Wien will bis 2040 von fossilen Energieträgern unabhängig sein. Wie gut das klappt und wo Potenziale schlummern, zeigt der „Green Economy Report“ in seiner dritten Auflage.
Die Stadt Wien verstärkt ihre Anstrengungen, bis 2040 klimaneutral zu werden, und setzt auf eine Vielzahl nachhaltiger Maßnahmen in den Bereichen Energie, Mobilität und Bauwesen. Der neue „Vienna Green Economy Report“ stellt Projekte vor, die zeigen, wie sich Umweltbewusstsein und wirtschaftliches Wachstum erfolgreich verbinden lassen. Anhand konkreter Projekte wird der Nutzen nachhaltiger Ansätze berechnet und analysiert, was städtebaulich möglich ist.
Wien hat gewaltigen Hebel
Ein Schwerpunkt der Analyse liegt auf dem Sektor Bauen und Wohnen, der in Wien für etwa 30 bis 40 Prozent der -Emissionen verantwortlich ist. Und gerade hier kann Wien im eigenen Wirkungsbereich eine große Hebelwirkung erzielen – gehören doch rund 1600 Gemeindebauten und 450 Pflichtschulen zum städtischen Portfolio. Mit Investitionen von jährlich 681 Millionen Euro in die Sanierung von Gemeindebauten werden nicht nur jährlich 227.000 Tonnen eingespart, sondern auch ein konjunktureller Impuls mit einem Beitrag von 387 Millionen Euro zum Bruttoregionalprodukt (BRP) geschaffen.
Beide Welten kein Widerspruch
„Ökologie und Ökonomie sind kein Gegensatz, sondern eine Win-win-Situation“, so Bürgermeister Michael Ludwig. Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, betont die Bedeutung des Gebäudesektors für die Klimaziele der Stadt: „Wenn wir in den nächsten Jahren klug in Klimaschutzmaßnahmen investieren, schaffen wir nicht nur Einsparungen bei den Emissionen, sondern generieren auch Hunderte Millionen Euro an neuer Wertschöpfung und sichern viele tausend Arbeitsplätze – was wir derzeit gut gebrauchen können.“ Die Wirtschaftskammer Wien unterstützt Unternehmen durch gezielte Beratungen und Förderungen, um ressourcenschonende Prozesse und nachhaltige Bauprojekte umzusetzen. Allein aktuelle Projekte würden in Wien über 6800 Arbeitsplätze sichern.
wurden durch nachhaltige Investitionen im Bereich Immobilien, Bau, Sanierung und Verkehr geschaffen.
Wiener Unternehmen beweisen Pioniergeist
Wie sich Nachhaltigkeit und Unternehmenserfolg verbinden lassen, weiß Hotelinhaberin Sonja Wimmer von „The Harmonie“: „Wir haben bei der Generalsanierung 2013 eine energieeffiziente Gebäudetechnik eingebaut und kürzlich eine Photovoltaikanlage installiert. Mittlerweile sparen wir bis zu 30 Prozent unserer bisherigen Energiekosten ein.“ Zudem habe man in den vergangenen Jahren die Vernetzung mit lokalen Bioproduzenten und Kultureinrichtungen vorangetrieben. Das mache sich jetzt auch bei Buchungen bemerkbar, so Wimmer. Sie würde den Weg wieder gehen.
Wirtschaft soll am Lehrplan stehen
Themen wie Nachhaltigkeit gehen eng mit Wirtschaft und Bildung einher. Soll die zukünftige Generation hier ihre Spuren hinterlassen, dann braucht es eine bessere Ausbildung. Dafür gingen Experten nun auch auf die Straße. Selten waren sich Experten so einig: Wirtschaftsbildung muss unbedingt auf dem Lehrplan in Schulen stehen. Unter dem Motto „Kinder stärken – Zukunft stärken: Wirtschaftsbildung jetzt“ präsentierten die Stiftung für Wirtschaftsbildung sowie Lehrkräfte und Schüler ihre sieben Forderungen an die künftige Regierung. Diese haben Vertreter von Arbeiterkammer, ERSTE Stiftung, Industriellenvereinigung, Innovationsstiftung für Bildung, MEGA Bildungsstiftung, Österreichische Nationalbank und Wirtschaftskammer Österreich ausformuliert.
Sieben-Punkte-Plan
Um dem den nötigen Nachdruck zu verleihen, wurde vor dem Parlament protestiert. Bei der Kundgebung erklärte Matthias Reisinger, Vorstand der Stiftung, dass die Forderung nach mehr Wirtschaftsbildung auch von allen im Nationalrat vertretenen Parteien unterstützt wird. „Was vor der Wahl gilt, muss auch nach der Wahl gelten. Die Parteien müssen Wirtschaftsbildung im Regierungsprogramm verankern“, so Reisinger. Die Initiative, die auch von Schülervertretungen unterstützt wird, stellt sieben konkrete Maßnahmen vor, die unter anderem die Verbesserung der Lehrerausbildung, den Einsatz qualitativ hochwertiger Lernmedien und die Unterstützung der Schulen vorsehen.
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