26.08.2013 11:57 |

Mitten in Costa Rica

20-jähriges Jubiläum von Österreichs Tropenstation

Mitten im letzten tropischen Regenwald Mittelamerikas liegt seit 20 Jahren ein Außenposten österreichischer Forschung: die Tropenstation "La Gamba" in Costa Rica. Von einem Diplomarbeitsprojekt hat sich die Station zu einer Einrichtung entwickelt, die Studenten, Forschern und Interessierten die Möglichkeit für Forschungsprojekte und Studienreisen bietet. "Es ist bemerkenswert, dass sich nur aus einer Idee und ohne große finanzielle Mittel eine international anerkannte Institution entwickelt hat", erklärte einer der Gründungsväter, Anton Weissenhofer.

Im Jahr 1991 hat der Wiener Musiker Michael Schnitzler mithilfe österreichischer Spendengelder begonnen, im Südwesten Costa Ricas nahe der Pazifikküste Tieflandregenwald aufzukaufen und so vor Ausbeutung und Zerstörung zu schützen. Schnell regte sich das Interesse der Wissenschaft an dem Projekt. "Alle waren Feuer und Flamme, schließlich mussten sich bis dahin die Tropenforscher in fremde Stationen einmieten", erinnerte sich Schnitzler.

Auch die beiden Wiener Biologiestudenten Werner Huber und Anton Weissenhofer lockte die österreichische "Außenstelle": Im Zuge ihrer Diplomarbeit machten sie sich in dem Gebiet auf die Suche nach primärem, also unberührtem, Regenwald. "Drei Wochen lang haben wir bei einem Bauern gewohnt und vergeblich die ganze Gegend abgegrast - erst am letzten Tag wurden wir fündig", erinnert sich Weissenhofer, der gemeinsam mit Huber die Station weiterhin betreut und koordiniert. Beide sind mittlerweile Wissenschaftler am Department für Tropenökologie und Biodiversität der Tiere der Uni Wien.

Von der kleinen Wellblechhütte zur Forschungsstation
Und so machten sich die beiden 1993 wieder auf den Weg in das mittelamerikanische Land und kauften mit Unterstützung des Vereins "Regenwald der Österreicher" nahe der kleinen Ortschaft La Gamba eine Finca, damals nicht viel mehr als eine Wellblechhütte samt Garten. Das allerdings am Rand eines Waldes, der mit rund 3.000 verschiedenen Gefäßpflanzenarten der artenreichste Mittelamerikas und einer der artenreichsten der Welt ist. Auf einem Hektar, so zeigten Untersuchungen der vergangenen Jahre, finden sich bis zu 180 verschiedene Baumarten, in der ganzen Region sind es 600 unterschiedliche Baumarten - in Österreich gibt es gerade einmal 50.

Kein Wunder also, dass das Interesse an der Station sprunghaft anstieg. Am Anfang waren Huber und Weissenhofer noch "Mädchen für alles, wir arbeiteten für unsere Dissertation, machten Führungen, Abrechnungen, betreuten die immer zahlreicheren Gäste, Studenten, Naturtouristen, etc.", so der Biologe.

1996 übersiedelte die Station daher in ein größeres Haus, direkt angrenzend an ein Areal mit primärem Regenwald. Zudem wurde mit der Anlage eines Botanischen Gartens begonnen, der zahlreiche thematische Pflanzengruppen, etwa tropische Nutzpflanzen, aber auch Bromelien und Helikonien-Sammlungen, ein Orchideenhaus und ein Bienenhaus beherbergt. Im Jahr 2000 schließlich wurde ein neues Wohngebäude mit Küche gebaut, das Platz für 40 Personen bietet. Seit 2007 gibt es auch ein Labor.

"Verein zur Förderung der Tropenstation La Gamba" gegründet
Ohne den "Regenwald der Österreicher", der Teil des rund 150 Quadratkilometer großen Nationalparks Piedras Blancas ist, hätte es die Station nicht gegeben, ist sich Schnitzler sicher. Vom Katzenfutter über die Häuser bis zu Stipendien - für alles sei in den ersten Jahren der Verein aufgekommen - "bis zu dem Punkt, an dem mir das zu hoch war und ich gesagt habe, wir sind nicht dazu da, den Lehrbetrieb der Uni Wien zu finanzieren", so Schnitzler. Deshalb habe man überlegt, wie man die Station ausgliedern könnte.

Dazu wurde der uninahe "Verein zur Förderung der Tropenstation La Gamba" gegründet, in dessen Besitz die Forschungsstation 2006 überging und der seither über Mitgliedsbeiträge, Spenden, Sponsoring und Nutzungsbeiträge die Mittel für die Station einwirbt. Zudem gab es bis 2011 eine Basissubvention des Wissenschaftsministeriums für die Station, die mittlerweile von der Uni Wien kommt.

Reger Betrieb in der Forschungsstation
Rund 4.000 Nächtigungen werden pro Jahr in der Forschungsstation registriert, sie bietet mit ihren wissenschaftlichen Geräten Studenten und Forschern aus Österreich und anderen Ländern die Möglichkeit, Forschungsprojekte, Projektpraktika und Exkursionen durchzuführen. Mehr als 90 Diplomarbeiten sind laut Weissenhofer bereits in der Station absolviert worden, zahlreiche Bücher und Publikationen erschienen, nicht nur aus dem Bereich Botanik und Zoologie, sondern auch aus den Gebieten Ökologie, Naturschutz, Soziologie und Ethnologie. Erst kürzlich erschien in der Publikationsreihe der Station ein Band über die Orchideen der Region.

Um die Verbindung mit der einheimischen Bevölkerung zu verstärken, wurde von der Station auch ein Sozialfonds eingerichtet, der seit Jahren Kindern aus La Gamba einen AHS-Abschluss ermöglicht.

"Sehr gute Symbiose" zwischen Forschung und Projekt
Für Schnitzler ist die Verbindung von "Regenwald der Österreicher" und Forschungsstation eine "sehr gute Symbiose". Er hält nichts von Schutzgebieten, die man nicht betreten darf, "ein Wald, der durch Spendengelder unterstützt wird, gehört auch erforscht". Auch Weissenhofer verweist auf den gegenseitigen Nutzen: "Der 'Regenwald der Österreicher' fördert den Bekanntheitsgrad der Station, umgekehrt hat die Forschung dem Projekt viel geholfen."

Offiziell gefeiert wird das 20-jährige Bestandsjubiläum am 5. Dezember an der Uni Wien. Dazu soll auch ein Buch mit Interessantem, Lesenswertem und Kuriosem aus 20 Jahren Tropenstation La Gamba erscheinen.

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