Über ein halbes Jahr soll ein Wiener Kellner zusammen mit einem Kollegen ein Lokal am Graben im 1. Bezirk um 21.000 Euro gebracht haben. Die zwei jungen Männer sollen Getränke gezapft, diese aber ohne Rechnung teilweise schwarz kassiert haben. Gestritten wird im Wiener Landesgericht, wer wann den „Chef-Schlüssel“ hatte.
Fragezeichen über Fragezeichen im Verhandlungssaal 304 im Wiener Landl. „Wir haben auch eine lange Zeit gebraucht, bis wir das nachvollziehen konnten und verstanden haben“, so die Geschäftsführerin eines Innenstadtlokals am noblen Graben. Dort sollen nämlich zwei Kellner bei der Ausgabe von Getränken ordentlich getrickst haben – die Vorgangsweise ist vor allem für Nicht-Gastro-Kenner zweifelsohne kompliziert.
„Chef-Schlüssel“ in Händen von Kellnern?
Bier, Almdudler und Co. im Wert von 21.000 Euro wurden über ein halbes Jahr an der Schank heruntergelassen und verkauft – das Geld landete aber nicht in der Kassa. Und auch boniert wurden die Getränke nicht. Möglich ist das nur mit einem besonderen Schlüssel, erklärt die 38-jährige Betreiberin: „Es gibt verschiedene Freigaben.“ Die Kellner könnten nur zapfen, was sie bereits verrechnet haben. Mit dem sogenannten „Chef-Schlüssel“ ist der Zugang unlimitiert. Einen solchen sollen sich der nun angeklagte 28-Jährige und ein Kollege besorgt haben.
Es ist sehr unüblich, dass Kellner in die Frühschicht wechseln wollen. Da verdient man viel weniger Trinkgeld. Aber im Frühdienst kann man besser stehlen.
38-jährige Geschäftsführerin im Wiener Landl
Aufgefallen war die fehlerhafte Rechnungslegung durch einen „Mystery Guest Shopper“. Das ist eine verdeckte Testperson, die sich wie ein normaler Kunde verhält, um die Qualität des Kundenerlebnisses und die Serviceleistung eines Unternehmens oder Gastronomiebetriebs zu bewerten. Die Geschäftsführerin und ihr Bruder – sie betreiben das Lokal im 1. Bezirk zusammen – forschten also nach: Der „Chef-Schlüssel“ wurde jedes Mal verwendet, wenn der angeklagte Serbe Dienst hatte. Gegen seinen Kollegen, der mittlerweile Straßenbahnfahrer ist, wird ein separates Verfahren geführt.
Zufall, dass Getränke verschwanden?
Außerdem auffällig: „Die beiden Kellner wollten unbedingt zusammen in den Frühdienst wechseln. Da ist natürlich weniger los, es wird weniger kontrolliert. Es ist sehr unüblich, dass Kellner in die Frühschicht wechseln wollen. Da verdient man viel weniger Trinkgeld. Aber im Frühdienst kann man besser stehlen“, vermutet die 38-jährige Wienerin im Zeugenstand.
Der Angeklagte streitet das vor der Richterin aber vehement ab. Es würde sich um einen Zufall handeln, dass literweise Getränke genau während seinen Schichten verschwanden. Er vermutet andere Täter. In dem Prozess werden jedenfalls noch mehr Zeugen gebraucht – also wird vertagt.
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