Mo, 18. Juni 2018

Große Trauerfeier

13.01.2014 14:01

Israel und Freunde nahmen Abschied von Sharon

Israel trauert um Ariel Sharon. Im Beisein von Gästen aus aller Welt hat die Staatsführung am Montag bei einer emotionalen Gedenkfeier vor dem Parlament in Jerusalem Abschied von dem früheren Ministerpräsidenten genommen. Alle Redner würdigten den umstrittenen Politiker und Militär, der nach acht Jahren Koma am Samstag im Alter von 85 Jahren gestorben war, als historische Persönlichkeit und großen Kämpfer. Auf seiner Farm im Süden Israels findet Sharon nun die letzte Ruhe.

Präsident Shimon Peres und Regierungschef Benjamin Netanyahu würdigten Sharon bei dem Staatsakt vor der Knesset als "Kämpfer", der im Jom-Kippur-Krieg 1973 großen Ruhm erlangt und als Ministerpräsident "einen Krieg gegen den Terrorismus" geführt habe. "Du warst die Schulter, auf der die Sicherheit unseres Volkes ruhte", sagte Peres, der Sharon bereits als jungen Studenten kennengelernt hatte. Sharons Leben sei "mit der Geschichte des Staates Israel verwoben". Netanyahu bezeichnete Sharon als einen der Gründerväter Israels. Der Tod des einstigen Führers der nationalistischen Rechten hatte in Israel landesweite Trauer ausgelöst.

Für US-Vizepräsident Joe Biden war Sharon eine außergewöhnlich starke Persönlichkeit. Die Sicherheit des Staates Israel und des jüdischen Volkes seien der Stern gewesen, der ihm den Weg gewiesen habe, sagte Biden. "Das war sein Lebenswerk." Der von Sharon 2005 durchgeboxte Abzug aus dem Gazastreifen sei eine "schwere und umstrittene Entscheidung" gewesen. Sharon habe immer hartnäckig für Israels Sicherheit gekämpft, deshalb sei klar, "warum er den Spitznamen 'Bulldozer' bekommen hat".

Der Nahost-Gesandte und frühere britische Premierminister Tony Blair sagte, Sharon habe eine umfassende Friedenslösung in der Region angestrebt. Er habe Schritte unternommen, mit denen niemand gerechnet habe, sagte Blair, der ausführlich Sharons unkonventionelle Persönlichkeit beschrieb.

Klug vertrat Österreich bei Trauerfeier
Für Österreich nahm Verteidigungsminister Gerald Klug an der Trauerfeier teil. Da Sharon auch Verteidigungsminister war, entsendete eine Reihe von Staaten die Chefs des Verteidigungsressorts, so etwa Kanada, Zypern und Tschechien, das zusätzlich durch den scheidenden Premier Jiri Rusnok vertreten war. Für Russland war Parlamentspräsident Sergej Naryschkin anwesend.

Begräbnis unter strengen Sicherheitsvorkehrungen
Sharon war vor der Knesset auf einem Sockel aufgebahrt, sein Sarg eingehüllt in die blauweiße israelische Flagge mit dem Davidstern. Die beiden Söhne und zwei Enkel nahmen an der Trauerfeier teil. Die Bestattung Sharons mit militärischen Ehren fand dann am frühen Nachmittag auf seiner Farm in der Negev-Wüste im Süden des Landes statt. Im Beisein von Gästen aus aller Welt wurde der Politiker und Militär neben seiner Frau Lily begraben. Acht Generäle trugen den Sarg zum Grab.

Sharons Shikmim-Farm liegt unweit des palästinensischen Gazastreifens. Das Begräbnis fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Israels Armee war auf die Möglichkeit vorbereitet, dass militante Palästinenser versuchen könnten, während der Zeremonie Raketen auf Israel abzufeuern. Nach Medienberichten wurde in der Nähe der Farm eine weitere Batterie des Raketenabwehrsystems Eisenkuppel aufgestellt.

"Schlechtes Datum, um Israels Geduld auf die Probe zu stellen"
Israel hatte die radikal-islamische Hamas auch eindringlich vor Angriffen während der Beisetzung gewarnt. Den Machthabern im Gaza-Streifen sei deutlich gemacht worden, dass der Tag der Beerdigung des Politikers "ein denkbar schlechtes Datum" sei, um die israelische Geduld auf die Probe zu stellen, verlautete aus Sicherheitskreisen.

Palästinenser im Gazastreifen hatten Sharons Tod gefeiert. Während des Libanon-Krieges hatten mit Israel verbündete libanesische Milizen 1982 Hunderte Palästinenser in den Flüchtlingslagern Sabra und Shatila ermordet. Dem damaligen Verteidigungsminister Sharon wurde später eine Mitschuld vorgeworfen.

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