine Entschuldigung, weil der ungarische Staat schuld am Holocaust war", betonte der Diplomat. Die ungarische Regierung habe es damals nämlich verabsäumt, ihre eigenen Bürger zu schützen und stellte finanzielle Ressourcen für den Massenmord zur Verfügung.

Im UNO-Hauptquartier wurde am Donnerstag eine Ausstellung zum Thema "Erinnerung an den Holocaust in Ungarn" eröffnet. Der Unter-Generalsekretär der UNO für Kommunikation, Peter Launsky-Tieffenthal, unterstrich bei dieser Gelegenheit die Notwendigkeit, "gegen ethnischen und religiösen Hass, einschließlich Antisemitismus zu handeln".

Antisemitismus durch Jobbik im Aufwind
Das Problem des Antisemitismus ist in Ungarn derzeit vor allem wegen der umstrittenen rechtsextremen Partei Jobbik virulent. Die Partei leugnet die Verantwortung Ungarns für den Judenmord und geht mit antisemitischen Parolen auf Stimmenfang. Kürzlich wurde unter Schirmherrschaft der Partei im Zentrum Budapests ein Denkmal für den ehemaligen ungarischen Reichsverweser und Hitler-Verbündeten im Zweiten Weltkrieg, Miklos Horthy, enthüllt.

Die wegen Angriffen auf Rechtsstaat und Menschenrechte umstrittene rechtskonservative Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban bemüht sich um eine Distanzierung von antisemitischem Gedankengut. Kritiker werfen der Orban-Regierung jedoch vor, mit ihrer betont nationalistischen Politik zugleich Ressentiments gegenüber anderen ethnischen und religiösen Gruppen zu schüren.

Neue Verfassung: Ungarn verlor Eigenständigkeit
Nicht zuletzt die neue Verfassung, die im Jahr 2012 in Kraft getreten ist, versucht die Frage einer Mitverantwortung zu umgehen, indem festgestellt wird, dass Ungarn nach dem Einmarsch der deutschen Truppen seine Eigenständigkeit verloren und diese erst 1990 nach dem Ende des Kommunismus voll zurückerlangt habe.

"Ablenkungsmanöver": Besetzungs-Denkmal als Aufreger
Aktuell sorgt ein Denkmal, das an den 70. Jahrestag der Besetzung Ungarns durch Nazi-Deutschland am 19. März 1944 erinnern soll, für große Aufregung. Jüdische Organisationen kritisierten den Plan als "Ablenkungsmanöver" von der Rolle Ungarns im Holocaust, die sozialistische Opposition sprach von einer "Provokation". Der linksgerichtete Ex-Premier Ferenc Gyurcsany kündigte an, das Denkmal im Fall eines Regierungswechsels nach der Parlamentswahl am 6. April wieder abzubauen. Umfragen zufolge ist der Sieg von Orbans Fidesz-Partei bei der Parlamentswahl ungefährdet.

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