Mi, 14. November 2018

Schwere Vorwürfe

13.05.2013 16:05

Monsterprozess gegen Rotlichtboss in Wien eröffnet

Die Hände feingliedrig und gepflegt, Anzug und Schuhe aus feinsten Materialien, die Sprache gewählt - so präsentierte sich Richard Steiner, Wiener Rotlichtkönig a.D., am Montag zum Prozessauftakt vor Gericht. Er griff ins Sakko und überreichte dem Richter seine Visitenkarte. Er wolle viel Geld mittels Verbreitung einer neuen Wodka-Marke machen - wenn ihn das Schöffengericht lässt. Denn die Anklage gegen ihn wiegt schwer: Kopf einer kriminellen Vereinigung, schwere Erpressung, Steuerhinterziehung in Millionenhöhe und vieles mehr.

Neben Steiner (Bild rechts) stehen mit Peter A. und Dusko R., genannt "Rocky", weitere zwei Schwergewichte der Gürtelszene vor dem Richter. Leo B. als Geschäftsführer und zwei mutmaßliche Schläger komplettieren die Truppe der Angeklagten im Wiener Landesgericht.

Staatsanwältin Susanne Kerbl-Cortella wirft Steiner und seinen Mitangeklagten vor, ein "Regime des Schreckens" in der Rotlichtszene in Wien und OÖ errichtet zu haben - durchaus mit Gewalt, wie zerstörte Lokaleinrichtungen, Buttersäure-Attentate, Freiheitsentziehungen und massive Prügel für einen Konkurrenten und auch der brutale Überfall auf ein Ehepaar in OÖ belegen sollen. Das weibliche Opfer, laut Anklage eine "unbedarfte Geschäftsfrau", ist heute ein Pflegefall. Und die Staatsanwältin beklagt "zögerliche und sichtlich beeinflusste Zeugenaussagen aus dem Milieu".

Verteidigung vermisst "Mindestmaß an Objektivität"
Die Anwälte der Angeklagten werden vor Gericht samt und sonders zu "Bodyguards", und sie nehmen ihre Mandanten vehement in Schutz: Christian Werner, er vertritt Steiner und Peter A., vermisst ein "Mindestmaß an Objektivität" seitens der Ermittler und der Anklagebehörde: "Jeder, der Steiner als gewaltbereites, psychopathisches Monstrum bezeichnete, fand Gehör. Entlastungszeugen nicht." Und er wundert sich, dass nur sechs Angeklagte im Saal sind, "wo doch eine kriminelle Vereinigung aus mindestens zehn Personen bestehen muss".

Herbert Wabneg, der Anwalt von "Rocky", schlägt in dieselbe Kerbe: "Meinem Mandanten wird ein Erpressungsfall vorgeworfen. Er hat das beste Alibi, er war nämlich zu dieser Zeit in Haft!" Robert Lattermann als Anwalt eines mutmaßlichen Schlägers sagt, dass "dieser Prozess die Rechtfertigung für den immensen, aber falschen Aufwand bei den Ermittlungen ist".

"Keine Schüsse, keine Stiche, keine Toten"
Zum Vorwurf der betrügerischen Krida - ein Lokal wurde geschlossen und gleich wieder eröffnet - bekennt sich Steiner teilweise schuldig. "Das ist nicht Ihr schwerwiegendstes Problem", so Richter Stefan Erdei. "Das andere ist Science-Fiction, ich war immer gegen Gewalt", kontert Steiner.

Und er erzählt, wie er sich mit 18 bei der Fremdenlegion einen Namen gemacht hatte, aber auch eine schwere Kopfverletzung durch eine Panzergranate erlitt: "Das hat sich aufs Gemüt geschlagen, ich war extrem aggressiv." Dichter Dostojewski, der Buddhismus und vegane Ernährung hätten aber aus ihm jenen gemacht, der er heute ist: "Mein Leben hat sich um 180 Grad geändert. Das habe ich am Gürtel demonstriert. In meiner Zeit gab es keine Brandstiftungen, keine Schüsse, keine Stiche, keine Toten."

In Topf für "Nachbarschaftshilfe" eingezahlt
Möglich sei dies durch "Nachbarschaftshilfe" gewesen - Lokalbetreiber hätten in einen Topf eingezahlt, davon seien "die Gehälter für acht gute, große, starke Leute" bezahlt worden. Schutzgeld sei niemals erpresst worden. "Alle haben sich eine goldene Nase verdient, aber ich war Idealist." Nun habe er den Dank in Form eines Prozesses: "Weil ich zum Buddhismus konvertiert bin, wurden all die Mickymäuse und Teddybären zu Monstern."

Der Monsterprozess, bei dem rund 100 Zeugen geladen sind, ist auf 43 Tage anberaumt.

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