Lukratives Geschäft

Nashörner als Zielscheibe für Indiens Rebellen

Ausland
19.11.2013 10:23
Es ist Nacht im Naturschutzgebiet Kaziranga im nordostindischen Assam. Suchscheinwerfer dringen durch den Regen. Die Sicherheitsleute sind nervös, Funkgeräte knacken. Der Einsatz beginnt. Die rund 1.200 Wachleute und Wildhüter kämpfen nicht nur gegen Wilderer. Seit einiger Zeit müssen sie sich auch gegen Aufständische zur Wehr setzen. Diese haben den illegalen Handel mit gefährdeten Tieren als Geldquelle entdeckt. Die Nachfrage aus Südostasien und China nach Elfenbein, Hörnern, Fellen oder anderen Körperteilen boomt.

"Früher war es nur China, aber seit es auch in Ländern wie Vietnam, Kambodscha oder Thailand eine reichere Schicht gibt, ist die Nachfrage gestiegen, und damit auch der Preis", sagt Bibhab Taldukar von der Internationalen Nashorn-Stiftung IRF. "Militante Gruppen sind von Entführung und Erpressung zum Raub an Naturschätzen übergegangen."

Ein Kilo "schwarzes Elfenbein" bringt über 60.000 Euro
Nashörner sind besonders bedroht: Mindestens 44 wurden dieses Jahr in Assam abgeschlachtet, die höchste Zahl seit den frühen 1990er-Jahren. Die Gangs verschonen nicht einmal Nashornjungen. Weltweit gibt es etwa 3.000 Panzernashörner. 2.300 von ihnen leben im 400 Quadratkilometer großen Kaziranga-Reservat. Ihre Hörner - bekannt als "schwarzes Elfenbein" - bringen mehr als 60.000 Euro pro Kilogramm. Sie gelten in der chinesischen Medizin als Aphrodisiakum und Allheilmittel.

"Rebellen verkaufen die Hörner, um Waffen zu kaufen"
Mehrere Gruppen von Aufständischen arbeiten nach Angaben der Polizei mit internationalen Wilderer-Syndikaten zusammen. Die Rebellen kommen oft aus Indiens sozial benachteiligten indigenen Stammesvölkern. Sie jagen die Tiere mit automatischen Waffen, wie Chefwildhüter SK Seal Sarma erklärt. "Es ist eine sehr ernste Bedrohung." Manche schneiden den Nashörnern demnach sogar bei lebendigem Leib die Hörner ab. "Sie verkaufen die Hörner, um Waffen zu kaufen", sagt Sarma. Andere Gruppen von Aufständischen, die Waffenstillstände geschlossen haben, wilderten wiederum nur, um Gewinne zu machen.

Auch Tiger, Elefanten, Leoparden und Bären im Visier
Auch sieben Königstiger wurden nach Angaben der Behörden in Kaziranga getötet. Tierschützer befürchten, dass die wahre Zahl viel höher sein könnte. "Jedes Teil eines Tigers bringt gutes Geld, nichts wird zurückgelassen, es gibt keine Spuren", sagt Prahlad Baruah von der Kaziranga Foundation. Ebenfalls im Visier haben die Wilderer Elefanten wegen ihrer Stoßzähne, Leoparden und Bären wegen ihrer Klauen, Knochen, Fell und Schnurrhaaren. Das Schuppentier ist wegen seiner Hornschuppen begehrt. Sogar noch kleinere Tiere wie etwa der Tokeh-Gecko werden gejagt - dem Volksglauben nach soll das Tierchen die Immunschwächekrankheit Aids heilen.

"Die Wildhüter haben vor den Aufständischen Angst"
Die durchlässigen Grenzen nach Burma und Bangladesch machen es den Wilderern leicht. Der illegale Handel boomt. Immer wieder wird Schmuggelware beschlagnahmt. Allein in Assam wurden in diesem Jahr 67 Wilderer gefasst, in den sechs Jahren davor gab es insgesamt nur 177 Festnahmen. Die Wildhüter sind überfordert. "Sie sind einfach nicht gut genug ausgebildet. Sie können vielleicht gegen Wilderer angehen, aber vor den Aufständischen haben sie Angst", sagt Baruah. Trotz Verbesserungen - wie etwa Überwachungskameras - gehe das Töten also weiter.

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