Unerwarteter Schritt

EZB senkt Leitzins auf Rekordtief von 0,25 Prozent

Wirtschaft
07.11.2013 15:33
Die Europäische Zentralbank verschärft offenbar ihren Krisenkurs und hat den Leitzins überraschend weiter gesenkt. Der Zins, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der Notenbank refinanzieren können, wurde um 0,25 Punkte auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt, wie die EZB am Donnerstag mitteilte. Bankvolkswirte hatten mit einem unveränderten Leitzins gerechnet.

Die Notenbank erwarte eine "längere Phase niedriger Inflation", erklärte EZB-Chef Mario Draghi in einer Pressekonferenz am Donnerstag. Dennoch sieht der oberste Euro-Hüter keine Deflation auf die Euro-Zone zukommen. Details zu der erwarteten Preisentwicklung werde die EZB in den Konjunkturprognosen im Dezember vorlegen.

Kursfeuerwerk an den Börsen
Die Börse feierte die Entscheidung mit einem Kursfeuerwerk: Der Deutsche Aktienindex Dax schoss binnen Minuten um fast 100 Punkte auf mehr als 9.150 Punkte in die Höhe. Im Gegenzug fiel der Euro-Kurs rapide von mehr als 1,35 auf unter 1,34 Euro.

Die Teuerung im Euro-Raum war im Oktober auf 0,7 Prozent gesunken - den tiefsten Stand seit vier Jahren. Das hatte Forderungen nach noch billigerem Zentralbankgeld und einem Leitzins noch unter dem bisherigen Rekordtief von 0,5 Prozent neue Nahrung gegeben. Das billige Geld soll helfen, eine deflationäre Abwärtsspirale aus fallenden Verbraucherpreisen und schwachem Wirtschaftswachstum zu verhindern.

Beobachter rechneten mit Zinspause
Das belgische Ratsmitglied Luc Coene hatte kürzlich betont, dass "ein weiterer Fall der Inflation ein geldpolitisches Handeln rechtfertigen" könne. Die meisten Ökonomen hatten dennoch mit einer Zinspause gerechnet.

Für Deutschland mit seiner relativ robusten Konjunktur gilt schon das bisherige Zinsniveau als zu niedrig. Und da Banken bereits extrem günstig an Geld kommen, es aber nicht an Unternehmen weiterreichen, ist umstritten, ob die erneute Zinssenkung in den Krisenländern positive Auswirkungen haben wird.

Fragwürdiger Schritt, weil Wirtschaft langsam gesundet
Der historische Zinsschritt kommt auch deshalb überraschend, weil die Wirtschaft im Euro-Raum die Rezession verlassen hat und 2014 - auch nach EZB-Prognosen - wieder wachsen wird. Allerdings sei die wirtschaftliche Erholung "schwach, fragil und ungleichmäßig", wie das deutsche EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen kürzlich betonte.

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