20.10.2005 14:55 |

9 Kreuze im Schnee

Ski-Weltcup gedenkt zum Auftakt der Sölden-Opfer

Nur wenige Meter entfernt vom Ort der Tragödie startet der alpine Ski-Weltcup auf dem Söldener Gletscher in die Saison. Doch einen völlig unbeschwerten Beginn des Olympia-Winters kann es knapp sieben Wochen nach dem Seilbahnunglück am Rettenbachferner mit neun deutschen Todesopfern, darunter sechs Kinder, nicht geben. Bei einer Schweigeminute am Samstag kurz vor dem ersten Durchgang des Damen-Riesenslaloms werden sich Kameraobjektive und Blicke der Zuschauer auf die neun Holzkreuze im Schnee richten.

"Es braucht keiner ein schlechtes Gewissen zu haben. Es wird weitergehen, und es muss weitergehen", sagte Günter Hujara. Als FIS-Renndirektor wacht Hujara seit 1992 über die Sicherheit an den Weltcuppisten. Daher kann er wohl am wenigsten verstehen, wie sich ein Betontrog von einem Transporthubschrauber lösen und dann noch eine Gondel treffen konnte. Bei einer Pisten-Inspektion vor einer Woche fuhr er erstmals wieder mit der Unglücksbahn "Schwarze Schneid II". 

Kein Ski- sondern ein Helikopter-Unfall
Unter Tränen trat er Anfang September vor die Öffentlichkeit und bat die Medien, die Privatsphäre der Angehörigen zu schützen. "Das hat jeder Pressevertreter verstanden, und keiner hat versucht, die Eltern zu belästigen", meinte Hujara. Er habe nie daran gedacht, als FIS-Renndirektor aufzuhören. "Es ist kein Skiunfall, sondern ein Helikopterunfall gewesen. Die Leidenden sind die Eltern, nicht ich."

Auch Profis lässt das Unglück nicht kalt
Auch die Skirennläufer lässt das Unglück nicht kalt. "Im Training war es schwierig, damit umzugehen. Der Anblick der Kreuze hat mich berührt, da wird man ruhig und in sich gekehrt", bekannte Martina Ertl, erinnerte aber auch an ihre Pflicht als Profi: "Beim Wettkampf sollte das jedoch nicht im Vordergrund stehen. Da muss man sich auf das Skifahren konzentrieren."

Start in den Olympia-Winter
Am Samstag starten die Damen mit einem Riesentorlauf in die Renn-Saison, am Sonntag folgen in der selben Disziplin die Herren. Die Bedingungen auf dem Gletscher sind perfekt und Österreichs Asse haben eine Menge Favoriten im Talon: Benni Raich, Hermann Maier und nicht zuletzt Vorjahres-Sieger Stephan Görgl werden ganz vorne mitmischen. Bei den Damen werden sich wohl eher Läuferinnen aus anderen Ländern den Sieg unter sich ausmachen.

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