28.10.2013 09:14 |

Nach Facebook-Fiasko

New Yorker Börse probte Twitter-Börsengang

An der Wall Street läuft der Countdown für das mit großer Spannung erwartete Börsendebüt von Twitter: Knapp zwei Wochen vor der geplanten Erstnotierung absolvierte die New Yorker Börse NYSE jetzt einen Testlauf, um ein Chaos wie beim Handelsstart von Facebook an der Konkurrenzbörse Nasdaq vor eineinhalb Jahren zu verhindern. Ein Team von Börsenmitarbeitern, Technikern und Marktmachern simulierte in drei verschiedenen Durchgängen den IPO des Kurznachrichtendienstes.

"Der Test der Systeme war erfolgreich", resümierte ein Börsensprecher am Samstag. Es war die erste derartige Probe der NYSE überhaupt. "Wir gehen bei den Planungen für den Twitter-Börsengang sehr methodisch vor und arbeiten mit der Branche zusammen, um für Twitter, die Investoren und alle Marktteilnehmer eine Fachkompetenz von Weltklasse zu gewährleisten."

Twitter steht für den größten Börsengang eines Internetunternehmens seit dem von Facebook im Mai 2012. Das damals mit einem immensen Medienrummel hochgespielte Ereignis wurde zum Debakel, weil die gewaltige Orderschwemme zur Handelsaufnahme die Systeme der Nasdaq überforderte. Wegen der technischen Mängel verzögerte sich der Handel und die Aufträge vieler Kunden wurden verspätet bearbeitet. Einige Marktteilnehmer erlitten hohe Verluste, weil die Aktien nach anfänglichen Gewinnen deutlich an Wert verloren.

Großen Händlern entstanden Branchenschätzungen zufolge dadurch Einbußen über insgesamt 500 Millionen Dollar (363 Millionen Euro). Ein erheblicher Imageschaden für das Unternehmen, seine Investmentbanken und die Nasdaq war die Folge. Die Börsengesellschaft bekam von der Aufsichtsbehörde SEC eine Rekordstrafe von zehn Millionen Dollar aufgebrummt und muss zusätzlich knapp 42 Millionen an geschädigte Brokerhäuser zahlen. Der Facebook-Kurs rutschte monatelang weiter in den Keller.

NYSE simulierte Nachfrageansturm
Dieses abschreckende Beispiel spielte nach Einschätzung von Analysten der NYSE in die Karten, die mit der Nasdaq um lukrative Technologiebörsengänge wetteifert. Der Vorteil soll beim Twitter-Börsenstart nicht verspielt werden. Mit dem Test wurde daher geprüft, ob die Handelssysteme einem Nachfrageansturm gewachsen sind und alle Aufträge umgehend bestätigt und ausgeführt werden, um Benachteiligungen auszuschließen.

Twitter nach verpatztem Facebook-Börsengang vorsichtig
Das Facebook-Fiasko hat Twitter vorsichtig gemacht. Der Kurznachrichtendienst, dessen Debüt für den 7. November anvisiert ist, bietet lediglich 70 Millionen Aktien zwischen 17 und 20 Dollar. Zusammen mit einer Mehrzuteilungsoption von 10,5 Millionen Titeln könnte die Emission bis zu 1,6 Milliarden Dollar einspielen.

Facebook kam auf das Zehnfache dieses Volumens. Die Betreibergesellschaft des weltweit größten sozialen Netzwerks brachte 421 Millionen Anteilsscheine zum Preis von je 38 Dollar am Markt unter. Seit dem Tiefstand von 17,55 Dollar im August hat die Aktie drastisch zugelegt und notierte zuletzt mit 51,95 Dollar.

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