24.07.2013 11:10 |

Plakataktion in D

"Operation Last Chance" jagt letzte Nazi-Verbrecher

In Berlin, Köln und Hamburg hat mit einer großen Plakataktion am Dienstag die "Operation Last Chance II" begonnen: Damit will das Simon-Wiesenthal-Zentrum die letzten lebenden Nazi-Verbrecher finden und helfen, diese vor Gericht zu stellen. In Teilen Deutschlands vermutet die Organisation nach Hinweisen noch einige ehemalige Aufseher von Konzentrationslagern, die für ihre Taten nie belangt wurden.

Rund 2.000 Poster in Berlin, Köln und Hamburg zeigen den Eingang zum Konzentrationslager Auschwitz. "Spät, aber nicht zu spät" sei es, einige der noch freien Täter vor Gericht zu bringen, ist darauf zu lesen.

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum schätzt, dass von den 6.000 in Vernichtungslagern beschäftigten Personen noch etwa 120 am Leben sein könnten. Davon könne man vielleicht 60 noch vor Gericht stellen, so der Direktor des Zentrums, Efraim Zuroff. "Die Zeit, die uns noch bleibt, müssen wir nutzen."

"Alter schützt die Nazi-Helfer nicht"
Die Namen dieser Menschen kenne man nicht, doch man hoffe auf Hinweise aufmerksamer Bekannten oder Nachbarn, erklärte Zuroff. Man wolle so viele Informationen wie möglich sammeln, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen zu können. "Das hat etwas mit Gerechtigkeit zu tun", so Zuroff. "Das Alter schützt die Nazi-Helfer nicht vor ihren begangenen Taten." Zudem hätten die Täter auch kein Mitleid mit ihren Opfern.

25.000 Euro für wertvolle Hinweise
Für wertvolle Informationen gibt es bis zu 25.000 Euro. Dies stieß auch auf Kritik. Der deutsch-israelische Historiker Michael Wolffsohn lehnte das "ausgeschriebene Kopfgeld" als "pietät- und schamlos" ab. Die Plakataktion rufe eher Mitleid mit den betagten Kriegsverbrechern hervor, sagte Wolffsohn dem Deutschlandradio Kultur. Zuroff verteidigte das Vorgehen jedoch: Ursprünglich sei keine Belohnung geplant gewesen, doch dadurch habe man sehr viel Aufmerksamkeit von den Medien erhalten.

Suche nach Nazi-Verbrechern immer noch erfolgreich
Mit ähnlichen Plakaten hat das Simon-Wiesenthal-Zentrum bereits in Österreich, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Ungarn und Kroatien nach Nazi-Verbrechern gesucht. Einer der letzten großen Erfolge bei der Strafverfolgung gelang 2011, als John Demjanjuk in Deutschland für seinen Dienst als Wachmann im Vernichtungslager Sobibor wegen Beihilfe zum Mord in Tausenden Fällen zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Im Mai diesen Jahres wurde ebenfalls in Deutschland der inzwischen 93-jährige Hans Lipschis verhaftet - er soll als Aufseher im KZ Auschwitz die Ermordung von Häftlingen unterstützt haben.

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