Beleidigen, bedrohen, bloßstellen, belästigen – immer mehr Burgenländer leiden unter Gewalt, die ganz gezielt via Handy-Netz ausgeübt wird.
„Der Anteil von Cyber-Gewalt nimmt enorm zu. Das macht sich in unserer täglichen Arbeit bemerkbar“, sagt Alexander Grohs, Leiter des Vereins Neustart, der vor allem in der Straffälligenhilfe und Prävention tätig ist. 12 hauptberufliche und 40 ehrenamtliche Mitarbeiter haben 2024 im Burgenland 1100 Fälle betreut, davon 650 alleine in der Bewährungshilfe und Gewaltvorbeugungsberatung. „Mobbing, Stalking, Drohungen und Hassreden kommen verstärkt digital vor. Daraus ergeben sich viele neue Herausforderungen“, gibt der Fachmann zu bedenken.
Auswirkungen gravierender
Internet und Social-Media werden immer mehr zum Tatort krimineller Handlungen. Der Fokus bei Cybercrime liegt nicht mehr nur auf Phänomen wie Phishing (Datendiebstahl) oder Malware-Angriffen, sondern auf Delikten, die sich vom Alltag vermehrt in die digitale Welt verlagern. Die Auswirkungen sind laut Behörden teils gravierender als früher, weil die Opfer unter anderem in den eigenen vier Wänden und hinter verschlossenen Türen weiterhin bedroht werden können.
Verbote lösen das Problem nicht. Grenzen und Regeln sollte es punkto Gefahren im Netz aber geben. Der Gesetzgeber ist gefordert, etwa bei den Alterslimits.
Alexander Grohs, Leiter des Vereins Neustart
Spyware am Handy
„Gewalt in der Privatsphäre kann eine weitere Steigerung erfahren, wenn etwa die Betroffenen durch installierte Spyware am Handy laufend überwacht werden“, schildert Grohs seine Praxiserfahrungen im Beruf. Tendenzen zur Radikalisierung werden insbesondere durch Social-Media verschärft oder erst ausgelöst.
Jugend vor Gefahren auf Social-Media nicht gefeit
Ein Trugschluss sei aus Sicht der Experten die Annahme, dass jüngere Generationen automatisch kompetenter im Umgang mit dem weltweiten Netz sind.
„Vor allem Kinder und Jugendliche benötigen Gespräche darüber, wie die Mechanismen von Social-Media funktionieren und welche Bedeutung dem Status quo beizumessen ist“, betont Grohs. Mit dem richtigen Umgang könne die digitale soziale Kompetenz verbessert werden und lasse sich das Risiko senken, zu einem Opfer oder sogar Täter zu werden.
Verbote nicht sinnvoll
„Die Richtung stimmt“, wie der Verein Neustart urteilt. „Die hohe Zahl an zugewiesenen Gefährdern oder Beschuldigten zeigt, dass einerseits ein dringender gesellschaftlicher Bedarf an Resozialisierungsarbeit besteht. Andererseits wird die grundlegende Arbeit unseres Teams durch das Vertrauen der Staatsanwaltschaft, des Gerichts und der Polizei in die Qualität und Wirkung klar belegt“, fasst der Neustart-Leiter zusammen. Generelle Verbote von Social-Media oder Internetzugängen sieht er als wenig zielführend.
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