Streit um Matratze

27-Jähriger schoss Mann in Bauch - 15 Jahre Haft

Österreich
14.11.2013 17:39
Ein 27-jähriger Tschetschene ist am Donnerstag am Wiener Straflandesgericht wegen versuchten Mordes nicht rechtskräftig zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Kaschen K. hatte am 17. März einen Landsmann mit einem Bauchschuss niedergestreckt. Das Opfer, das schwer verletzt überlebte, hatte zuvor den Bruder des 27-Jährigen nach einem Streit um eine Matratze verprügelt. Weil der die Ehre des Bruders verteidigen wollte, griff der Asylwerber schließlich zur Waffe.

Am Tag vor dem Schussattentat war der Bruder des Angeklagten Hussein K. in einem Park in Wien mit dem befreundeten Landsmann Adam K. (40) aneinandergeraten - es ging um 50 Euro für eine Matratze. Es folgte eine Rangelei, beide steckten ein paar Schläge ein. "Nach der Rauferei haben wir uns die Hände geschüttelt, wie das unter echten Männern üblich ist", erklärte das spätere Opfer vor Gericht. Der 40-Jährige berichtete im Zeugenstand aber auch, dass er wegen des Vorfalls schon eine "Vorahnung" hatte, dass danach noch mehr kommen sollte.

"Ich bin nicht hier um zu reden"
Als Hussein K. mit Blessuren nach Hause kam, verlor sein Bruder Kaschen K. die Nerven. "Sag mir, wer das war, oder du bist nicht mehr mein Bruder", forderte der 27-Jährige. Nachdem er von seinem Bruder erfahren hatte, was passiert war, machte er sich in der darauffolgenden Nacht auf den Weg zur Wohnung des 40-Jährigen.

Als dieser die Tür öffnete, forderte der 27-Jährige Adam K. auf, mitzukommen. "Das Ganze hat nicht länger als 30 Sekunden gedauert", so das Opfer. "Ich bin nicht hier um zu reden", habe der Angeklagte gesagt - und gefeuert. "Danach ist er sofort weggelaufen. Als ich mich aufgerappelt hatte, sah ich, dass ich ein Loch im Bauch habe."

Anwalt: Angeklagter ist "kein gewalttätiger Mensch"
Im Prozess versuchte der Verteidiger von Kaschen K. für seinen Mandanten absichtlich schwere Körperverletzung "herauszuholen". Doch im Endeffekt wog die Tatsache, dass der 27-Jährige seinen Kontrahenten aus nächster Nähe so schwer verletzte, dass dieser um ein Haar verblutet wäre, schwerer. Überdies schenkte das Schwurgericht den Beteuerungen des Angeklagten, er habe in Panik gehandelt, keinen Glauben.

Immerhin verstrichen von der Nachricht der Verletzung seines Bruders bis zum Schuss mehrere Stunden, in denen der 27-Jährige 200 Euro in den Kauf einer Pistole investierte. Die Tatsache, dass die auf Dauerfeuer eingestellte Waffe jedoch defekt war, sei dem Angeklagten bewusst gewesen. "Er ist überhaupt kein gewalttätiger Mensch, seine Bekannten beschreiben ihn als sehr nett und hilfsbereit", sagte der Verteidiger.

Knappe Entscheidung der Geschworenen
Die Geschworenen entschieden schlussendlich knapp mit 5:3 Stimmen für versuchten Mord. Der Tschetschene erbat sich drei Tage Bedenkzeit. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.

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