11.10.2013 18:43 |

Friedensnobelpreis

Taliban zufrieden, dass Malala leer ausging

Die als Favoritin für den Friedensnobelpreis gehandelte pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai hat die Auszeichnung nicht erhalten. Nachdem der Preis am Freitag der Organisation für das Verbot chemischer Waffen zugesprochen worden war, zeigten sich Politiker in Pakistan enttäuscht, die islamistischen Taliban hingegen zufrieden. Zuvor hatte Malala in einem Interview erklärt, sie wolle später einmal ihr Heimatland regieren.

Nachdem Malala leer ausging, war die Freude bei den pakistanischen Taliban groß. Das 16-jährige Mädchen, das bei einem Anschlag der Taliban schwer verletzt worden war, habe nichts getan, womit sie die Auszeichnung verdient hätte, sagte Taliban-Sprecher Shahidullah Shahid am Freitag. Der Nobelpreis sollte "wahren Muslimen gegeben werden, die für den Islam kämpfen", sagte der Sprecher der Gruppe Tehreek-e-Taliban weiter. Malala sei jedoch gegen den Islam.

Eine Studentin im Swat-Tal, Myra Khan, kritisierte Malala ebenfalls. "Ich stelle eine ganz simple Frage: Was hat sie bisher für die Bildung von Mädchen im Swat getan?" Malala habe "nicht einmal eine einzige Einrichtung" aufgebaut und auch keinen Hilfsfonds eingerichtet.

Auch Enttäuschung und Gelassenheit in Pakistan
Einige andere Bewohner von Malalas Heimatregion, dem Swat-Tal, reagierten dagegen gelassen auf die Entscheidung des Nobelkomitees. "Wenn sie den Preis nicht gewonnen hat, ist das keine große Sache", sagte der 17-jährige Muhammad Fahad, der Malala aus der Schule kennt. Sie werde noch viele Auszeichnungen erhalten, zeigte er sich überzeugt. Malalas Cousin Mehmoodul Hassan sagte, die 16-Jährige sei "selbst eine Auszeichnung für uns".

Der Politiker und frühere Kricket-Star Imran Khan erklärte, er sei enttäuscht, dass die 16-Jährige den Friedensnobelpreis nicht erhalten hat. "Wir sind stolz auf diese Tochter Pakistans, die in so jungem Alter ein Trauma durchleiden musste, nur weil sie sich für das Recht von Mädchen auf Bildung eingesetzt hat", sagte der Chef der Partei Tehreek-e-Insaf. Pakistans ehemalige Botschafterin in den USA, Sherry Rehman, kritisierte im Kurzbotschaftendienst Twitter: "Jetzt ist auch diese Auszeichnung mit politischen Bedenken aufgeladen."

"Wäre mehr, als ich verdiene"
Die Kinderrechtsaktivistin selbst hatte am Donnerstag gesagt, wenn sie den Friedensnobelpreis erhalten würde, "wäre das eine solch große Ehre und mehr, als ich verdiene". Der Preis könne ihr helfen, eine "Kampagne für die Bildung von Mädchen" zu starten, sagte Malala in einem CNN-Interview.

Auf die Frage, ob sie lieber Politikerin oder Ärztin werden würde, sagte sie: "Ich will Premierministerin Pakistans werden". Ihrer Ansicht nach wäre das "wirklich gut, weil ich durch Politik mein ganzes Land retten könnte", sagte Malala. Sie könne dann einen Großteil des Haushalts für Bildung ausgeben und sich der Außenpolitik widmen.

Am Donnerstag hatte die Schülerin den renommierten Sacharow-Preis für Menschenrechte des Europäischen Parlaments gewonnen (siehe Infobox). Sie lebt inzwischen mit ihrer Familie in Großbritannien, wo sie nach dem Taliban-Anschlag behandelt wurde. Seither hat sie vor der UNO gesprochen, eine Einladung der britischen Königin Elizabeth II. zum Tee erhalten und kürzlich ihre Autobiografie veröffentlicht.

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