Pädophilie-Wahn

Junges Trio machte „Jagd“ auf Tiroler Chefarzt

Tirol
23.09.2025 07:00

Ein junges Trio (jeweils 19 Jahre) bedrängte in einem Personenlift einen renommierten Tiroler Mediziner und beschimpfte ihn als Pädophilen, ohne dass es dazu je konkrete Vorwürfe oder laufende Ermittlungen gab. Parallelen zu einem Prozess in Graz wurden offenbar. 

Die Szenen, gefilmt von einem der Angeklagten mit dem Handy und dann via WhatsApp zigfach verbreitet, sind irritierend: Drei Jugendliche rücken in einem Aufzug einem Mann auf den Leib, er wird beschimpft, soll sein Handy hergeben. Das Wort „Pädophiler“ fällt, schließlich ruft das Opfer mehrmals lautstark um Hilfe. 56 Sekunden dauert das Video. 20 bis 30 Minuten soll das Opfer festgehalten worden sein.

Freiheitsentziehung und Nötigung angeklagt
Beim derart Angegriffenen handelt es sich um einen Tiroler Chefarzt, der daraufhin Anzeige erstattete. Seine drei durchwegs vorbestraften Peiniger standen nun wegen Freiheitsentziehung und Nötigung vor dem Landesgericht. Brisant: Erst Anfang Juli wurden in Graz drei Jugendliche verurteilt, weil sie in einer Art Selbstjustiz vermeintliche Pädophile in Fallen gelockt hatten – um sie dann zu verprügeln und auszurauben. Das Trio (alle 17 Jahre) hatte sich in einem Chat als 13-jähriger Bub ausgegeben. Es setzte Haftstrafen, teils auf Bewährung.

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Es ging darum, das Opfer an den Pranger zu stellen und öffentlich fertigzumachen.

Der Richter in der Urteilsbegründung

Parallelen zur Pedo-Hunter-Szene
Erst im März gab es mit der Operation „Venator“ einen großen Schlag gegen die sogenannte Pedo-Hunter-Szene in Österreich. Mit dieser Szene hat das Tiroler Trio mit ausländischen Wurzeln offenbar nichts zu tun. Zu Prozessbeginn in Innsbruck wiesen sie auf ihren ordentlichen Lebenswandel mit Jobs bzw. Abendschule hin.

„Damit können Sie ein Leben zerstören“
Danach schloss der Richter die Öffentlichkeit aus. Das Urteil ist aber stets öffentlich. Es setzte (auch wegen der Vorstrafen) ein Jahr Haft, neun Monate Haft sowie für den dritten Beteiligten 1440 Euro Geldstrafe. Die Angeklagten erbaten sich Bedenkzeit.

Nie Ermittlungen gegen den Arzt
„Mit einer solchen Aktion können Sie ein Leben zerstören“, so der Richter. Und widersprach damit vehement den Angeklagten, die betonten, sie hätten der Gesellschaft „etwas Gutes tun“ wollen. Woher der „Pädophilen-Wahn“ in diesem Fall kam, blieb ungeklärt. Festzuhalten ist, dass es gegen den renommierten Mediziner nie Ermittlungen gab. Die Vorfälle sollen ihm sehr zugesetzt haben, den Job im Spital hat er quittiert. 

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