12.10.2013 10:27 |

Boot gekentert

Neue Tragödie vor Lampedusa: Dutzende Tote

Acht Tage nach der Flüchtlingstragödie vor Lampedusa mit über 300 Toten ist es unweit der süditalienischen Mittelmeerinsel erneut zu einem Drama gekommen. Ein Flüchtlingsboot mit 250 Migranten an Bord ist 70 Seemeilen südöstlich von Lampedusa in maltesischen Gewässern gekentert. Rund 50 Menschen - darunter auch Kinder und Frauen - dürften ums Leben gekommen sein. 34 Leichen wurden bereits geborgen.

Das Unglück ereignete sich, nachdem die Migranten ein maltesisches Flugzeug gesichtet hatten. Die Menschen hatten mit Schreien versucht, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Das Boot geriet dabei ins Schwanken, was Panik unter den Migranten auslöste. Mehrere Flüchtlinge fielen ins Wasser, das Boot kenterte.

Schiffe der italienischen und der maltesischen Marine eilten den hilflosen Menschen zu Hilfe. Rettungseinheiten warfen den Flüchtlingen im Wasser Schwimmwesten zu. Zehn Kinder wurden mit einem Hubschrauber nach Lampedusa geflogen. 143 Überlebende und vier Leichen befanden sich an Bord eines Schiffes der maltesischen Marine und wurden auf Malta gebracht. Weitere 56 Überlebende wurden an Bord eines italienischen Schiffes versorgt. Unter den Flüchtlingen befanden sich laut Medienberichten zahlreiche Syrer.

Bei ihrem Einsatz konnte die italienische Marine auch gleich ein weiteres Flüchtlingsdrama verhindern: Sie retteten 100 Migranten von einem anderem Flüchtlingsboot, die um Hilfe gebeten hatten.

Malta dankt Italienern für Unterstützung
Italiens Premier Enrico Letta, der sich über die Tragödie bestürzt zeigte, telefonierte am Freitagabend mit seinem maltesischen Amtskollegen Joseph Muscat. Dieser dankte Italien für die Unterstützung zur Rettung der Überlebenden des Flüchtlingsunglücks. Letta telefonierte auch mit EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, den er zur Ergreifung europäischer Maßnahmen zur Bekämpfung der illegalen Einwanderung aufrief.

Die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusy Nicolini, zeigte sich wegen des neuen Flüchtlingsdramas vor der Insel ebenfalls erschüttert. "Europa muss endlich etwas unternehmen, um den Flüchtlingsstrom zu stoppen. Lampedusa ist zu klein, um allein mit dieser Situation fertigzuwerden", sagte Nicolini. Der Präsident der Region Sizilien, Rosario Crocetta, rief die Regierung in Rom und Brüssel zu sofortigem Handel auf. "Wir müssen verhindern, dass weitere Flüchtlinge ums Leben kommen. Ich bin bereit, auf Sizilien den Notstand aufzurufen, damit man endlich konkrete und einschneidende Maßnahmen gegen den Menschenhandel ergreift", so Crocetta.

EU-Kommissarin: "Die nächste Tragödie"
EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström appellierte an die EU-Staaten, schnell mehr Ressourcen für die europäische Grenzschutzagentur Frontex zur Verfügung zu stellen. "Diese erneuten schrecklichen Ereignisse geschehen, während wir noch die Tragödie von Lampedusa vor Augen haben", meinte Malmström.

Weitere Leichen des letzten Unglücks geborgen
Unterdessen wurden neun weitere Opfer der Flüchtlingstragödie vor acht Tagen von den Tauchermannschaften entdeckt. Damit wächst die Zahl der geborgenen Leichen auf 328.