15.07.2013 21:01 |

Erderwärmung

Meeresspiegel könnte pro Grad um zwei Meter steigen

Kohlendioxid, das bisher durch Verbrennen fossiler Energieträger zusätzlich in die Atmosphäre gelangt ist, wird dort noch lange Einfluss auf das Weltklima haben. Die damit verbundene Erderwärmung könnte wiederum zum Anstieg der Meeresspiegel um mehr als zwei Meter pro zusätzlichem Grad Celsius führen, wie ein internationales Forscherteam mit Innsbrucker Beteiligung nun berechnet hat. Dafür verantwortlich wäre vor allem das Abschmelzen der großen grönländischen und antarktischen Eisschilde in den nächsten 2.000 Jahren.

Waren es in der Vergangenheit vor allem die Ausdehnung des etwas wärmeren Wassers und das Abschmelzen von Gebirgsgletschern, die zum Anstieg des Meeresspiegels um etwa 20 Zentimeter im 20. Jahrhundert geführt haben, wird in fernerer Zukunft vor allem das Abschmelzen des antarktischen und grönländischen Eisschilds diese Entwicklung stark beschleunigen, so die Forscher in der Fachzeitschrift "Pnas".

CO2 bleibt "entsetzlich lang" in der Atmosphäre
Wird CO2 einmal freigesetzt, verbleibe es "entsetzlich lange in der Atmosphäre", so der Erstautor der Studie, Anders Levermann, vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Die durch das Treibhausgas verursachte Erwärmung bleibe daher ebenfalls entsprechend lange bestehen.

Momentan werde nur deshalb kein stärkerer Anstieg verzeichnet, weil die großen Eisschilde aufgrund ihrer enormen Masse nur langsam reagieren. "Das Problem ist: Einmal aus dem Gleichgewicht gebracht, ist der Anstieg nicht mehr aufzuhalten - es sei denn, die Temperatur fällt", so Levermann.

Meeresspiegel in wärmeren Perioden deutlich höher
In die aktuelle Analyse gingen erstmals auch Belege aus der frühen Erdklimageschichte ein. Für ihre langfristigen Prognosen nützen die Wissenschaftler Daten aus Sedimenten vom Meeresgrund und von ehemaligen Uferlinien verschiedener Küsten weltweit. Darin fanden sich neue Hinweise darauf, dass in wärmeren Perioden der Erdgeschichte die Meeresspiegel deutlich höher waren. In ihren Computersimulationen kombinierten sie diese Daten mit physikalischen Modellen über die möglichen Entwicklungen aller Hauptquellen für den langfristigen Anstieg des Meeresspiegels.

"Wir haben schon vorher gezeigt, dass die Modelle in der Lage sind, Wachstum und Schmelzen der Eisschilde und Gletscher in der Vergangenheit zu reproduzieren", wird Ben Marzeion, Glaziologe an der Universität Innsbruck, zitiert. Jetzt ging es den Forschern darum, zu untersuchen, "wie sich die Erwärmung in der Zukunft auswirken wird".

Eisschild und Grönland lassen Meeresspiegel steigen
In den Projektionen zeige sich nun, woher die größten Beiträge zu dem möglichen starken Anstieg der Meere kommen werden: Steigt die weltweite Durchschnittstemperatur gegenüber dem Niveau der vorindustriellen Zeit um vier Grad, dann wird der antarktische Eisschild in den nächsten 2.000 Jahren rund die Hälfte und Grönland ein zusätzliches Viertel dazu beitragen.

Die Wärmeausdehnung des Wassers zeichnet laut den Modellberechnungen dann noch für 20 Prozent und das Abschmelzen von Berggletschern für weniger als fünf Prozent verantwortlich. Ein derartiger Temperaturanstieg sei in einem Szenario, bei dem der CO2-Ausstoß unvermindert weitergeht, innerhalb eines Jahrhunderts möglich.

Forscher warnen vor signifikantem Anstieg
Die Forscher zeigen sich aufgrund ihrer Erkenntnisse überzeugt, dass es zu einem signifikanten Anstieg kommen wird. "Gemessen in Legislaturperioden mag er zwar langsam sein", so Levermann, der dafür plädiert, sich zukünftig gut zu überlegen, "was wir in Küstennähe bauen".

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