Mi, 15. August 2018

Neue Theorie

06.12.2013 14:06

Fehlende Verknüpfung im Hirn Grund für Legasthenie

Ein internationles Forscherteam will eine neue Erklärung für die Entstehung einer Lese- und Rechtschreibschwäche gefunden haben. Die gängige Theorie, wonach Legastheniker Laute schlecht unterscheiden können und deshalb Probleme beim Lesen und Schreiben haben, sei womöglich falsch, behaupten die Wissenschaftler.

Die Lauterkennung funktioniere bei Menschen mit Dyslexie genauso gut wie bei Nichtbetroffenen, die Laute würden im Gehirn aber schlechter weiterverarbeitet, berichteten die Forscher am Freitag in der US-Fachzeitschrift "Science".

Die Wissenschaftler untersuchten für ihre Studie 23 Menschen mit Dyslexie und 22 Probanden, die problemlos lesen und schreiben können. Dabei kam heraus, dass Legastheniker - anders als von vielen Forschern angenommen - die Feinheiten verschiedener Sprachlaute sehr wohl verstehen können. "Die Sprachwahrnehmung bei Erwachsenen mit Dyslexie war völlig intakt", sagte der Psychiater Bart Boets von der Universität im belgischen Löwen, der die Studie leitete.

Verbindung zwischen Hör- und Sprachzentrum gestört
Stattdessen fanden die Forscher aus Löwen, London, Oxford und Zürich mittels Hirnscans heraus, dass Verbindungen zwischen den Hörzentren in der linken und rechten Hirnhälfte und zum sogenannten Broca-Areal, einem Teil des Sprachzentrums in der Großhirnrinde, nicht richtig funktionierten. Legastheniker hätten also Probleme, die wahrgenommene Sprache weiterzuverarbeiten, erklärte Boets. Die nicht funktionierenden Verbindungen im Gehirn erschwerten bei ihnen einen "effizienten Zugriff" auf die Informationen.

Andere Experten beurteilten die Untersuchungsergebnisse jedoch skeptisch. Über Jahrzehnte seien in Studien "sehr umfassende und überzeugende" Beweise für die Theorie zusammengetragen worden, wonach Legastheniker Probleme bei der Sprachwahrnehmung haben, sagte der Neurowissenschaftler Michael Merzenich von der University of California in San Francisco dem Magazin "Science". Diese Publikationen könnten "nicht einfach ignoriert" werden.

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