Steirer als Hehler

Hunderte Autos geklaut und zerlegt: Bande ausgehoben

Österreich
26.04.2013 12:17
Einer europaweit agierenden Bande von Autodieben hat die Polizei das Handwerk gelegt. Die Gruppe wird für den Diebstahl Hunderter Pkws seit dem Jahr 2006 verantwortlich gemacht. Die Fahrzeuge wurden laut Exekutive in Einzelteile zerlegt und anschließend über das Unternehmen eines Steirers - er gilt als mutmaßlicher Bandenboss - verkauft. Auf das Konto der Gruppe soll ein Schaden von rund zwei Millionen Euro gehen.

Beamte der SOKO Kfz waren seit Beginn des Vorjahres mit Ermittlungen wegen Autodiebstählen beschäftigt gewesen. Dabei stießen sie auf den 54-jährigen Unternehmer im oststeirischen Bezirk Hartberg-Fürstenfeld. Die Fahnder hatten den Verdacht, dass in dem Betrieb Autoteile von gestohlenen Fahrzeugen im großen Stil verändert und weiterverkauft wurden, erläuterte Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil bei einer Pressekonferenz am Freitag.

Unmengen an gestohlenen Autoteilen sichergestellt
"Der Zugriff erfolgte am 15. Jänner 2013", berichtete Chefinspektor Andreas Kummer von der SOKO Kfz. Die Kriminalisten stießen dabei auf eine Unmenge an gestohlenen Autoteilen - diese konnten 216 in Europa gestohlenen Fahrzeugen zugeordnet werden. Die Liste über das Diebesgut liest sich wie der Lagerbestand eines Autozulieferers: 519 Motoren, 805 Getriebe, 1.116 Airbags und 307 weitere Fahrzeugteile wurden sichergestellt. Um sie geordnet zu verwahren, wurde eine Lagerhalle in Kemeten im Burgenland angemietet - allein die gestohlenen Motoren füllen dabei einen Raum komplett aus (siehe Bild mit Ermittler Alois Reithofer).

"Wir haben auch über 600 Teile, die so verändert wurden, dass sie nicht zugeordnet werden konnten", schilderte Kummer. Sie dürften von zumindest 400 weiteren gestohlenen Fahrzeugen stammen. Die Teile seien "professionell" bearbeitet worden, meinte der Chefermittler. "Da ist viel kriminelle Energie und Know-how notwendig, um solche Veränderungen durchzuführen."

Fall laut Polizei österreichweit einzigartig
Für sechs mutmaßliche Täter klickten im Jänner die Handschellen, drei mögliche Komplizen werden noch per internationalem Haftbefehl gesucht. "Es wird natürlich jetzt noch begonnen, die Buchhaltung dieser Firma zu durchforsten", so Doskozil. Bei der Zerschlagung der Gruppe handle es sich um einen in seinen Dimensionen "für burgenländische Verhältnisse noch nie da gewesenen Fall". Auch österreichweit sei dieser einzigartig.

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner erklärte, der Erfolg der Ermittler beruhe auf der engen Zusammenarbeit unterschiedlichster Spezialisten aus verschiedenen Bundesländern und Einheiten. Auch wenn man in der Vergangenheit die Wichtigkeit der Sonderkommissionen unterschätzt habe, so würden sie einen unverzichtbaren Wert für die Sicherheitsgestaltung auf nationaler und international Ebene beweisen.

200 Autodiebstähle in Wien geklärt
Erst am Dienstag hatte das Landeskriminalamt Wien bekannt gegeben, einen Schlag gegen eine Bande von Autodieben erzielt zu haben. Gemeinsam mit Kollegen aus dem Burgenland und Polen nahmen die Ermittler sechs Verdächtige fest. Die mutmaßlichen Täter sollen für 200 Autodiebstähle in Wien verantwortlich sein (siehe Infobox).

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