
Wie so oft steckt bei Lars von Trier Wesentliches unter der mehr oder minder skandalösen Oberfläche. So zeigt der suggerierte Sexfilm vor allem das Bild einer Frau voller Selbsthass und Zweifel. Und die vermeintlich lüsterne Intimität wird von einer ganz anderen, emotionaleren übertüncht, wenn Joe gegenüber einem Fremden ihre Beichte ablegt.
Dass die freudige Erregung, mit der das lendengesteuerte Kopulations-Epos von Fans des Regie-Enfant-Terrible erwartet wurde, schnell verpufft, liegt daran, dass Nacktheit sich hier nur banale Blöße gibt, und das auch noch dreist "maskiert" in Form von künstlichen, pikant platzierten Latexgeschlechtsteilen, die den Schauspieler(innen) aufgepfropft wurden, so nicht gleich echte Pornodarsteller zum Zug kamen. Lars von Triers radikal moralbefreite Studie eines gefallenen Engels lässt der Erotik in keinem Moment Raum.
Was bleibt, ist die unbefriedigte Leere der Protagonistin - und jene des Kinopublikums. Der Versuch, eine Art feministische Freiheitsutopie in lustfeindliche Selbstzerfleischung zu packen und philosophisch aufzurüschen, befremdet letztlich nur.
Kinostart von "Nymphomaniac - Teil 1": 21. Februar.












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