31.07.2013 12:41 |

"Krone"-Ombudsfrau

Mit Helfern unterwegs: Lebensretter auf Abruf

Mehr als 12.300 Bergretterinnen und Bergretter lassen alles stehen und liegen, wenn sie gebraucht werden.

"Geborgenheit ist unser Ziel", sagt Franz Lindenberg, Präsident des Österreichischen Bergrettungsdienstes. Diesen Leitsatz haben die ausnahmslos ehrenamtlichen Retter in ganz Österreich vor Augen, wenn sie Menschen in Bergnot helfen.

Trotz dieser großen Einsatzbereitschaft können sie nicht jeden Verunfallten lebend bergen. In dieser Sommersaison verloren bisher mehr als 20 Menschen ihr Leben in den Bergen.

Im Notfall reicht ein kurzer Anruf unter der Notrufnummer 140, und innerhalb weniger Minuten wird die Rettungskette in Gang gesetzt. Immer mehr Menschen verbringen ihre Freizeit im freien Gelände, was auch mehr Unfälle bedeutet. Unter ihnen sind nicht nur verirrte Wanderer oder verletzte Kletterer. Besonders die vielen neuen Trendsportarten wie Canyoning, Paragleiten oder das Skifahren abseits der Pisten machen auch eine aufwendige Spezialisierung der Bergretter notwendig. War noch vor einigen Jahren die schlechte Ausrüstung für viele Unfälle verantwortlich, so beobachten die Experten heute: "Manche Menschen gehen ins nächste Geschäft und kaufen sich eine gute Ausrüstung, können damit aber nicht richtig umgehen. Dazu fehlt ihnen oft auch die notwendige Kraft und Kondition."

Am Beginn eines Bergunfalls steht nach Erfahrung der Bergrettung meist eine Fehlentscheidung. Wie wichtig das Treffen richtiger Entscheidungen innerhalb ganz kurzer Zeit ist, erleben wir, als wir bei einem der regelmäßigen Übungseinsätze dabei sind. Übungsannahme ist die Bergung einer in der Wand hängenden jungen Kletterin. Der Einsatzleiter verteilt die Aufgaben. Ein Retter wird abgeseilt, die junge Frau am Bergeseil gesichert. Danach wird ihr Seil gekappt – eine sogenannte Kaperbergung. In solchen Situationen müssen sich die Retter blind aufeinander verlassen können. Damit so viel Vertrauen möglich ist, wird intensiv geübt. Dafür opfern die Ehrenamtlichen viel von ihrer Freizeit.

2012 wurden 7.440 Personen geborgen
Beeindruckende 70.077 Einsatzstunden haben die Bergretter im Vorjahr geleistet. Mehr als 5.200 Personen mussten verletzt geborgen werden. Leider gab es 173 Todesfälle zu beklagen. Zum Bergretter ausgebildet werden nur bereits erfahrene Alpinisten. Fragt man nach der Motivation, so lautet die Antwort oft ganz schlicht: "Helfen macht Sinn."

Diese Hilfe ist sehr zeitaufwendig, viele Helfer sind oftmals tagelang im Gelände unterwegs, um vermisste Personen zu finden. Die Kosten für Berge und Sucheinsätze müssen von den Verunfallten privat bezahlt werden, wenn keine Versicherung abgeschlossen wurde.

Ein Tipp: Als Förderer der Bergrettung ist man automatisch auch bergeversichert. Ähnliche günstige Möglichkeiten bieten übrigens auch die Alpenvereine an. Damit im Ernstfall nicht wichtige Zeit verloren geht, rät der oberste Bergretter Franz Lindenberg: "Erzählen Sie immer jemandem, wohin Sie wollen und wann sie wieder retour sein möchten." Und wenn sie selber im Gelände unterwegs sind: "Ein guter Zeitpunkt, um Hilfe zu ersuchen, ist, wenn man sich nicht mehr sicher ist, ob sich das Geplante noch ausgeht."

Empfehlungen der Bergrettung:
Gerade bei der derzeitigen Hitze suchen viele Menschen Abkühlung in den Bergen. Wichtig ist immer eine gute Planung. Wohin soll es gehen, passt das Wetter und entspricht das Geplante dem Können aller Beteiligten?

Um für Notfälle gerüstet zu sein, empfiehlt die Bergrettung folgende Gegenstände im Rucksack bei einer Wanderung mitzunehmen:

  • Erste-Hilfe-Set
  • Handy (Achtung: In den Bergen ist nicht überall Empfang!)
  • Biwak-Sack (zum Übernachten im Freien)
  • Kälteschutz (Jacke oder Pullover)
  • Sonnenbrille
  • Regenschutz
  • Stirnlampe
  • Landkarte
  • Jause und Wasser zum Trinken
  • Kompass
  • Messer
  • Signalpatronen
  • Pfeiferl
  • Navigationsgerät

Der alpine Notruf ist in ganz Österreich 24 Stunden erreichbar unter der Notrufnummer: 140 (in Vorarlberg: 144).

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