15.07.2013 10:48 |

"Wie ein Orang-Utan"

I: Empörung nach rassistischem Sager gegen Ministerin

Der italienische Ex-Reformenminister und Senator der rechtspopulistischen Oppositionspartei Lega Nord, Roberto Calderoli (Bild 2 re.), hat mit Äußerungen über Italiens erste schwarze Ministerin eine Welle der Empörung ausgelöst. Bei einer Veranstaltung mit Lega-Anhängern sagte Calderoli, die italienisch-kongolesische Integrationsministerin Cecile Kyenge (Bild) erinnere ihn "an einen Orang-Utan". Mittlerweile hat sich der Senator bei der Ministerin entschuldigt.

Er habe mir ihr ein telefonisches Gespräch geführt und ein Treffen im Parlament ausgemacht, bei dem Themen der Integration besprochen werden sollen, sagte Calderoli. Für seine Ausfälle entschuldigte er sich mit der Bemerkung, er habe sich auf einer politischen Versammlung zu Wort gemeldet. Es sei ihm ferngelegen, die Ministerin zu beleidigen.

Staatspräsident: "Barbarisches Verhalten"
Der Vizepräsident des Senats weigerte sich jedoch zurückzutreten, wie mehrere Politiker gefordert hatten. Seine Worte seien missverstanden worden, sagte Calderoli, der auch Empörung bei Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano ausgelöst hatte. Dieser klagte über "barbarisches Verhalten" in der italienischen Politik.

Der Lega-Nord-Senator hatte vor Anhängern erklärt: "Wenn ich Kyenge sehe, muss ich an einen Orang-Utan denken." Für diese Aussage wurde Calderoli auch innerhalb der eigenen Reihen kritisiert. Ministerpräsident Enrico Letta bezeichnete die Worte als "unannehmbar" und drückte seine volle Solidarität mit der verunglimpften Ministerin aus.

Calderoli: "Sie wäre gute Ministerin, allerdings im Kongo"
Der Senator versuchte zunächst noch seine Beleidigungen herunterzuspielen: "Meine Worte sind aus dem Zusammenhang gerissen worden. Ich habe lediglich behauptet, dass Kyenge eine gute Ministerin wäre, allerdings in ihrer Heimat Kongo."

Kyenge selbst betonte, sie bedauere Calderolis Attacke. "Politische Diskussionen dürften nicht in persönliche Angriffe entarten", erklärte die Ministerin. Die 49-Jährige Kyenge, eine aus der Demokratischen Republik Kongo stammende Augenärztin, ist seit ihrem Amtsantritt als Ministerin im April Zielscheibe zahlreicher rassistischer Angriffe.

Die Lega Nord ereifert sich vor allem über ihren Plan, in Italien geborenen Kindern von Immigranten automatisch die italienische Staatsbürgerschaft zu verleihen, statt damit wie bisher bis zu ihrem 18. Lebensjahr zu warten.

Lega-Senator für rassistische Äußerungen bekannt
Calderoli wiederum ist für rassistische Äußerungen bekannt. So musste er 2006 als Minister zurücktreten, weil er in einem T-Shirt mit Mohammed-Aufdruck zu einer Talkshow erschienen war. Im selben Jahr trat er mit der Behauptung hervor, Frankreich habe das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Italien deshalb verloren, weil die Elf mit "Niggern, Muslimen und Kommunisten" gespielt habe.

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